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Nachdem Ralf König unzufrieden war mit dem fertigen Drehbuch zu „Der Bewegte Mann“ und verständlicherweise auch vom „Kondom des Grauens“ nicht sonderlich angetan war, durften diesmal seine geschriebenen Dialoge vollständig verwendet werden und das Drehbuch stammt von König selbst. Vergleicht man allerdings die Derbheit der meisten Comics des Autors wird man enttäuscht sein von der Zahnlosigkeit denn obwohl dieser sich austoben konnte, bleibt die gewohnte subversive Schärfe leider auf der Strecke.

Im Gegensatz zu Sönke Wortmanns „Der Bewegte Mann“ wird „Wie die Karnickel“ eben nicht aus einer heteronormativen Sicht erzählt und stellt die Schwulen nicht als „anders“ dar. Auch wenn in Wortmanns Film die homosexuellen Charaktere keineswegs in schlechtes Licht gerückt werden, so prallt dort ein heterosexuell Veranlagter Mann in die skurrile Welt der Kölner Schwulen. Letztlich ist „Wie die Karnickel“ aus dieser Sicht das genaue Gegenteil: Erstens prallen hier beide Seiten ziemlich gleichwertig aufeinander, durch Königs besseres Einfühlungsvermögen in die homosexuelle Seite wirken die Hetero-Verballhornungen manchmal aber leicht klischeehaft und ein wenig borniert.

Nichtsdestotrotz schafft es König sein Drehbuch niemals abdriften zu lassen in den üblichen Einheitsbrei. In gezeichneter Form funktioniert das Ganze natürlich weitaus besser, immerhin sind die Knollennasen Königs nicht gut übertragbar auf die Leinwand, dazu kommen die schauspielerischen Defizite und die biedere Inszenierung die auf Temporeichtum grundsätzlich keinen Wert legt. Zudem gestalten sich die Pointen eindimensional und meist vorhersehbar, wirklich kluger Wortwitz schimmert nur selten unter der matten Oberfläche hervor.

Porno-Ikone Kelly Trump hat einen ganz netten Cameo-Auftritt und spielt sich selbst als fleischgewordenen Männertraum, viel Pep bringt die blonde Sex-Bombe allerdings nicht in den Film und ihr Auftritt erscheint ziemlich verheizt. Das gleiche gilt für den frechen Niels Ruf, dem man ruhig ein paar härtere Kaliber in den Mund hätte legen können. Als ziemlicher Totalausfall sei noch Alfonso Losa genannt, bekannt aus unsäglichen Soaps wie „Marienhof“ oder „Mallorca“ – nicht mal einen saudummen Möbelpacker (fast gänzlich) ohne Text kann dieser Mann glaubwürdig verkörpern, aller unterste Schublade was Losa hier abliefert.

Glücklicherweise können die anderen Darsteller mehr oder weniger überzeugen, Sven Walser scheint richtig Spaß an seiner Rolle als völlig sexuell unverkrampfter Schwuler Sigi. Seine Darbietung macht richtig Laune und steht im krassen Kontrast zum steifen Schauspiel der restlichen Hauptdarsteller. Völlig unsympathisch wirkt dagegen Michael Lott in seiner Rolle as heterosexueller Orchestermusiker Horst, dessen spießige Borniertheit einem schon nach kurzer Zeit auf die Nerven geht – als Identifikationsfigur versagt Lott jedenfalls kläglich und ist weder in der Lage den Film zu tragen noch schauspielerisch an Walser heran zu reichen. Anna Böttcher setzt noch einen drauf und wirkt ebenso unattraktiv wie verbohrt und obendrein noch frigide; allgemein verkörpert sie Horst’ Ex-Freundin überaus unmotiviert, so baut der Zuschauer auch hier keine Sympathien auf.

Fazit: Nicht so gut wie „Der Bewegte Mann“, nicht so übel misslungen wie „Lysistrata“ oder „Das Kondom des Grauens“. Ralf König auf die große Leinwand zu übertragen will nicht so recht gelingen und Wortmann hat’s bisher ganz klar am besten hingekriegt. Insgesamt hat „Wie die Karnickel“ leider einfach zu wenig Biss und zu viele Längen in der schmalen Handlung, König-Fans und Liebhaber deutscher Beziehungs-Komödien sollten aber unterm Strich relativ zufrieden sein…

5,5 / 10

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