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Erste und leider auch einzige Regiearbeit von Chan Jun-tak, der sich hiermit, einem b - picture Actiondrama im Bumsorama - Stil, quasi die in mehrfacher Hinsicht angeheizte und so in wesentlichen Merkmalen aufgepeppte HK Variante einer Seifenopern - Grandezza als möglicherweise großes Talent für derlei großes Heimvideokino erweist. Ausgestattet mit einer gar noch namhaften und gerade für das Metier schon durchaus prominent, auf jeden Fall semiprominent zu nennende Besetzung, die zusätzliche Klasse hereinbringen, wird sich einer unerhört dramatischen, in für Set und Setting auch überraschend hochwertig ausgestatteten Kulisse an vielzähligen Affekten und so Emotionen bedient, die immer wieder neues Öl in das erzählerische Feuer gießen. Naked Assassins [ UK VHS Titel ], sicherlich kein Klassiker für sich, aber für das auch durchaus auch leicht in das Schmierige abgleiten könnende Umfeld die wahre Empfehlung:

Bei der abendlichen Geburtstagsfeier stellt die junge Erbin Sandy Lo [ Chan Wing-chi ] ihrer schwerreichen Mutter, der ehemalig berühmten Pianistin und nun Unternehmerin Helen Lo [ Otomo Rena ] ihren neuen Freund, den erst kürzlich aus den USA zurückgereisten und dort seinen Businessabschluss gemachten Tony Hwang [ Ken Tong ]. Die Freude wärt allerdings nur von kurzer Dauer, schmeißt sich der nach außen hin integer gebende, allerdings als Schmierlappen im Anzug nicht so sehr auf Treue und andere Tugenden schwörende Tony prompt an die noch fesch gebliebene Mama heran, was von beiden Frauen auch bald bereut, und den anderen Männern des Hauses, Pferdetrainer Chiang [ Roy Cheung ], Gärtner Cheung [ Ku Feng ] und Chauffeur Li [ Karel Wong ] trotz sonst guten Diensten nicht verhindert wird. Zudem bekommt Lo Enterprise noch ganz andere Probleme, streben die Konkurrenz um Chiu [ Melvin Wong ], dessen Sohn Fat [ Suen Kwok-ming ] und bald auch der sich hintergangen fühlende Tsang [ William Ho ] heimlich die feindliche Übernahme an. Notfalls mit Gewalt.

Sicherlich tut es hier und da holpern, gerade die "shoot to kill" Eröffnungsszene eines Lagerhausüberfalles steht erst lange im nackten Freien, ohne das auch nur der Ansatz eines Zusammenhanges mit dem erst folgenden Schwulst auch nur in Erwähnung gezogen wird. Auch die Präsenz mancher Darsteller scheint aus dem Kontext mit dem üblichen Geschehen gerissen bzw. wie im Nachhinein gefördert und als Gastspiel fast ungenügend für mehr Aufmerksamkeit und trotzdem leider auch ungenutzt in ihren potentiellen Möglichkeiten zu sein. Ändert dies aber nichts an dem Bemühen um mehr Klasse im Milieu, dass sonst mit ausschweifenden und hanebüchenen Sexszenen – die auch vorkommen – nur so gestopft und in aller Langweiligkeit um jegliche sonstige Arbeit meist immer verlegen sind. Hier ist die Geschichte vorhanden, und in ihrem dramatischen Sinne glaubhaft, die Parteien und Konflikte plausibel, der Schauplatz in höheren Kreisen spielend und trotzdem nicht die ranzigen Flecken abseits von Glashochhaus und marmornen Anwesen vergessend;  ein bestimmt nur zur direkten Konkurrenz gesehen wahrlich hochwertiger, in diesem Vergleich aber spielend die sonstigen Vertreter in die schämende Ecke drängender Bericht vom tiefen Sturz aus hohem Fall. Die beste Anlage für zuweilen gleichzeitig tragische, teils reichlich überhöhte und eventuell auch dadurch oder auch einzeln lächerliche Situationen.

Ausgestattet mit illustren high class Orten wie einem Gestüt, einem Golfplatz, dem Arbeits- und Empfangszimmer hoch oben über den Straßen der Stadt oder einer luxuriösen Zweitvilla mit Pool und Grundstück in Macau, ist diese Ausführung um Liebe und Hiebe nicht bloß von der Dekoration und der einschmeichelnden Akustik her repräsentabel und gleichzeitig effizient, sondern auch durch die Inszenierung und weiterführende Präsentation im besseren Stil als weiland gewohnt und gewissermaßen auch nötig für [S]Exploitation gehalten. Denn abgeneigt oder gar verpönt ist man der Schmierigkeit dabei wahrlich nicht, wird sich trotzdem oder gerade auch deswegen explizit in das "very comfortable" Getümmel um schwitzende Leiber und bloßen Tatsachen geschmissen, in einer offensiven Selbstbefriedigung mit Vibrator oder einer schlichtweg zügellosen und schon beinahe überschwänglich albernen Massenorgie auf einer Yacht auf freier See das Category III Siegel verdient und bedient, wobei die Details von Fellatio, Cunninglius, Auspeitschsession und Co. selbstredend ausgespart, die Andeutungen dafür und die beaver shots umso aggressiver sind.

Glücklicher- und dankenswerterweise wird sich auch um die Action abseits der Betten und der Geschäftsklüngelei mit ihren ebenso lang anhaltenden moralischen Dissonanzen bemüht, wobei es sich meist um schon preiswertes, ein gutes halbes Dutzend umfassendes Gekloppe in finsteren Straßen und abgeschiedenen Pferdeställen handelt, dies aber dennoch seinen fair share Blickwinkel auf eine halbwegs anständige Choreographie und auch dem gewissen Ausmaß und Ausdruck legt; fern edlen und reizenden Wesens, aber schon durch die fortgesetzte Teilnahme leidenschaftlichen Ausdrucks auf seine Weise erfreulich. Geschwinde Leidenschaften hier wie dort, Sollen und Wollen und Können seitens des Drehteams, Numerisch und qualitativ hält es sich natürlich noch in Grenzen, werden neben der einleitenden gun fu - Attacke im Warenlager der Los, in der sich mit Maschinengewehren und Fußtritten gegen die Wachmannschaft erwehrt wird, ansonsten nur die reinen mehr oder minder attraktiven Prügeleien an ebensolchen Orten, dann aber immerhin mit Einsatz der erprobten Stuntmen um Choreograph Chiang Tao geboten.

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