Brenton Thwaites spielt den jungen Jonas, der in einer Welt ohne Kriege und Krisen, mit guten Zukunftsaussichten für jedermann aufwächst. Doch die Bewohner zahlen für dieses sorgenfreie Leben einen hohen Preis, es gibt keine Emotionen und keine Farben. Dafür sorgt eine allmorgendliche Injektion, die etwas in den Menschen auslöscht. Von der Vorsitzenden des Ältestenrates, gespielt von Meryl Streep, wird Jonas zum neuen Hüter der Erinnerung bestimmt, der über die Erinnerungen an eine Welt wachen soll, an die sich kaum jemand noch erinnern kann. Diese zeigt ihm sein Vorgänger, gespielt von Jeff Bridges, schließlich auf, wodurch es Jonas nicht mehr möglich ist, die bestehenden Verhältnisse zu akzeptieren.
Seit Jugendbuchverfilmungen wie etwa „Die Tribute von Panem“ Hollywoods Kassen regelmäßig klingeln lassen, erscheinen sie in zunehmender Häufigkeit, so steht nun im Oktober neben „Maze Runner“ auch „Hüter der Erinnerung“ auf dem Programm, bevor im November der dritte Teil der Hunger-Games-Quadrologie erscheinen wird. Im Gegensatz zu den beiden anderen Genannten wird „Hüter der Erinnerung“ aber vermutlich eine wenig beachtete Randnotiz des Kinojahres bleiben, das bisherige Einspielergebnis und die Qualität des Films lassen dies zumindest vermuten.
Denn „Hüter der Erinnerung“ bietet letztendlich leider wenig, was andere Regisseure nicht schon besser gemacht hätten. Die schwarz-weiße Inszenierung, die nach und nach mit Farbe und Leben gefüllt wird, hat man so ähnlich bereits in „Pleasantville“ bestaunen dürfen, die Grundidee dagegen wurde etwa in „Equilibirum“ bereits wesentlich schonungsloser und eindringlicher verarbeitet. Auch hier haben wir es mit einer Welt ohne Emotionen zu tun, in der sich ein einzelner gegen die herrschenden Verhältnisse aufzulehnen beginnt.
Diese Geschichte ist dennoch erneut unterhaltsam, weil Regisseur Phillip Noyce, der bereits namenhafte Filme wie „Die Stunde der Patrioten“, „Das Kartell“ und „Salt“ verfilmt hat, seine Geschichte zumindest zügig und sympathisch erzählt. Was dem gut eineinhalbstündigen Film gemessen an „Equilibrium“ an Spannung und Radikalität abgeht, wird zumindest stellenweise mit sympathischen Figuren und einer unbeschwerten Erzählweise wettgemacht. Man sieht, wie zunehmend Farbe und Emotionen ins Leben des Protagonisten rücken, wie er die Beschränktheit seiner Welt und schließlich auch deren grausame Abgründe durchschaut. Die Szenen, die zeigen, was die Menschen in ihrer dystopischen Welt verloren haben, sind dabei gut ausgewählt und führen dem Zuschauer immer mal wieder seine eigene Welt aus einem anderen Blickwinkel vor Augen. Dabei versucht Noyce selbst Emotionen zu wecken, was teilweise aufgeht, wenn der Protagonist beispielsweise erstmals erfährt, was eigentlich Liebe ist.
So kann man „Hüter der Erinnerung“ letztlich als einen soliden Film mit einem ordentlichen Unterhaltungswert bezeichnen, der zwar nicht allzu vielschichtig geworden ist, aber auch nicht so platt wie manch andere Jugendbuchverfilmung. In den Hauptrollen gibt es dabei junge, unverbrauchte Darsteller zu sehen, die die Hauptfiguren sympathisch verkörpern, wobei in erster Linie Brenton Thwaites, der Hauptdarsteller, aber auch die Sängerin Taylor Swift zu nennen sind. Daneben gibt es dann noch einige versierte Charakterdarsteller wie Meryl Streep, Jeff Bridges oder Alexander Skarsgard in Nebenrollen zu sehen, die den Film durchaus zu bereichern vermögen. Das Spiel mit den tristen Schwarz-Weißbildern, die schließlich an Farbe gewinnen, ist visuell aber wenig eindrucksvoll, Noyce Stil kann sich hier definitiv nicht an „Pleasantville“ oder „Sin City“ messen. Ärgerlich ist zudem das abrupte Ende, bei dem es dem Protagonisten letztlich allzu leicht fällt, die Verhältnisse wieder gerade zu rücken.
Fazit:
„Hüter der Erinnerung“ hinterlässt nicht gerade einen bleibenden Eindruck, da Inszenierung und Grundidee in „Pleasantville“ oder „Equilibrium“ bereits wesentlich besser verarbeitet wurden. Dafür ist die Jugendbuchverfilmung aber solide gespielt und erzählt, durchaus kurzweilig und stellenweise auch mal emotional, ohne allzu platt daherzukommen. Wäre nicht das abrupte Ende, hätte „Hüter der Erinnerung“ vielleicht sogar ein guter Film werden können.
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