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Der talentierte Hacker Nick Hathaway (Chris Hemsworth), derzeit wegen Kreditkartenbetrugs eingebuchtet, kommt überraschend frei: Teile eines von ihm vor vielen Jahren geschriebenen Schadcodes wurden bei einem aktuellen Angriff auf ein chinesisches Atomkraftwerk benutzt. Da die USA trotz politischer Vorbehalte in diesem speziellen Fall mit den chinesischen Behörden kooperieren, soll Hathaway zusammen mit seinem damaligen mitbeteiligten Kompagnon Chen Dawai (Leehom Wang) - der nach seinem Studium in den USA inzwischen Karriere beim chinesischen Militär gemacht hat - sowie dessen Schwester Chen Lien (Wei Tang), einer Datenspezialistin, die Spur des unbekannten Hackers aufnehmen. Hathaway, ein ebenso stiller wie entschlossener, durchtrainierter Mittdreißiger, weiß um den Wert seiner Skills und handelt sich weitgehende Freiheiten bei den Ermittlungen aus. Nachdem er virtuell einen ersten Kontakt zu dem kriminellen Hacker - dem titelgebenden Blackhat - hergestellt hat, reist das Trio - begleitet von den US-Beamten Carol Barrett (Viola Davis) und Mark Jessup (Holt McCallany) - nach HongKong. Dort finden sich im zerstörten Atomkraftwerk erste verwertbare Spuren in Form einer Festplatte...

Mit klaren Bezügen zum Computerwurm Stuxnet hat Michael Mann seinen internationalen Hacker-Thriller inszeniert: Was seinerzeit die Fremdsteuerung für Frequenzumrichter war, ist hier die Fremdsteuerung von Wasserpumpen, wie das wackere Trio nach einiger Zeit herausfindet. Deren herbeigeführte Fehlfunktion hat einen Kühlkreislauf im AKW hochgehen lassen, aber daß dies nur ein Testlauf für weitere Anschläge war, steht auch bald fest. Wenn man Blackhat einen Vorwurf machen kann, dann den, daß die Suche nach dem Unbekannten (drehbuchtechnisch unter Beratung zahlreicher Computerspezialisten) zwar vermutlich einigermaßen realistisch vonstatten geht, die dafür notwendigen Handlungsweisen dem normalen Zuschauer aber über weite Strecken unerklärlich bleiben. Erst relativ spät fallen dann seitens Hathaways einige erklärende Sätze, bis dahin muß man sich an die erwartungsgemäß dem Geschehen hinterherdackelnden US-Beamten halten, die wohl oder übel dem hakenschlagenden Hathaway folgen müssen ohne zu wissen, was der gerade wieder plant. Wenig hilfreich ist dabei, daß Hauptdarsteller Hemsworth zwar nicht unsympathisch, aber vollkommen unnahbar agiert, dabei aber dennoch erstaunlich schnell den körperlichen Reizen der zierlichen Chinesin Lien erliegt, während deren Bruder Dawai einen Spagat zwischen seinen chinesischen Chefs und der Loyalität zu seinem alten Kumpel vollbringen muß und eher blaß bleibt. Das fragile Trio, das allein auf Hathaways Intuition baut, sieht sich bald einem hochgefährlichen Gegner gegenüber: Ritchie Coster als libanesischer Drogendealer Elias Kassar ist der bewaffnete Arm des Blackhats und schreckt vor keiner Gewalttat zurück - mit Nagelbomben und Panzerfaust räumt er mit seinen Leuten alles und jeden aus dem Weg...

Auch wenn für Blackhat keine so bekannten Namen wie Tom Cruise, Al Pacino oder De Niro auf der Besetzungsliste stehen, leisten die Protagonisten zumindest solide Darstellungen ihrer allerdings wenig ausgefeilten Charaktäre. Michael Manns typische Handschrift läßt sich auch hier streckenweise wiederfinden, seien es die verwendeten Digital-Kameras oder auch die extrem laut ausgesteuerten Waffen- und (Ein-)Schußgeräusche bei einem zwischenzeitlichen Shootout, dessen Machart frappierend an die Flucht nach dem Banküberfall aus Heat (1995) erinnert. Warum der Film an den Kinokassen floppte und insgesamt eher gemischte Kritiken erhielt, mag an den als Identifikationsfiguren wenig tauglichen Akteuren liegen, dennoch weiß Blackhat mit einer in flottem Tempo durcherzählten Hacker-Story zumindest gut zu unterhalten. Obwohl sich der eigentliche Plot als recht banal herauskristallisiert und zudem von Anfang an kein Zweifel daran besteht, daß Hathaway am Ende seine Ziele erreichen wird, überzeugt dieser Cyber-Thriller mit seinen diversen Schauwerten (neben diversen Action-Szenen auch Helikopteraufnahmen nächtlicher Großstädte, karger Wüstenlandschaften oder fernöstlicher Folklore) und ist für eine Zweit- oder Mehrfachsichtung (wie Heat oder Collateral, freilich ohne deren Klasse zu erreichen) immerhin in Betracht zu ziehen. 7 Punkte.

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