Thriller, als Regiedebüt von Han Won-joon, der sich zuvor und schon etwas länger her als u.a. Drehbuchautor bei Spy Girl (2004) und My Boss, My Hero [2001) betätigt und sonst keinerlei wirkliche Erfahrung oder gar Ruf in der Filmographie erarbeitet hat. Der auch als Wild Dogs bekannte Film selber wird weder innerlandes noch im westlichen Markt großartig etwas daran ändern, wird hier auch von dem preiswerten und künstlichen Bildformat her und der Natur einer besseren Videoproduktion sowie insgesamt der Geschichte in Umsetzung nichts Memorables erreicht. Offenkundig mit wenig bis gar kein Budget und der einfachen Inszenierung formuliert, gestaltet man sich als im Kleinen eingeschränktes und nur durch diese Intimität auch noch mäßig interessantes Produkt, dass wenigstens einen Gegenzug gegen die oftmals in Hochglanz und Aufmerksamkeit schwelgenden Großfinanzierungen anstrebt, wenn auch nicht erreicht:
Um dem Noch-Ehemann seiner Geliebten eins auszuwischen und ihn brühwarm über die Affäre zu informieren, begibt sich der auch in Spielschulden und anderen kleineren Untaten verstrickte Reporter So Yoo-joon [ Kim Jeong-hoon ] an dessen letzten bekannten Aufenthaltsort, einen im Winter gefangenes kleines Dörfchen irgendwo im Nichts, wo er auch prompt mit Fahrzeugschaden liegen bleibt. Mehr als unwillig und erst im ebenso knurrig vorgetragener Erlaubnis des Bürgermeisters Jang Gi-no [ Myeong Kye-nam ] wird So die kurze Gnadenfrist des vorübergehenden Aufenthaltes zugestanden. AUch die anderen sichtbaren Männer im Bunde der Gemeinschaft [ Choi Yong-gil, Han Dong-goo, Lee Jong-gook etc.] behandeln den jungen Neuankömmling mit bestenfalls kalter Schulter. Auf seinen unerlaubten nächtlichen Streiftouren durch die Gegend kommt der Journalist auch schnell hinter eines der Geheimnisse des Bundes, wird von den Alteingesessenen die ihre Mutter pflegende Kim Eun-hee [ Cha Ji-heon ] jeweils nacheinander abwechselnd missbraucht. Bald muss So auch erfahren, was mit seinem eigentlichen Ziel, dem weiterhin vergebens gesuchten Ehemann passiert ist, und warum er ihn in diesem Leben nicht mehr auffinden wird...
Helfen tun beim Hineingleiten in die Geschichte, die mehr Ideen hätte vorweisen können, aber sich insgesamt auf nur eine davon reduziert, ausgerechnet das Gefühl der tatsächlichen Abgeschiedenheit und der Einsamkeit (im Drehstab) und vor Ort. Eine schneebedeckte Einöde, die irgendwo im eintönigen Nichts, gefühlt auch kurz vor der Grenze zum Nordkoreanischen Bruder und Feind und ansonsten weit weg von Allem, auch von Zivilisation und Recht und Ordnung vor sich hinvegetiert. Viel mehr als ein Holzstapel, eine Art Gewächshaus, etwas Wohnstatt existiert schon an Architektur und Gebäuden und eigentlich an Mensch auch nicht. Ein Ort der Stille und der Einkehr, möchte man meinen, ist es hier so friedlich doch leider nicht und kommen die Urtriebe und die Degeneration wohl schon mit der Fremde an äußeren Einflüssen und der Schädlichkeit des zu nahen Beisammenseins.
Denn das Dorf, wenn man es denn so nennen will, diese Behausung in der Leere im tiefen und weiten Schnee, wird nur von einer Handvoll alter, mächtiger, und böser Männer, allen voran dem Bürgermeister frequentiert und auch regiert. Entsprechend herrscht dort Gutdünken, bzw. Anarchie, bzw. Diktatur, je nachdem aus welcher Sichtweise man es betrachtet und wer gerade Vorteil und wer die Nachteile genießt. 'Ausländer' werden in dieser Enklave gar nicht so gern gesehen und auch kein Hehl daraus und der anfangs noch leisen Feindseligkeit dem Eindringling gegenüber gemacht. Erinnern tut das darstellerisch routiniert wiedergegebene, in oft statischer Kamera und langen Einstellungen eingefangene Szenario so auf besten Wege an Vergleichbares, teils wesentlich Aufwändigeres und Berufenes wie The Moss (2010), Bedevilled (2010) oder aktuell gar noch Intruders (2014), in denen auch jeweils der Stadtmensch mit seiner scheinbaren Weltgewandtheit auf plötzlich Unerwartetes und Unfassbares und über seine Sphären des zu Rechnenden hinaus trifft.
Hier wird der Neuling aus Seoul dabei von gleich mehreren Faktoren angetrieben, die ihn im Grunde für den Zuschauer eigentlich wenig bis gar nicht als Sympathie- oder Identifikationsfigur zeichnen sollten; ein Clou der trockenen und auch so minimalistisch behandelten Handlung und Führung von Schauspiel und Regie, die den Film aufgrund seiner Zerrissenheit im Charakter und Zentrum gleich wertvoller macht. Denn der junge Herr aus der Großstadt ist erst privat in dem ausgesiedelten Ort zugange, aber auch von Berufes wegen der Neugier und Aufdeckung verpflichtet und schließlich wieder als Privatmensch unterwegs und aktiv. Und erst ist im Grunde von Beginn an weg ein ebenso ausgemachter Lump, der sich seinen bisherigen Weg gleichsam mit Neid, Missgunst, Gier, Egoismus, auch Feigheit und Niedertracht in einem Atemzug und ohne zu Zögern geebnet; offen ausgesprochene Drohungen gegenüber Anderen, und gar Übergriffe auf seine Affäre inklusive, wobei ihn der unrechtmäßige Machtanspruch auf die Frau auch erst in den jetzigen Schlamassel hineingebracht haben. Ein Normalbürger, der von der puren Bosheit der Anderen dann allerdings dennoch irgendwann angesprochen und zum Einschreiten und Handeln getrieben, ohne dadurch gleich vom Saulus zum Paulus geändert wird. Die blutige Hetzjagd gen Ende ist eher zäh als erfüllend und rettet nicht viel.