Review

Nach all den Episodenfilmen, mit denen die Horror-Spezis von „Amicus“ in den 60ern und 70ern den von Hammer beherrschten Markt aufmischten, nun also mal einen des Outputs, der eher ein Schattendasein neben den Portmanteau-Filmen führt.

Zum Start räumen wir hier aber mal mit einem gar abstrusen Mythos aus: auch wenn der Originaltitel das vorbelastete Wortteil „Psycho“ mit sich herumträgt und diverse Reviewer da mangels schneller Alternativen gern mal einen Querverweis eingebaut haben, hat „The Psychopath“ nun wirklich nichts Besonderes mit Hitchcocks Motel-Reißer zu tun, außer dass ein potentieller Verdächtiger hier ein recht besonderes Verhältnis zu seiner immobilen Mutti hat.

Aber der Reihe nach: irgendwo in England erfreut sich ein Streichquartett von Herren der lieben Kammermusik (obwohl sie die Instrumente offensichtlich nicht spielen können), doch eines der Mitglieder kommt leider zu spät zum Schlussakkord, denn er wird auf offener Straße in dunkler britischer Gasse zu Mus gefahren. Dabei hinterlässt der Mörder eine Puppe, die dem Verstorbenen aufs Haar gleicht.
Auftritt Inspector Holloway, der alsbald die sich recht sperrig gebenden Mitglieder des Quartetts als potentielle Verdächtige oder Opfer im Blick hat. Natürlich hat man etwas gemeinsam und natürlich hat das auch mit der im Automatikrolli umher kurvenden Mrs. Von Sturm zu tun, die sich seit dem Krieg (aha!) als Puppenmacherin verdingt, der offensichtlich alle Drähte aus der Mütze hängen und die in einem creepy Puppenstaat lebt.
Zum Glück ist Holloway stramm britisch bis ins Mark und lässt sich weder von unheimlichen Puppen noch von Exildeutschen aus der Ruhe bringen, während der unbekannte Killer, von dem wir nur den Arm oder die Schuhe sehen, munter weiter meuchelt: Gift, Erdrosseln, Flammenwerfer (klingt schlimmer, als es aussieht).

Das alles hat natürlich mit dem Zweiten Weltkrieg und so zu tun, ein paar Damen hüpfen auch noch durch die Gegend, aber wer denn nun der Püppchenverteiler ist, dürfte bald klar sein, wenn auch der Sinn der künstlerisch wertvollen Stücke nie so ganz aufgehen will.

Das alles kulminiert in einer atmosphärisch recht dichten Sequenz in einem Bootshaus, bei dem es zu einem recht eindrucksvollen Unfall kommt – um dann noch ein knackiges „Final-Girl“-Finale dranzuhängen, bei dem es jüngeren Semestern hinter dem Sofa sicher so einige ruhige Nächte versaut haben dürfte.

Nun aber nicht falsch verstehen: es fließt hier wenig Blut und die Morde geschehen zumeist so geschickt arrangiert, dass man gar nichts sieht (bis auf die unterarmlange Puppe dazu), doch an den Nervensträngen zuppelt die Familie VON Sturm mit ihrem (in der Originalfassung) entsetzlich dick aufgetragenen deutschen Akzent, dann schon manchmal.
Es handelt sich übrigens nicht um einen Slasher, sondern, wenn man so möchte, um ein Mystery-Krimirätsel, welches auch bei Edgar Wallace und Onkel Blacky gut aufgehoben wäre, angereichert mit ein paar dezent entwickelten Giallo-Elementen wie bspw einem roten Lackmantel, den Kamerablickwinkeln und dem offenbar im Dunkel eines verwinkelten Hauses dräuenden Killers. Verzichtet hat man nur auf die Humorkomponente, Freddie Francis und seinem Autor Robert Bloch (der, jaja, auch „Psycho“ geschrieben hat) ist es bitter ernst.

Wer mal reinschmökern möchte, kann in die optisch nicht eben optimale Fassung auf YT ja mal reinschnuppern, richtig fein wird es aber erst in den letzten 15 Minuten, die dann so richtig am Nackenhaar zuppeln.
Weil der Restfilm eher etwas steif und talky daher kommt, kann ich dem „Puppenmörder“ jedoch nur 6/10 gönnen, einen echten Rohrkrepierer hat mir Amicus aber immer noch nicht serviert.

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