Eigentlich müßig und abgedroschen, als Aufhänger für Kung Fu Jungle nicht nur als Film, sondern als Geste zu erwähnen ist, dass das einstige Hongkong - Kino, dass so ja schon seit geraumer Zeit nicht mehr am Blühen hiermit auch seinen vorläufigen Schlusspunkt in einer bestimmten Weise am Setzen ist. Seit Jahren vom Chinesischen Festland, seinen Bestimmungen hinsichtlich der Zensur, aber auch deren Prosperität und dem riesigen Markt an zahlenden Kinozuschauern und so den Nach- und Vorteilen von gleichzeitig abhängig, wurden speziell für die Sonderverwaltungszone geschaffene Werke quantitativ stark reduziert und sich der Übermacht aus Geld und Politik ergeben. Zwar schaffen es hier und da immer mal wieder Werke, sich zur Rückkehr bestimmen zu lassen und an die glorreichen Zeiten zu erinnern, die nun auch nicht erst seit '97, sondern schon Anfang der Neunziger eher passe und ab dann an bis einschließlich Heute auch von Hollywood und Einheitsbrei überrannt waren. Hier mal ein Heroic Bloodshed, dort mal ein einsamer Category III, ob nun in Gattung Horror oder doch Sex, aber niemals die anhaltende Wirkung und nach wenigen Trittbrettfahrern wieder am Siechen und erledigt. Noch schlimmer und dies wohl bald für einige Zeit ist das einstige Aushängeschild, der Martial Arts Film betroffen, der hiermit sein Hohelied, seine Trauerrede und den Abgesang gleichzeitig, quasi die Beerdigung und dann den Leichenschmaus und vielleicht auch mal die Auferstehung (mit dem grundsätzlich dafür geeigneten Sha Po Lang 2: A Time of Consequences (2015)) erhält. Ein Benefizfilm im Gewand eines modernen Cop-Thrillers, der sich etwas in den Philosophien und Prinzipien verheddert, aber dann final auch wie rabiat ein wild gewordenes Tier auf einen losgeht:
Als die Polizistin Inspector Luk Yuen-sum [ Charlie Young ] von der Serious Crime Squad zusammen mit ihrem Partner Tai Yue [ Deep Ng ] nach der Sichtung eines Tatorts in das Stanley Prison eibestellt wird, eröffnet ihr der dort einsitzende Häftling Hahou Mo [ Donnie Yen ], dass dieses nur der Erste einer Reihe von Morden ist und er mit wichtigen Hintergrundinformationen über den Täter, den übellaunigen Martial Arts Experten Fung Yu-sau [ Wang Baoqiang ] aufwarten kann. Luk akquiriert den Sträfling als Konsultanten, kann aber weitere vorausgesagte Opfer wie Tam King-yiu [ Xing Yu ], Wong Chit [ Yu Kang ] oder Hung Yip [ Fan Siu-wong ] nicht verhindern und entsprechend von ihrem Vorgesetzten, dem Chief Inspector Lam [ Alex Fong ] vom Fall abgezogen und gerügt. Währenddessen setzt sich Hahou nach Foshan ab, um seine Freundin Sinn Ying [ Bai Bing ] zu schützen, wobei er sie gleichzeitig auch in Gefahr bringt.
"Dedicated to the creators, on- and off-stage, of action cinema."
Zugpferd und so treibende Kraft, eigentlich noch die einzige überhaupt in diesem Metier ist dabei Donnie Yen, der ebenfalls von der Krise zwischenzeitlich erfasst war und in heutzutage vergessenen low- oder gar no-budget Werken, damals entweder mitleidig bestaunt, belächelt oder verrissen vor sich hin werkelte. Yen hat sich seit einem Jahrzehnt wieder erholt, was eigentlich umso erstaunlicher ist, als es heute mit viel Selbstverständlichkeit und Selbstvertrauen wirkt. Er war komplett weg vom Fenster, hatte im Geschäft schon vorher nicht den besten Ruf, galt als schwierig, sich in fremde Belange einmischend, als eingebildet und arrogant und vor allem auch darstellerisch und selbst in der Wirkung auf das Publikum, in der Sympathie als stark limitiert. Seit 2005 kommen die Erfolge wieder, die Verkäufe in das nicht nur asiatische Ausland, sondern vor allem auch den westlichen Markt, wurden die beiden Anderen überhaupt noch existierenden Darsteller in diesem Metier, Jackie Chan und Jet Li plötzlich in der Gunst der Stunde und folgerichtig auch in der Entlohnung auf einmal überrundet und abgelöst.
