Review
von Leimbacher-Mario
Freie Liebe... aber nicht für diesen Film!
Wenn ich Filme für Abende mit Freunden aussuche, vertrauen diese zwar meinem Geschmack & Wissen, jedoch wird dann nur in den seltensten Fällen etwas Seichtes aufgefahren. Und da für die Zeit während man vom Raclette nascht kein Human Centipede oder Oldboy passt, ließ ich die Damenwelt entscheiden. Schnell kam Coming In ins Spiel, ein Film mit Deutschlands zweitheissestem Mann (Frauen O-Ton) nach Elyas. Über einen schwulen Design- & Szene-Star, der nun auch ein Damenshampoo erschaffen soll & dafür Undercover-Nachforschungen in einem typischen berliner Friseursalon macht. Leider führt seine Recherche etwas zu tief & er verliebt sich in die feche Friseurin...
Klingt romantisch & nur ein bisschen schwulenfeindlich? Dann könnte diese deutsche Komödie vielleicht etwas für euch sein. Ich hatte keine Erwartungen & ging vom Schlimmsten aus, da es nie ein gutes Zeichen ist, wenn ich den Film nicht kenne. Immerhin wurden diese niedrigen Erwartungen nicht noch unterboten & Coming In bietet neben dem gelungenen Wortspiel-Titel (den es aber auch schon einmal gab!) noch ein paar andere positive, den Film rettende Aspekte. Ganz oben sei da die tolle Chemie der zwei hübschen Hauptdarsteller genannt, die hier & da tatsächlich ein paar süße & romantische Szenen zaubert (z.B. die Regen- & Fotoszene). Dazu ist der Film sauber & auf internationalem Niveau produziert & bietet sogar etwas Berlin-Flair. Über durchschnittlichem Soap-Niveau ist er also schon... allerdings nicht weit darüber!
Eigentlich wollte ich beim Positiven noch die nicht wenigen berühmten Cameo- & Nebendarsteller nennen - aber die meisten geraten so lebsch, flach & unnötig, dass sie dort wenig zu suchen gehabt hätten. Und zu weiten Teilen des Filmes passt das leider, sind doch gerade die Homo-Witzchen & -Darstellungen fast boshaft klischeebelastet & sogar die finale Aussage bedenklich. Ein Schuss ins eigene Bein, wollte man doch spürbar auch diese nicht kleine, geschweige denn unwichtige Zielgruppe zufrieden stellen. Failed in großem Stil. Fast noch ärgerlicher ist, dass gefühlt nur jeder zehnte Witz sitzt, was den Komödien-Anteil deutlich der Romantik unterstellt. Viel wird versucht, wenig wird gekonnt. Kein Wunder bei einem derart verhunzten Script. Da ist Kostja Ullmann noch ein echter Lichtblick & spielt mit am glaubwürdigsten & ruhigsten, auch seinen schwulen Part. Trotzdem bleibt ein fader Beigeschmack, wenige Schmunzler & ein Paradebeispiel für eine deutsche Produktion zurzeit - schick, inhaltlich oder gar künstlerisch aber ein schlechter Witz. Da greift man doch lieber zu einem der vielen amerikanischen Vorbilder, selbst wenn man diese schon auswendig kennt...
Fazit: an einem verregneten Sonntag & ohne Ansprüche gerade noch in Ordnung. Aber eigentlich eine Ohrfeige für viele Schwule & ein Möchtegern-Versteher dieser!