„Amouröses Buchstabieren"
Hugh Grant noch mal in einer romantischen Komödie zu besetzten ist schon gewagt. Wie kein zweiter lebte und profitierte der einzige männliche Genre-Superstar von seinem jugendlichen Charme, der selbst mit Mitte 40 noch erfrischend wirkte. Angefangen mit dem Überraschungs-Überhit „Vier Hochzeiten und ein Todesfall" (1994) produzierte er binnen gut einer Dekade sage und schreibe acht fast ausnahmslos gelungene Erfolgsfilme, die sich eigentlich nur hinsichtlich Setting und Partnerin unterscheiden lassen.
Bei seinem bis dato letzten Versuch („Haben Sie das schon von den Morgans gehört?", 2009) bekam diese glänzende Siegesserie allerdings einen ersten deutlichen Kratzer. Zu lustlos spulte ein erstmals relativ deutlich gealterter Grant seine Paraderolle als liebenswert fahriger Tollpatsch herunter, was seiner eigentlich patentierten Natürlichkeit arg zusetzte. Das maue Zuschauerinteresse war da nur die logische Konsequenz. Seitdem war es ruhig um den einstigen Medien- und Publikumsliebling geworden.
Dass Grant nun nach einer gefühlten Ewigkeit von 5 Jahren einen erneuten Versuch wagt an seine goldene Ära anzuknüpfen, konnte man eigentlich - sofern man ihn mochte - nur mitleidig zur Kenntnis nehmen. Da drohte eine peinliche Fremdschäm-Nummer nach dem Motto: alternder Ex-Star sehnt sich verzweifelt nach dem längst verblassten Rampenlicht.
Dass dafür mit Marc Lawrence auch noch der Regisseur seiner letzten drei Formel-Ableger („Ein Chef zum verlieben" 2002, „Mitten ins Herz" 2007 und die „Morgans") angeheuert wurde, nährte auch nicht gerade die Hoffnung auf ein würdevolles Alterswerk.
Aber wie das häufig so ist, wenn sich die Erwartung in Richtung Keller verabschiedet hat, dann tollt die Überraschung vergnügt auf dem Dachboden herum. Na gut, im Fall von „Wie schreibt man Liebe?" fläzt sich diese eher gemütlich auf der Wohnzimmercouch, aber immerhin.
Mit anderen Worten: Hugh Grant kann immer noch RomCom, einfach weil er genug Gelassenheit und Selbstironie besitzt, um sein fortgeschrittenes Alter und sein zementiertes Rollenklischee sowohl würdevoll wie auch augenzwinkernd in Einklang zu bringen. Böse Zungen würden das als abgeklärte Resignation abtun, man kann daraus aber genauso gut eine gehörige Portion lockerer Souveränität destillieren.
Dabei hilft natürlich auch, dass die Geschichte geschickt der aktuellen Lebens- und Karrieresituation des Stars angepasst wurde. So gibt Hugh den einstigen Hollywood-Starautor Keith Michaels, der in den 15 Jahren nach seinem Oscargewinn langsam aber stetig in Richtung Abstellgleis schlitterte. Künstlerisch wie finanziell befindet er sich inzwischen im Niemandsland der Bedeutungslosigkeit und seine Agentin hält ihn praktisch für unvermittelbar.
Der gefühlte Tiefpunkt ist dann das Engagement als Gastdozent an einem College in Binghampton, einer verschlafenen Kleinstadt an der amerikanischen Ostküste, die als einziges Herausstellungsmerkmal die üppige jährliche Niederschlagsmenge verbuchen kann. An diesem aus Hollywood-Sicht durch und durch tristen Ort, soll Keith nun dem darbenden Nachwuchs das Drebuchschreiben beibringen.
Grant und Lawrence, der auch das Skript verfasste, sind inzwischen ein eingespieltes Team, was in diesem Fall durchaus fruchtbar war. Gekonnt süffisant spielen beide mit den unterschiedlichen Facetten der etablierten Grantschen Doppel-Persona aus liebenswertem Tollpatsch und scharfzüngigem Witzbold. Die teilweise gepfefferten Dialoge sind nicht unbedingt tiefgründig, aber erstaunlich pointiert und geben Grant reichlich Gelegenheit den charmanten Teilzeit-Zyniker zu zelebrieren. Besonders gelungen auf einem Treffen des Lehrerkollegiums, bei dem Michaels herrlich politisch inkorrekt die graue Eminenz der Uni vor den Kopf stößt und dabei gleichzeitig Grants filmische Jane-Austen-Historie auf die Schippe nimmt.
Für gepflegten Unterhaltungswert sorgt auch die Besetzung von Michaels Drehbuch-Kurs, den der Dozent ganz pädagogisch rein nach Attrativitätskriterien zusammen stellt. Natürlich sind amouröse Verwicklungen damit praktisch vorprogrammiert, zumal Michaels in dem Kaff immer noch enorm mit seinem eigentlich verblassten Promistatus punkten kann. Und natürlich führt diese prekäre Situation weniger in dramatische als viel mehrr in komische Gefilde, aus denen sich Michaels alias Grant mit der bewährten Mischung aus entwaffnender Selbstanklage und liebenswerter Naivität befreit.
Leider bleiben die durchaus spleenigen Kursteilnehmer etwas oberflächlich und grob gezeichnet und auch der wie stets wunderbaren Marisa Tomei als Haupt-Loveinterest wird vergleichsweise wenig Raum zur Entfaltung gegeben. Dieses Schicksal erleiden auch die traditionellen komischen Sidekicks, von denen zumindest J.K.- Simmons als nah am Wasser gebauter College-Direktor das Maximum aus dem spärlichen Material herausholt und erinnerungswürdige Akzente setzt.
Unter dem Strich wäre also durchaus noch etwas mehr Substanz und Tiefgang drin gewesen, dem überraschend positiven Gesamtbild schadet dies aber nicht entscheidend. Der nach eigenem Bekunden längst rentenwillige Hugh Grant wollte sich wohl nicht mit dem faden „Haben Sie das von den Morgans gehört?" von seiner Paraderolle verabschieden und liefert eine beherzt-sympathische Referenz an deren besten Ableger „About a Boy". Selbstironisch aber nicht blödelig, bissig aber nicht bösartig, charmant aber nicht schmierig und herzlich aber nicht kitschig ist „The Rewrite" ein souveränes Rom-Com-Alterswerk eines unbestrittenen Meisters seines Fachs. Damit kann man erhobenen Hauptes in den Ruhestand gehen und das bestellte Feld der Jugend überlassen. Die sollen erst mal zeigen, ob sie Liebe genauso flüssig buchstabieren können.