Jennifer Aniston spielt eine Schmerzpatientin, die sich mit Schmerzmitteln betäubt und nach der Trennung von ihrem Mann allein lebt. Als ein Mitglied ihrer Selbsthilfegruppe, gespielt von Anna Kendrick, Selbstmord begeht, wird sie aus ihrem alltäglichen Trott gerissen. Sie sucht den Witwer der Verstorbenen, gespielt von Sam Worthington, auf, um die Tat zu verstehen und freundet sich mit ihm an.
Im Zusammenhang mit „Cake“ war fast ausschließlich von Jennifer Aniston die Rede, die als Sitcom-Darstellerin den großen Durchbruch schaffte und eher für leichte filmische Kost bekannt ist, wenngleich sie u.a. mit „Good Girl“ ihre Tauglichkeit im Charakterfach durchaus hatte beweisen können. Und was soll man sagen: Aniston macht ihre Sache hervorragend. Die sonst eher in spaßigen Filmen und fröhlichen Rollen besetzte Darstellerin stellt mit ernster Miene ihre seelisch gebrochene Figur glaubhaft dar, was nicht allein an ihrem vergleichsweise mitgenommenen Äußeren liegt. Denn sie macht auch die körperlichen Leiden ihrer von Schmerzen geplagten Figur deutlich, mit ihren Bewegungen, mit ihrem schmerzverzerrten Gesichtsausdruck, in dem sich all die schlaflosen Nächte und die Taubheit der Schmerzmittel spiegeln.
In vielen Kritiken wurde allerdings bedauert, dass Anistons Darstellung an einen vergleichsweise schwachen Film verschwendet wird, doch sehenswert ist „Cake“ durchaus - und das nicht nur wegen Aniston. Daniel Barnz, der u.a. die unsäglich kitschige Fantasy-Romanze „Beastly“ inszeniert hat, fokussiert sich voll auf seine Hauptfigur, begleitet sie durch ihren Alltag, in dem sie ihre Schmerzen mit bedeutungslosem Sex und diversen Medikamenten betäubt und in ihrer Verbitterung und ihrem Zynismus auch die Menschen vor den Kopf stößt, die ihr helfen wollen. Die Ursache für ihr Leiden, die sich im Verlauf des Films aber durchaus andeutet, wird am Ende enthüllt, was der Emotionalität in diesem Moment jedoch keinen Abbruch tut. Überhaupt gelingt es Barnz mit einer einfühlsamen Erzählweise durchaus Emotionen zu erzeugen, insbesondere bei einigen dramaturgischen Höhepunkten, wie der Szene, in welcher die Schmerzpatientin ihrer Physiotherapeutin ihr Herz ausschüttet. Der ganz große Wurf ist Barnz jedoch nicht gelungen.
Denn „Cake“ hat auch einige kaum von der Hand zu weisende Schwächen, die insbesondere im durchwachsenen Drehbuch begründet sind. Während die Hauptfigur gut herausgearbeitet wird, gewinnen die Nebenfiguren kaum an Profil. Insbesondere der von Sam Worthington gespielte Witwer und die von Adriana Barraza gespielte Haushälterin verkörpern sehr klischeebelastete Figuren, wobei insbesondere letztere mit ihrer gutmütigen und sympathischen Art diesen Umstand aber souverän hinweglächelt. Zudem ist die Handlung recht vorhersehbar, weil viele Zutaten klassischer Independent-Dramen enthalten sind. Auch die Gespräche der Hauptfigur mit der von Anna Kendrick verkörperten Selbstmörderin, die mitunter fast schon ungewollt komödiantische Züge annehmen, hätte Barnz sich besser schenken sollen.
Fazit:
„Cake“ ist ein durchaus sehenswertes Drama, das auch - aber nicht nur - von Jennifer Anistons Glanzleistung lebt. Es zeichnet das Bild einer körperlich wie seelisch gebrochenen Frau, das emotional durchaus zu packen vermag, jedoch das eine oder andere Klischee zu viel verarbeitet.
71 %