Review

Warum WING COMMANDER in den Kinos derart untergegangen ist, weiß ich wirklich nicht. Möglicherweise hat die negative Vorab-Kritik und auch die zeitliche Platzierung mit STAR WARS EPISODE 1 daran Schuld. Vielleicht auch die außerhalb von Videospielerkreisen recht unbekannte Hintergrundstory, die auf einem SF-Universum beruht, daß von Chris Roberts für seine recht ambitioniert inszenierte, gleichnamige Weltraum-Saga auf PC und Konsolen erschaffen wurde.

WING COMMANDER erzählt die klassische, popcorn-bunte Weltraum-Action-Saga um tollkühne Piloten, grausame Aliens, schnittige Starfighter, hübsche Frauen, geheimnisvolle Vergangenheit und jede Menge Explosionen.
Die Hauptrollen werden von Freddie Prinze, Jr., Saffron Burrows und Matthew Lillard mit sichtbarem Spaß verkörpert. Überhaupt wirken im Großen und Ganzen alle Beteiligten motiviert und gut aufgelegt - auch solch Urgesteine wie David Warner oder Jürgen Prochnow - der hier mal ein Guter sein darf, wenn auch ein etwas unsympathischer.

Die Story bietet wenig neues und bedient die gängigen Klischees. Die Aliens sind böse, die Menschen größtenteils ehrenhaft, opferbereit und gut. Die Erde soll vernichtet werden und nur ein paar natürlich sehr draufgängerische und tolldreiste Jungspund-Piloten können dies verhindern.
Ganz schwach im Hintergrund webt Roberts eine sehr coole Geschichte um die mysteriösen und geächteten "Pilger" ein - Menschen, die dereinst als erste zwischen den Sternen reisten und sowas wie eine mystische Navigationsgabe entwickelten.
Und selbstverständlich gibt es die obligatorische Lovestory zwischen Held und Heldin.
Wer jetzt aufstöhnt, dem sollte gesagt werden: dies sind die Ingredenzien nahezu jeder großen Saga oder Heldengeschichte. Und da sie hier recht flott und actionreich serviert werden, sind sie auch gut verdaulich.

Die Effekte in WING COMMANDER sind von höchsten Niveau und optisch sehr schick in Szene gesetzt. Ausladende, fast barocke Sternennebel-Hintergründe, vor denen sich Asteroidengürtel, Raumjäger und jede Menge Lichteffekte (seien es Laser-Salven oder Triebwerksglühen) ein Stelldichein geben. Dazu massig Explosionen und sterbende Großraumschiffe - für Effekt-Fans und Sternenfreaks ein echter Augenschmaus.
Dabei kann Schöpfer Chris Roberts, der mit diesem seinem Regie-Erstling Talent beweist, durchaus einen eigenen Stil etablieren und sorgt mit seiner anfangs befremdlichen Mischung aus SF-Hightech und antiquiert wirkender "Kriegsmarine"-Terminologie (es fallen Sätze wie "Torpedors abfeuern" oder "volle Breitseite") für eine kultige Technikgrundlage. Während die Starfighter sich steuern lassen wie die wendigsten Kampfflugzeuge, verhalten sich die Großraumschiffe ähnlich behäbig wie Riesentanker. Es gibt sogar eine Szene, in der sich ein Raumschiff auf einer Asteroidenoberfläche "tot" stellt und dann vom Feind mit Bomben aufgescheucht werden soll - ganz so wie ein U-Boot, daß darauf wartet, daß der Zerstörer über ihm weiterfährt. Das man dazu dann Geräusche hört, die an das "Ping" eines Echolots erinnern und sich alle Mann an Bord ruhig verhalten UND dazu noch Jürgen Prochnow in der Szene mitfiebert, läßt einen dann sofort an einen ganz anderen Film denken... ;-)
Das dabei das eine oder andere mal die physikalische Realität dem Drehbuch oder dem Effekt fürs Auge weichen muß, sollte man dem Film nicht zur Last legen; würde einem bei STAR WARS ja auch nicht einfallen, oder?

Anmerkung für Fans der Spiele-Reihe: Roberts hat die wichtigsten Elemente seiner SF-Sage sehr gut in den Film eingebaut. Nicht nur die Namen und der Look der Schiffe (Tiger Claw, Rapier, Broadsword) sondern auch die wichtigsten Charaktere (Maniac, Maverick, Angel, Hunter, Admiral Tolwyn) trifft man wieder. Lediglich die Kilrathi, deren Raubkatzen-Look in den ersten Teilen mir am Besten gefallen hat, sind nur schwer wiederzuerkennen. Sie tauchen aber eh nur selten in Nahaufnahmen auf.

FAZIT:
WING COMMANDER ist ebenso unterhaltsame SF-Action wie die neueren Star-Wars-Episoden und ist mit seiner überwiegend jungen Besetzerriege sowas wie die Teenie-Soap-Science-Fiction-Opera. Popcorn-Kino mit Hochglanzoptik. Hinsetzen, Popcorn und Cola schnappen, und einfach mitfliegen: dieser Film macht Spaß und hat seinen negativen Ruf überhaupt nicht verdient. Satte 7/10.

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