Bei Erscheinungstermin trotz oder wegen der darstellerischen Paarung von Yukari Ôshima, Moon Lee und Cynthia Khan aufgrund diverser Nichterfüllung von dadurch gemachten Versprechungen eher übersehen, hat sich Albert Lais alternativ auch Death Triangle und damit ehrlicher betitelte Film (der OT ist übersetzt so etwas wie 'End of the Road') schnell und vor allem auch über die Jahre aufgrund der eigenen Qualität durchgesetzt. Abgesehen davon, dass das Produktionsland Hongkong heutzutage und dies schon seit längerem solche Vertreter des Girls with Guns - Subgenre nicht mehr oder nur überaus vereinzelt macht (kürzlich ist Fatal Raid als Art Fortsetzung von Special Female Force und ein Online-Ableger namens Top Female Force erschienen, aber das war es auch schon), und die Zeit alle Wunden heilt und die Nostalgie sicher auch verklärt: aufgrund einer zunehmend dramatischen Struktur funktioniert der Film auch als ebensolches, nutzt die (in der Exportfassung deutlich mehr vorhandenen bzw. verlängerten) Actionszenen in einer Fußgängerüberführung, einem trauten Eheheim, im Zwischenfall im Spa, ein Brandanschlag auf eine Motorradfahrerin usw. vermehrt als Ausdruck einer oftmals negativen Emotionalität und damit auch wütenden Funktionalität und weist zudem einige Besetzungen gegen den Strich auf, was insgesamt hervorragend integriert wird und bald wie aus einem Guss montiert:
Sergeant Susie Hsie Wan-chin [ Cynthia Khan ] steht kurz vor der Heirat mit ihrem ehemaligen Ausbilder Superintendent Wilson Tsiang [ Lawrence Ng ], was ihrer besten Freundin und Kollegin May [ Moon Lee ] allerdings nicht passt; hatte sie doch bis vor dessen Antrag vor einem halben Jahr selber eine heimliche Affäre mit diesem. In einer Kurzschlussreaktion tötet sie den dann buchstäblich Verflossenen, schiebt das Ganze auch durch die Hilfe des ihn sie verliebten Kollegen Kent Chiang Siu-chi [ Karel Wong ] der nunmehrigen Witwe in die Schuhe, die sich nicht anders zu helfen weiß, als den Tatort zu fliehen. Trotz der Zweifel ihres Vorgesetzten Officer Wang [ Ku Feng ] an ihrer Schuld wird die Fahndung ausgeschrieben, wobei Susie nur die Flucht nach vorne bleibt und sie neben ihrem Ziehvater [ Eric Tsang ] die Autodiebin und Bandenchefin Coco [ Yukari Ôshima, deren Szenen 1998 in Gold Rush recycelt wurden ] samt deren Freund Brother Boy [ Waise Lee ], Ma On Shan [ Paco Yick ] und Sau Mau-Ping [ Julia Cheng ] um Unterstützung bittet.
Gemeinsam schießen, laufen, Landminen entschärfen und in vorsintflutlichen Verteidigungsbunkern die heranstürmenden Kollegen vermöbeln. Selbst vereint für die Hochzeitsbilder vor edlem Hintergrund und ganz in Weiß gekleidet wird fotografiert, Braut und Brautjungfer vereint in gemeinsamer Freude und im gemeinsamen Glück. Eine Idylle der Freundschaft und der Kollegialität wird gezeichnet, auch für May, die hier schon vorbereitend für noch Kommendes immer etwas draufgängerischer, etwas wilder im Verprügeln und schneller mit der Waffe in der Hand porträtiert wird, scheint die Gegenwart noch freundlich und die Zukunft im rosa Licht. Doch diese Idylle ist trügerisch, das weiß nach einer Viertelstunde nach einem Einbruch in das traue Heim schon der Zuschauer, und selbst dieses erschreckende Ereignis ist nur die Vorwarnung, nur die erste Stufe, und erst nach und nach kommt alles zum Vorschein und alles ans Licht.
Für die noch junge New Treasurer Films Co. Ltd. ist der Film nach vielleicht Midnight Angel (1990) und The Direct Line (1992, jeweils auch mit Yukari Oshima) hier eine von den frühen größeren Produktionen und ein verstärktes Zeichen Richtung Mainstream, selbst in Nebenrollen ist man mit bekannten Gesichtern besetzt und wird sich auch um ein volles Kaleidoskop an Tag- und Nachtleben und vielen teils ungewöhnlichen Locations in HK bemüht. Die Polizeistation und seine Umgebung sind ebenso angefüllt mit Leuten und Ereignissen wie auch der Subplot mit den zunehmend mehr in das Beziehungsleben hineinratenden Kriminellen prall aufgestellt ist und so keinerlei personeller oder räumlicher Leerlauf besteht. Das Mobiliar ist reichhaltig und tatsächlich einem (besseren) Wohnverhältnis entsprungen, statt aus reiner ärmlicher Kulisse zu bestehen; ein insgesamt durchaus geschmackvolles Erscheinungsbild, welches sich nicht Verstecken braucht und nicht zu schämen. Der Regisseur ist nach He Who Chases After the Wind (1988) und Bitter Taste of Blood (1988) nicht gänzlich genrefremd, hat aber mit Dramen und Romanzen seine Karriere angefangen, was man in der sorgfältigen Bebilderung und der geschickten Nutzung dramaturgischer Fallhöhen durchaus merkt.
Fighting Femme hier von der anderen Seite, nicht zur Bekämpfung der Kriminalität, sondern zum Nutzen der eigenen Gefühle, die vorhanden, allerdings nicht 'statthaft', sondern eine Hoffnung ohne Erfüllung und ein Zwang ohne Befriedigung sind. Aus Zuneigung und Liebe wird durch das Verweigern Hass und Aggression, eine Umkehrung des sonst oft dem Manne vorbehaltenen Feldzuges, welches sich zur gleichen Zeit in Don't Stop my Crazy love for You oder Love to Kill in schockierenden Ausmaß Bahn bricht. "Let me share your happiness." als früher Wunsch von May, da noch unschuldig und wie tatsächlich Freude über das bevorstehende Ereignis der Hochzeit versprühend, die Alarmglocken in der näheren Umgebung sollten spätestens beim Vertrimmen ihrerseits des gesamten Kampfsportvereins beim Training klingeln, tun es aber nicht. Ein Fehler, wie sich kurz darauf zeigt, ist die Täterin hier selbst nicht Herrin ihrer Extreme und wird das Objekt der Begierde bald aus dem Fenster getreten und mit Schüssen aus nächster Distanz eingedeckt; der Anfang von noch vielen bösen Überraschungen und auch mancherlei geschickt platzierten Brutalitäten.