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Immer wenn Sandra Bullock zu ernsten Rollen greift, ist Vorsicht geboten. Hinter denen ist sie meistens so verzweifelt her, das die entsprechenden Ergebnisse meist enttäuschend sind. Zwiespältig bleibt dabei auch „28 Tage“.

Das ist nämlich genau die Frist, die Gwen in einem Entzugs- und Rehabilitationszentrum ausharren muß, um sich zu entgiften. Vorher hatte sie im Vollrausch die Hochzeit ihrer Schwester ruiniert und das recht gründlich.

Was komisch und mit bitterem Beigeschmack beginnt, wird natürlich zunehmend ernst, je länger Bullock in der Reha ist und sich langsam der Entzug einstellt.
Trotzdem stellt sich beim Zuschauer im Gegenzug kein Interesserausch ein, denn die Umsetzung ist so formelhaft wie vorhersehbar. Talentgemäß melkt der Film noch einiges an bissiger Komik aus den Talenten von Miss Bullock, die sich der Therapie natürlich gründlich verweigert, bis ihr das Gefängnis droht.
Dann erfolgt selbstverfreilich die Einsicht und der plötzliche Start in ein besseres Leben, der jedoch teuer erkauft ist.

„28 Tage“ deckt dann im weiteren Verlauf so ziemlich alles ab, was noch zu so einem Einzelschicksal dazu gehört: das Verhältnis mit der Schwester, der ebenfalls ständig abstürzende Lover, die Bekanntschaft in der Reha, die Mitpatienten, die langsam Freunde werden. Alles wie gehabt und gar nicht schlecht gespielt, denn der Cast ist voll in Ordnung.

Bullock melkt natürlich zu sehr ihre komische Ader, ist damit aber sogar in ihrer Augenringphase nicht unsympathisch, Mortensen hat ein paar gute Szenen, genauso wie Elizabeth Perkins und Steve Buscemi ist als Anstaltsleiter sogar eine Klassewahl, nur leider wird seine Figur praktisch verschenkt und kann nur Entzugsplakativa von sich geben (und das auch noch mit der falschen Synchronstimme, die man hier unverständlicherweise einem schrägen Schwulen gegeben hat).

Und obwohl es Rückfälle und Niederschläge gibt und selbstverfreilich auch den unerwarteten Todesfall, bleibt der Film stets pure Hollywoodberichterstattung, wie ihn sich die Betty-Ford-Klinik und anhängende Institutionen wohl immer wünschen. Exzentrische, aber im Grunde liebenswerte Freaks, die da ihre Sucht behandeln lassen oder auch nicht.
Was fehlt, ist der wahre Cold Turkey, das dauerhafte Zittern, Halus, Kotzen, Krämpfe – so was hat hier niemand und so echte Scheißkerle zum Hassen sind auch nicht darunter. Die Entscheidung für ein neues Leben reduziert sich auf Gwens Persönlichkeit, die erst auf Mortensen und dann auf ihren Freund Jasper verzichtet.

Letzterer ist der typsich Uneinsichtige und Unsensible, die Yuppiefreunde reagieren alle auf die Spielverderberin und nach vier Wochen kommt Gwen in einer vollbesetzten Bar nicht mal in Zweifel geschweige denn in den Alk-Jieper, aus dem sie sich rauskämpfen muß.
Nichts gegen eine positive Grundaussage und ein gutes Beispiel, aber das hier ist zu wenig kontrovers und realistisch, um mir mehr als einen kurzweiligen Abend zu bescheren.
Im Gedächtnis bleiben wieder eh nur die Comedyeinlagen und das sollte es wohl nicht sein.
Womit man den Film aber nicht richtig schlecht machen kann. Was ich auch nicht tue. (5/10)

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