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Ed Harris spielt Cymbeline, den Anführer einer Motorradgang. Er möchte seine Tochter aus früherer Ehe, gespielt von Dakota Johnson, mit dem Sohn seiner aktuellen Frau, gespielt von Milla Jovovich, verheiraten. Die Tochter schafft allerdings anderweitig Tatsachen, indem sie ein Mitglied der Motorradgang, gespielt von Penn Badgley, heiratet. Während der erzürnte Schwiegervater den einstigen Schützling verstößt, geht dieser eine Wette mit einem Freund, gespielt von Ethan Hawke, ein, dass es diesem niemals gelingen wird, seine Angebetete zu verführen. All dies setzt eine Reihe fataler Ereignisse in Gang.

Im Theater ist es Usus und auch im Kino hat sich schon manch ein Regisseur daran gewagt, die großen Literaturklassiker in die Gegenwart zu verlegen, was im Ansatz meist recht interessant ist, jedoch allzu oft sehr befremdlich erscheint - obwohl die verfilmten Werke ja so gern mit dem Prädikat „zeitlos“ versehen werden. Michael Almereyda jedenfalls hat das berühmte Shakespeare-Stück „Hamlet“ bereits in das New York der Gegenwart verlegt und dafür eher durchwachsene Kritiken erhalten, was ihn offensichtlich jedoch nicht davon abhielt, mit „Cymbeline“ ein weiteres Stück des großen Meisters in einem neuen Kontext zu verfilmen. Das Stück, voll von Lügen, Liebe und Intrigen, das eigentlich im antiken Rom spielt, wird so kurzerhand in eine Rockergang verlegt - eine mutige Idee, aber letztlich ein gescheitertes Experiment.

Nicht nur, dass es vollkommen befremdlich wirkt, wenn sich die Rocker, Schläger und korrupten Polizisten in barocker Sprache unterhalten, der Film mit dem deutschen Titel „Anarchie“ dringt einfach nicht zum Kern der Geschichte vor. Stattdessen präsentiert Almereyda, der sich für Drehbuch und Regie verantwortlich zeigt, zahllose Figuren, Schauplätze und Nebenschauplätze und verliert beim krampfhaften Versuch, die Geschichte in ein dafür unpassendes Milieu zu übertragen, fast alle seine Handlungsfäden aus den Augen. Das wird vor allem beim Finale überdeutlich, bei dem zufällige bzw. schicksalhafte Fügungen zu allerhand überraschenden Geständnissen und haarsträubenden Wendungen führen, die den Zuschauer letztlich nur irritieren. Die dürftige Narration hat denn auch einen unterdurchschnittlichen Unterhaltungswert zur Folge, wenngleich die überschaubare Laufzeit und das zügige Tempo Schlimmeres über weite Strecken verhindern. Insgesamt wäre zumindest angesichts des namenhaften, u.a. mit Ed Harris, Ethan Hawke, Milla Jovovich, Anton Yelchin und Dakota Johnson besetzten Casts vermutlich mehr drin gewesen.

Fazit:
Michael Almereyda kann einzig seine Experimentierfreude zu Gute gehalten werden. Denn letztlich war es schlicht eine Schnapsidee, Shakespeares Stück „Cymbeline“ vom antiken Rom in eine Rockergang der Gegenwart zu verlegen.

29 %

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