Neuankömmling an einem Gehörlosen-Internat verwickelt sich in die kriminellen Machenschaften seiner taubstummen Kommilitonen, die neben nächtlichen Überfällen auf Passanten im Park auch ihre Mitschülerinnen zwangsweise am lokalen Truckstop anschaffen lassen. Auf Schockwirkung gebürstetes, ukrainisches Jugenddrama, das den Otto Normalzuschauer neben brachialen Sex- und Gewalt-Einlagen und einer extrem unangenehmen Abtreibungs-Sequenz primär dadurch vor den Kopf stößt, dass es seine tatsächlich taubstummen Laiendarsteller ausschließlich in Gebärdensprache miteinander kommunizieren lässt und gar nicht daran denkt, dem Publikum auch nur einen Millimeter entgegenzukommen und irgendwelche noch so popeligen Untertitel zum besseren Verständnis anzubieten. So betrachtet also ein moderner Stummfilm im wahrsten Sinne des Wortes. Nach einer gewissen Eingewöhnungszeit entpuppt sich "The Tribe" dann aber als schieres Faszinosum, nicht nur, weil das ein Film ist, den man aufgrund seiner Verweigerungshaltung gegnüber den üblichen Erzähl-Standards tatsächlich konzentriert schauen muss, um die Inhalte und Zusammenhänge einzelner Szenen zumindest intuitiv zu begreifen, sondern auch, weil das ungekünstelte und unmittelbare (und merklich authentische) Ganzkörper-Acting des Casts mit all seinen Gestikulationen eine ganz andere Intensität erreicht als das, was man in Sachen Performance von so 'ner typischen Hollywood-Produktion gewohnt ist. Insbesondere die Darstellerinnen sind unfassbar gut. Inszenatorisch hat man es sich selbst mit den stur aneinanderegereihten, gerne mal mehrminütigen Einstellungen, Kamerafahrten und Plan-Sequenzen ohne jedwede Zwischenschnitte und Nahaufnahmen ebenfalls nicht leicht gemacht, das nötigt Respekt ab. Ob die Chose aufgrund fehlender Dialoge (aber immerhin: das heißt, es gibt auch keine schlechten Dialogzeilen oder Klischees!) und dem doch ungenierten Suhlen im Dreck höhere Drama-Weihen erfährt sei mal dahingestellt... unzweifelhaft ist das aber ein Streifen, den man nach dem Ansehen nicht so schnell wieder vergisst, weil er statt einem das Händchen zu halten lieber eins aufs Maul gibt.
10/10