"Ich seh, ich seh" ist ein österreichischer Psychothriller, der von Anfang an eine beklemmende und kalte Atmosphäre erzeugt.
Es geht um zwei Zwillingsbrüder, deren Mutter nach einer Schönheitsoperation mit bandagiertem Gesicht nach Hause zurückkehrt – und sich für die Kinder merklich verändert hat. Was folgt, ist ein ständiges Spiel des Misstrauens, der Verdächtigungen und der schleichenden Eskalation, das einem als Zuschauer regelrecht unter die Haut geht.
Der Film arbeitet weniger mit klassischen Horrorelementen als mit psychologischer Spannung, distanzierten Bildern und einer durchgehenden Unbehaglichkeit. Man bekommt keine Wohlfühlmomente, keine „Pausen“. Stattdessen wird man konsequent mit der Frage konfrontiert: Ist das wirklich noch ihre Mutter? Und wenn nicht – wer dann?
Die Mutter selbst wirkt emotional kühl, abweisend, ja fast feindselig. Man fragt sich gemeinsam mit den Zwillingen, was hinter dieser Veränderung steckt – ist es der Eingriff, ist es eine psychische Überforderung, ist es überhaupt noch dieselbe Frau? Antworten gibt der Film kaum. Stattdessen steigert sich alles in eine beunruhigende Spirale aus Angst, Kontrollverlust und letztlich blanker Gewalt. Das Finale ist drastisch, erschütternd und lässt einen mit einem sehr unangenehmen Gefühl zurück.
Thematisch erinnert "Ich seh, ich seh" an "The Babadook", der ebenfalls psychische Belastung und familiäre Dysfunktion in eine albtraumhafte Geschichte überführt. Doch wo "Babadook" stilistisch verspielter, symbolischer und emotional zugänglicher arbeitet, bleibt "Ich seh, ich seh" kälter, distanzierter – vielleicht auch bewusst spröder inszeniert. Man fühlt sich als Zuschauer eher wie ein Beobachter eines sich langsam entfaltenden Traumas, als wirklich Teil davon.
Fazit:
Ich seh, ich seh ist ein unangenehmer, verstörender Film, der bewusst auf klare Erklärungen verzichtet. Die Atmosphäre ist durchgehend beklemmend, die Figuren schwer greifbar. Wer auf subtilen Psychohorror mit viel Interpretationsspielraum steht, findet hier ein interessantes Stück Kino.
Trotzdem: In Sachen emotionaler Wirkung und Inszenierung reicht er für mich nicht ganz an "The Babadook" heran.
Unbequem, aber nicht ganz so wirkungsvoll, wie er sein könnte.