kurz angerissen*
Mit harten Kontrasten betont “The Reach” das auf Adrenalinausstoß geeichte Psychoduell in der Mojavewüste und kaschiert mit gleichen Mitteln die simple Gegenüberstellung der Hauptfiguren: Hier der junge, native Tourguide (Jeremy Irvine), dessen private Situation im Prolog vorausgeschickt wird, um sie für das Finale wieder aufzugreifen, dort der urbane Geschäftshai (Michael Douglas), der in der Wüste zum Vergnügen mal Theorie gegen Praxis tauscht. Letzterer ist natürlich auf den Punkt genau gecastet und nimmt seinen Mund bereits bei seiner Introduktion so mächtig voll, dass man sich selbst zusammenreimen kann, wie es weitergeht, wenn die Beiden erstmal alleine sind.
Kameramann Russell Carpenter kitzelt aus den Drehplätzen ein paar nette Einstellungen in Rotblau- und Gegenlichtkontrasten heraus, erinnert im Ansatz gar an manchen Hard-Boiled-Thriller aus den Siebzigern, arbeitet aber auch viel mit Monotonie und Wiederholung - was leider auch das allzu aggressive Inszenesetzen des Mercedes-Geländewagens einbezieht, das als Oase auf Rädern und somit als Sicherheitsnetz des Jagdtouristen fungiert.
Jean-Baptiste Léonetti hätte aus der Ausgangslage bequem noch einen puristischen High-Tensioner ohne allzu viele Handlungsmutationen anlegen können, entschied sich aber für viele kleine Etappenbomben und ein westernähnliches Ende auf ungewohntem Terrain. Das nimmt dem Film jedwede logische Nachverfolgbarkeit der Ereignisse, auch einen Teil seiner Intensität, aber immerhin nicht seinen ganzen Spaß. Denn Douglas ist gut genug drauf, um Irvine eine Zeit lang mächtig die Hölle heiß zu machen. Beachtlich, wieviel Spaß es noch macht, dem über 70-Jährigen bei der Arbeit zuzusehen. Sein Konterpart hingegen hat leider nicht das gleiche Maß an Ausstrahlung, was es etwas schwierig macht, sich drehbuchgemäß auf seine Seite zu schlagen.
Auge um Auge hat man ohne Frage schon besser gesehen, aber ein bisschen in den Augen hat’s doch gebrannt.
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