Inherent Vice(2014)
Larry "Doc" Sportello(Joaquin Phoenix) ist ein kleiner Privatdetektiv, der sich Anfang der 1970er mit kleinen Ermittlungen über Wasser hält und sonst wenig anbrennen lässt. Als seine Verflossene Muse Shasta Fay Hepworth(Katherine Waterston)) mit einer Ermittlung über deren neuen Freund, dessen Frau und deren Freund ankommt, nimmt ein wirres Stonerfilmchen namens Inherent Vice seinen lauf...
Paul Thomas Anderson hat schon alles gemacht. Drama, Komödie, Selbstzerstörung, Humor und eben Arthouse. Und egal was, alles hat auf seine Art mindestens funktioniert. Hin und wieder tröpfelt Mister Anderson aber immer Meisterstücke ab. Sein gelungenes Debut Hard Eight, sein "Über Nacht berühmt" Film Boogie Nights, der faszinierende Magnolia, der überaus gelungene Punch Drunk Love und natürlich There will be Blood und The Master. Hach. Alles große Regieleistungen mit spürbarer Leidenschaft und viel Eigenständigkeit.
Inherent Vice geht lockerere Wege als seine beiden Vorgänger. Anderson verfilmte den gleichnamigen Roman von Thomas Pynchon sehr genau. Und was im Buch oft äußerst abgehackt und kaum nachvollziehbar war, funktioniert im Film, zumindest für mich, deutlich besser. Anderson schwelgt zwar zu keiner Zeit in den Panoramen seiner vorherigen Arbeiten, bringt die Intention des Buches aber auf den Punkt. Das gefällt mir gut, weil Anderson den Stoff so diffus umsetzt und absolut nichts vom Roman verwässert. Eine gute Adaption. Alles wie gewollt.
Es ist sowieso (angenehm) schwer zu sagen, um was es hier letztlich geht, aber meine Einleitung, die ich dem Trailer entnahm, trifft es wohl am besten. Inherent Vice zielt gar nicht auf eine sinnige Handlung ab. Er zündet hauptsächlich irgendwo zwischen Jackie Brown, The Big Lebowski, Fear and Loathing in Las Vegas und eben der großartigen Handschrift des Paul Thomas Anderson. Der Soundtrack von Jonny Greenwood und die wenigen gut ausgewählten Stücke aus jener Zeit treffen die quirlige Note ziemlich gut.
Der Fall des Doc Sportello schwingt in jede Richtung und wieder zurück. Alle haben irgendwie etwas miteinander zu tun, ohne das nur einer etwas sinnvolles beizusteuern hat und trotzdem passt am Ende nur das Netz dieser Charaktere. Ein Triumph.
Das Alles und Jede(r) im Gegensatz zu einander agiert, sorgt natürlich für jede Menge witzige und skurrile Szenen. Schön ist, dass Anderson diese Szenen oft ewig in die Länge zieht, um mit Humor zu Punkten. Das alles zündet auch beim dritten mal sehen. Das kann ich nur bestätigen. Anderson schafft Filme, die mehr als einmal Spaß machen. Quasi sein Markenzeichen.
Ein großartiger Film, getragen von einem furiosen Darstellerensemble. Von den kleinsten Nebenrollen(Joanna Newsom, Benicio Del Toro, Jena Melone, Eric Roberts,...), über tragende Nebendarsteller(der mysteriöse Owen Wilson, der grandiose und fast alles überragende Josh Brolin) bis hin zu dem Mann des Jahres(Joaquin Phoenix), leisten alle einen großartigen Job.
Vor allem Phoenix besticht zwischen stoischer Betonmimik und schlaksiger Nervosität. Ein launiges Fest, diesem talentierten Schauspieler in so einer Rolle aufgehen zu sehen. Wo Phoenix draufsteht, ist auch Phoenix drin. Das wird sich wohl niemals ändern...zum Wohl.
Fazit...ein herrlich abgedrehtes Krimivergnügen mit aufregenden Darbietungen, einem herrlich beklopften Plot, zeitlich perfekt platzierter Handlungskniffe und grandios pointierter Situationskomik. Ich hol mir jetzt mal was zum rauchen, zwei Flaschen Bier und lege "The Black Keys" ein. Der coolste Bart des Jahres...9