Doch ebenso wie bei den Beiden Anderen läuft auch bei Ihm die Zeit ab, die Uhr dagegen, war das selbst erklärte Ziel des Aufhörens, die Erkenntnis der eigenen körperlichen Grenzen, die das Genre des Kampfkunstfilmes nun einmal notgedrungen setzt, mit dem Erreichen des 50. Geburtstages gewählt. Diese Marke, dieser Grenzstein ist im Grunde erreicht; eine drohende Lücke, die mangels gelungenen Aufbaus eines legitimen Nachfolgers trotz theoretisch, aber praktisch nicht geeigneter Kandidaten wohl auf Bälde kein Epigone am Füllen und Nacheifern ist. Last of the Best, wie der Arbeitstitel im Mai 2013 noch lautete, "The Martial Art World of One Person", wie die wörtliche Übersetzung ist und sich prophetisch und materiell um das Überleben in der Konkurrenz und dem ständigen Wettstreit mit Herausforderern und Gleichwertigen dreht, blickt dabei auch mehr zurück in die Historie als nach vorn, erweist gerade in der Besetzung die Ehrerbietung an die aussterbende Kunst und gestaltet sich insgesamt als liebevoller Hommage in aber dunkler Präsenz.
Ein Hauptaugenmerk liegt dabei von Genre und Natur her schon erforderlich auf den Kampfszenen selber, die sich auch weniger an das Umfeld der Handlung, des Cops and Robbers Milieu, sondern der Herkunft von Protagonist und Antagonist, deren Martial Arts Background und der Anforderungen damit orientieren. Zwar gibt es auch hier und da die Polizeipräsenz und das Voranpirschen in Verfolgungsjagden und Erstürmungen der Spezialeinheit, wird sich ansonsten aber alleinig auf das Duell und dort vermehrt den Zweikampf, die persönliche Gegenüberstellung hin konzentriert. Vielfältig und variantenreich in jeweils unterschiedliche Choreographien (durch Yen selber sowie Yuen Bun und Yan Hua) und verschiedene weitere Behandlung durch Kamera, Schnitt und Montage kultiviert, fallen die Auftritte allerdings auch alle unterschiedlich in der Qualität, von hui zu pfui, teils erst auf den zweiten Blick erschliessbar und dies leider etwas nachteilig gegenüber vor allem dem insgesamt in Scharen vorhandenen Talent und einhergehenden Erwartungen aus. Zuviel Unterstützung, zuviel Beigabe von Gimmicks und die auch vorhandene Akzentuierung des Provokateurs als Art Übermensch lässt den Herausgeforderten ebenso keine Chance zum selber Glänzen als auch der Zusammenbau des Bewegungsablaufes ihnen nichts gönnt. Teilweise sieht man nur Schnittfetzen an Bewegungen, oder bloß die Ergebnisse des Angriffes und den eigentlichen Ablauf nicht, werden die Aktionen in Schwarz- oder in Rückblenden aufgelöst; ein leicht unnützes und angesichts aller Beteiligten auch unnötiges Gebaren, dass vielleicht die eine Hälfte der Actionszenen im Mittelmaß ver- und nur die andere den vollenden Genuss selber schenkt.
Von der Geschichte her selber, auch den Dialogen, dem Präsentieren im Gewand eines Krimis, mit der Erläuterung von Motiv des Täters gleichzeitig zu dessen weiteren Anschlägen und dem parallel dazu laufenden Geschick der Polizei ist die Inszenierung eigentlich nicht viel Wert. Trotz einem edlen Aussehen, dass sich in kräftigen, leicht nachgedunkelten Farben und dort vor allem dem sättigenden Blau und Grün und Grau windet und eine moderne Ansicht, technisch sowieso überaus routiniert verpasst, wirkt eine gewisse Einfältigkeit des Ganzen und selbst Erinnerungen an wesentlich preiswertere, fast gar in ihrer Art weniger umständliche und so zackige Arbeiten wie die Videothekenheuler Tiger Claws oder Bloodmoon und denen gegenüber fast den Kürzeren ziehend nach. Im Mittelteil, einem Ausflug von der Metropole weg hin nach Foshan, passiert trotz der Kürze von knapp über 90min fast Nichts, und auch das Vorher der immerhin 25.Mio USD Produktion ist etwas holpernd, nie wirklich fesselnd oder treibend in Szene gesetzt.
Was bleibt sind die Actionszenen selber, und was dazwischen noch auffällig ist: Das Aufgebot an Cameos, die sich vor allem auch an anderen Regisseuren oder Actionchoreographen oder Fachkräften anderweitig hinter den Kulissen bedient; eine Vielzahl von ehedem klanghaften Namen, die bis auf die Ausnahmen wie Andrew Lau oder Soi Cheang oder Derek Kwok – die Regisseure von Yens Legend of the Fist: The Return of Chen Zhen (2010), The Monkey King (2014) und dem kommenden Dragon City – heutzutage gar nicht mehr richtig am Arbeiten, de facto also die Senioren im Vorruhestand oder stetig die unbekannte Zweite Geige im Hintergrund sind. Mitspielen bzw. kurz durch das Bild laufen tun dabei u.a. Mang Hoi und Kirk Wong, David Chiang, Alex Cheung, Tony Leung Siu-hung, Lee Tat-chiu, Tsui Siu-ming, Yuen Cheung-yan, Sharon Yeung Pan-pan, Raymond Chow, Joe Cheung, Dion Lam, Yuen Bun, Bruce Law und Billy Chan Wui-ngai, was im Grunde wie ein Schaulaufen durch die Ruhmeshalle, der staunende Spaziergang durch das Museum, mit den Öffnungszeiten gleich vorbei und die Türen schon bald schließend ist.