Staffel 2
Reift wie ein guter Wein
Im Sophomorejahr tauchen wir noch weiter ab in die Psyche und das Leben des abgehalfterten Hollywoodstars BoJack Horseman. Durch seine gut eingeschlagene, brutal ehrliche Biographie erhält er nun wieder mehr Rollenangebote, hat sich mehr unter Kontrolle und eine lebensbejahendere EInstellung. Doch die Erfüllung scheint auch das nicht mit sich zu bringen und richtig glücklich ist der Teilzeitmisanthrop und Vollzeitalkoholiker nie...
Staffel 2 baut clever auf den Grundsteinen des Premierenjahres auf, kommt noch mehr in die eigene, unvergleichliche Spur und verleiht den lieb gewonnenen Figuren noch wesentlich mehr Tiefe und Witz und Charme und Dunkelheit. Toll!
POSITIVES
+ man fühlt ungemein mit den Figuren, vor allem BoJack
+ starke Witze, etliche Insider
+ geht neue Wege nach Staffel 1, wiederholt sich selten
+ sehr bunt, zum Teil sogar einigermaßen ansehnlich
+ intelligente Gesellschaftskritik ("Hank After Dark")
+ interessante Kommentare zu Themen wie Popkultur oder Starwahn
+ entwickelt sich zum Stoner-Hit
+ schlägt mehr Kurven als ein Hase beim Parcours
+ traut sich dorthin, wo es weh tut und kaum Licht scheint
+ extrem erwachsen
+ gute Konsistenz und dennoch Weiterentwicklung
+ die reifste Animationsserie aller Zeiten?!
+ Hollywood kriegt einige Watschn
+ grandiose Synchronsprecher (unbedingt im Original schauen!)
+ trifft einen oft genug ins Herz
+ schmerzhaft ehrlich und menschlich
+ Realität vs. Wunschtraum
+ politisch oft genug unkorrekt
+ völlig nachvollziehbar und fesselnd, nicht nur für B-Promis in der Midlifecrisis
+ trippige Sequenzen
+ Todds und BoJacks "Freundschaft"
+ Horsin' Around (in kleinen Dosen)
+ Dianes und BoJacks Chemie bzw. womöglich mehr
+ heftige Aussagen und Beobachtungen zum Thema "Beziehungen"
+ Mr. Peanutbutters Naivität (und er bekommt dennoch mehr Tiefe verliehen diese Staffel)
+ elegante Balance aus Comedy und Drama
+ außergewöhnlich starke Figurenzeichnungen
+ die vielen "Hollywoodtiere" wie TURTLEtaub oder Ethan HAWKe
+ stellt tiefgründige Fragen ohne in Klischees oder Peinlichkeiten abzudriften
+ Vincent Adultman!
+ weiterhin starke Frauenrollen
+ selbst Fremdschämen wird ins Positive gewandelt
+ Gaststars wie Paul McCartney oder Daniel Radcliffe (die sich selbst sprechen)
+ BoJacks Fehler drehen einem den Magen um... und man mag ihn trotzdem. Oder genau deswegen.
+ trifft den Zeitgeist
+ ist jetzt schon eine der wichtigeren Serien der 2010er
NEGATIVES
- noch immer eher simpel gezeichnet
- manche Themen wiederholen sich bzw. drehen sich im Kreis
- Todds Abenteuer sind doch etwas sehr weit "draußen"
- nicht jedes Unterthema einzelner Folgen ein Volltreffer
- braucht wieder etwas Anlaufzeit
Fazit: BoJack und seine düster-komischen Eskapen sind auch im zweiten Jahr ein bitterer Genuss. Vor allem für Erwachsene. Immer greifbar, immer kreativ, immer überraschend. Netflix hat ein ganz heißes Eisen im Feuer, auf bestem Weg zu legendärer Größe. Jeder mit Big N-Account muss das sehen. Fast egal, ob man animierten Serien sonst etwas abgewinnen kann oder nicht... BoJack ist anders! (9/10)