Review

Benebelte Detektivarbeit

"Inherent Vice" ist Paul Thomas Andersons siebtes Werk. Eine einzigartige Odysee eines dauerbekifften Privatdetektivs durch die Nebelschwaden des hippen L.A.'s der frühen 70er. Ohne Ziel, ohne Dynamik, mehr ein Flickenteppich abstruser Ideen, Szenen und Figuren. Ein famoser Mix, aber genauso anstrengend wie hysterisch witzig und unzugänglich zugleich. Selbst "The Big Lebowski" oder "Fear & Loathing Las Vegas" gehen nicht so in die Tiefe, verlieren sich nicht so in Raum, Zeit und Marihuana. Anderson schweift hier ab und genießt es. Er dehnt die Zeit wie ein Kaugummi und ich schlafe beim Kauen ein. Ein fettes Teil von Film, zu dem ich höchst zwiegespalten zurückgelassen werde. Irgendwie kann ich beide Seiten verstehen: die, die Meisterwerk schreien und die die gar nichts mehr schreien, weil sie schon längst weggedöst sind oder abgeschaltet haben.

Exzentrisch, detailverliebt, exzellent bestzt - "Inherent Vice" ist ein spannungsarme Thrillerkomödie, eine Wurst von Wundertüte. Phoenix ist ein Fixstern am momentanen Darstellerhimmel, was er hiermit erneut beweist. Ihn kann ich nicht oft genug sehen und loben. Nebenfiguren wie Benicio Del Toro oder Owen Wilson sind fast surreal, manche Szenen ebenso. Da weiß man nicht mehr wo einem der Kopf steht und die Konzentration geht leicht flöten - was der Film aber in Kauf nimmt und fast schon will und gutheißt. Fliegende Aus- und Einstiege inklusive. Wie ein Mix aus "The Nice Guys", "Boogie Nights" und einem kryptischen Hippiegedicht. Voller Patchouli, Pussy und Planlosigkeit. Bei P.T.A. wirkt selbst eine Fingerübung magisch mystisch episch. Und leider verdammt zäh. Nur der Soundtrack ist große Klasse ohne Ausrede. Den Rest empfehle ich mit dickem Sternchen als Warnung.

Fazit: vollkommen planlos, ziellos & verwirrt... und so richtig fehlte mir die Muse zur Entwirrung. Immerhin ist er meisterhaft inszeniert & gespielt, ein stilsicheres Hippie-Versteckspiel. Leider verstecken sich hier Sinn, Story, Höhepunkte und im Endeffekt auch ein wirklich guter Film einfach zu gut für meinen Geschmack. Mies kann P.T.A. nicht, richtig gut ist er diesmal jedoch leider auch nicht. Für mich. Seine Nische & etliche Fans wird der Film finden. Zum Glück. Er ist auf seine ganz eigene, verschwurbelte Art groß.

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