Wenn ein schwuler Comiczeichner wie Ralf König sich endlich auch mal den Heteros widmet, dann endet das genauso in Klischees, als würde er sich liebevoll den Schwulen widmen wie bisher. In „Wie die Karnickel“ wollte er wohl mal beide Seiten bedienen und in der Buchform ist das auch vergnüglich zu lesen, weil es eben ein Comic ist.
Wenn dann ein Regisseur wie Sven Unterwaldt diese Vision eins zu eins auf Film überträgt, dann endet das tragisch, denn plötzlich wird aus naiver Niedlichkeit rund um das Thema Nr.1 eine extrem platte Plotte, dessen Klischees wenig dazu geeignet sind, einen 90-Minüter zu tragen.
Praktisch komplett vorlagengetreu sehen wir hier dem Orchestermusiker Horst Bömmelburg zu, dessen Leben aus den Fugen gerät, als seine langjährige Freundin seine Vorliebe für Pornos entdeckt und daraufhin wutentbrannt auszieht. Gleichzeitig zieht nebenan ein alter Schulfreund seinerseits, Sigi, ein – und der ist schwul. Während der nun zwischen seinem Lover und einem muskulösen Möbelpacker schwankt und Horst erstmal seine Obsessionen ausleben will, freunden sich die beiden wieder an...
Was eine charmante Geschichte hätte werden können, ist schon relativ grob gestrickt in der Vorlagenform. Zur schwulen Seite hin ist König nichts wirklich Wichtiges oder Witziges eingefallen, immerhin trifft Sven Walser als Sigi den richtigen Ton.
Ich wünschte, das könnte ich von Michael Lott als Horst auch sagen. Im Comic meistens ein von der Realität überfahrenes Bärchen von einem Mann, verkommt Lott im Film zu einem nerdigen Spießer mit Kassengestell, der nicht einen Hauch von Sympathie aufkommen läßt, obwohl das Talent vielleicht da wäre. Aber widerliche Karohemden, ständiges Augenrollen und Geschwitze und eine extrem eklige Brille verhindern das geschickt.
Liegt eventuell auch daran, daß König die Heteros nicht so gut durchschaut wie die Schwulen, denn die altdeutsche Muffigkeit und das kleinbürgerliche Gehabe aller Heterosexuellen hier, wirkt auf die Dauer einfach nur nervtötend.
So gerät die an sich flotte Story stilistisch mehr und mehr zu einem albernen TV-Film Marke Pro7 zum Thema Sex, dem das Gefühl für Timing leider mehr und mehr abgeht, je mehr die Darstelle bemüht sind, hier ja einen ach so lustigen Film abzuliefern.
Der eine oder andere Schmunzler ist ja dabei, aber das Bemühen um Deckungsgleichheit tötet jeden kreativen Impuls und läßt hinreißend komische Sequenzen aus der Bildergeschichte, wie die Talkshow etwa, enttäuschend bieder wirken.
Am Ende stehen Sigi und Horst zwar allein, aber etwas schlauer da und auch wenn hier ganz leise Gemeinsamkeiten beschworen werden, so hat der Film da schon längst seine Botschaft geliefert, daß die Schwulen eben doch die weltoffenen, lockeren Menschen sind und die Heteros in ihren Zwängen früher oder später umkommen. Das hat „Der bewegte Mann“ zwar auch getan, aber der war immerhin zärtlich dabei. (4/10)