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Es gab eine Zeit, in der waren Verfilmungen von Werken Edgar Allan Poes das reinste atmosphärische Vergnügen, denn selbst ein Roger Corman wusste die Geschichten mit simplen Mitteln treffend auf den Punkt zu bringen. In den letzten Jahren häuft sich allerdings ein wenig Bullshit an, wobei die vorliegende Anthologie wahrscheinlich zum größten Stinker zählen dürfte.

Eine Handvoll mehr oder minder bekannter italienischer Regisseure wollte mit geringem Budget und wenig Aufwand sieben Werke von Poe neu interpretieren und dabei ist bis auf "Lebendig begraben" kompletter Artsy-fartsy-experimentalschund herausgekommen.
Allein der Einstieg "Die Grube und das Pendel" geht völlig am Thema vorbei, denn das Original spielt während der Zeit der spanischen Inquisition und handelt von einem Eingesperrten, auf den sich ein riesiges Pendel unaufhaltsam herabsenkt. Hier ist der Raum hingegen komplett schneeweiß, bis sich in der Mitte ein Loch auftut und aus der Dunkelheit Geräusche eines schlagenden Pendels wahrnehmbar sind. Die Auflösung ist zwar noch okay, doch ohne weitere Erklärungen mutet diese völlig willkürlich an.

Und so zieht sich das Groteske, Bizarre, Sinnfreie und größtenteils frei Interpretierbare durch jedes Kapitel. Dabei muss man leider viele entblößte Gürkchen ertragen, in einer Szene wird gar masturbiert, doch immerhin wurden einige handgemachte Gewalteffekte beigemengt, was von abgebrochenen Fingernägeln, über Klinge im Auge bis hin zu vier abgeschnittenen Gliedmaßen reicht und qualitativ meistens ordentlich aussieht.

Doch das bringt dem geneigten Fan des amerikanischen Schriftstellers wenig, denn der erlebt experimentell angehauchtes Möchtegern-Arthaus mit viel Interpretationsfreiraum und nicht enden wollendem Füllmaterial. Mal wird nur Schwarzweiß abgeliefert, dann muss ein dämliches Affenkostüm (noch nicht einmal Orang-Utan) für den Klassiker in der Rue Morgue herhalten und in Kambodscha wird mal eben "Das verräterische Herz" umgemodelt, wobei die Kulissen noch etwas kaschieren, was bei den übrigen Episoden, welche vorwiegend in dreckigen Spelunken spielen, keineswegs der Fall ist.

Das darstellerische Niveau gleicht sich indes dem Inhaltlichen an, denn mehr als Laienschauspiel mit anstrengend wirkenden Gesichtsausdrücken darf man nicht erwarten und auch der Score unterstreicht den experimentellen Charakter, da dieser phasenweise zu Ohrenblutungen führt.
Letztlich vermag keine der sieben Kurzgeschichten zu überzeugen, Spannung und Atmosphäre sind erst gar nicht auszumachen und nahezu alle Pointen haben kaum mehr etwas mit den Originalwerken gemein. Freunde experimentell angehauchter Indie-Produktionen könnten dem Ganzen eventuell sogar etwas abgewinnen, doch wer die Poe-Verfilmungen der Sechziger mochte, dürfte vorliegende Anthologie bereits nach der zweiten Episode hassen.
2 von 10

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