Der berühmteste Vampir der Literaturgeschichte stammt zweifelsohne von Bram Stoker, welcher Ire war. Demnach scheint sich ein wenig der Kreis zu schließen, denn der ebenfalls aus Irland stammende Gary Shore liefert mit seinem Regiedebüt so etwas wie ein Prequel zur Romanfigur Dracula ab.
Anno 1442 wird es für den transsilvanischen Fürsten Vlad (Luke Evans) immer schwerer, sein Volk gegen das Osmanische Reich unter der Führung von Sultan Mehmed (Dominic Cooper) zu verteidigen. Um Frau und Sohn und gleichermaßen sein Volk zu schützen, geht er einen Pakt mit einem Vampirdämon (Charles Dance) ein, welcher ihm für drei Tage übermenschliche Fähigkeiten zusichert. Doch der Pakt hat einen Haken...
Allzu genau nimmt es das Drehbuch mit den historischen Fakten natürlich nicht, denn schließlich geht es in erster Linie um pure Unterhaltung, ohne die Gehirnzellen übermäßig belasten zu müssen. Zumindest ist es mal interessant, einen eher ambivalenten Vlad zu erleben, dem das Wohl seiner Familie am Herzen liegt und der einerseits strategisch und andererseits emotional vorgeht, um einen Mittelweg aus der Misere zu finden. Ergo wird im ersten Drittel eine Hauptfigur präsentiert, der zwar Ecken und Kanten fehlen, welche sich zunächst noch wohltuend vom klassisch angelegten Blutsauger abhebt.
Nach dem geschlossenen Pakt wendet sich jedoch das Blatt und Vlad mutiert mithilfe passabler CGI zum Fledermaus-Dompteur und radiert als Ein-Mann-Armee binnen weniger Minuten 1000 Feinde aus. Das wirkt zuweilen arg steril, zumal fast kein Blut fließt und einige Kampfszenen im hektischen Kameragewusel untergehen, während die Optik ansonsten mit netten Landschaftsimpressionen und düsteren Kulissen punkten kann.
Herzblut und Leidenschaft fallen der flotten Erzählweise zum Opfer, welche phasenweise sogar arg gehetzt wirkt, um möglichst viel Action unterzubringen, bevor der Abspann bereits nach 85 Minuten einsetzt. Darunter leiden primär die Nebenfiguren, welche allenfalls als Stichwortgeber fungieren. Die dünne Story birgt derweil keinerlei Überraschungen, allerdings weist ein Cliffhanger auf mögliche Fortsetzungen hin, welche es in vorliegender Form ohne Finesse und Augenzwinkern eigentlich nicht wirklich benötigte.
Als reines Popkornkino sieht man dem Werk das Budget von rund 70 Millionen Dollar zwar häufig an, da technisch kaum etwas zu beanstanden ist und die Ausstattung mit tollen Räumlichkeiten und treffenden Kostümen zu punkten weiß. Der Geschichte hätte jedoch eine sorgfältigere Ausarbeitung der Charaktere deutlich besser zu Gesicht gestanden, als von einer Superheldenschlacht zur nächsten zu schreiten.
Insofern taugt der Streifen als treffend besetzte und solide performte Berieselung in Sachen Fantasy und Action, eingefleischte Horrorfreunde und Geschichtsinteressierte müssen demgegenüber deutliche Abstriche machen.
Knapp
6 von 10