Review

Staffel 3

Spirale der Einsamkeit

Ach BoJack, was bist du nur für ein sympathischer Trottel,
was für ein abgehalfterter Traumfabrik-Zottel.

In Staffel 3 läufst du nun ohne Ausreden zu Topform auf,
spätestens jetzt würde man sagen, du hast, wie Secretariat, einen Lauf.

In diesem Jahr machst du dir berechtigte Hoffnungen auf Hollywoods wichtigsten Jungen aus Gold,
schön, dass dir die Welt endlich mal wieder etwas Respekt zollt.

Doch natürlich geht auch dieses langwierige Unterfangen in die Hose,
das Mundwerk und der Griff zur Flasche hängen bei dir einfach zu lose.

Genauso wie du einen strahlen lässt, kannst du einen zur Weissglut treiben,
selten gab es Depressionen und Verbitterung in derart fein portionierten Scheiben.

Manchmal dreht sich die Welt vielleicht etwas zu sehr um dich,
doch wie sollte es auch anders sein, wenn du dich so genial machst zum Fisch.

Aber auch deine Freunde und Bekannten machen dieses Jahr echte Entwicklungen mit,
Staffel 3 ist der bisher herausforderndste, bunteste Ritt.

Die vorletzte Episode ist mal wieder ein Highlight und Bummer,
ist ja schon fast Tradition, dass das Leben in Folge 11 nochmal rausholt den Hammer.

BoJack Horseman, egal ob man dich liebt oder hasst,
man kann nur jeden Netflix-Abonennten beglückwünschen, der sich mit dir befasst.

Die nahezu stumme Episode unter Wasser ist ein Höhepunkt tief am Meeresgrund,
ich frage mich, wie oft guckst du noch in deinen tiefen, seelischen Schlund.

Realitätsnah und zerstörend, mutig und kreativ,
selbst schuld, wer dieses serielle Meisterwerk über die letzten Jahre verschlief.

Sara Lynns Schicksal, Todds Quatsch, Mr. Peanutbutters naive Eskapen,
immer wieder überrascht deine Welt mit frischen, dunklen, nur allzu menschlichen Pfaden.

Jeder weiß, dass das Leben nicht immer ist wie ein Cartoon,
nun kommt ein Teil Heilung und dafür muss man nichtmal viel tun.

Bitte aber im Original schauen, nur dort ist die Synchro exzellent,
egal wie sehr sich die deutsche Version für manches Wortspiel verrenkt.

Vor allem Will Arnett gebühren Ruhm und Ehre,
ich hoffe diese Dunkelheit ist ihm für sein privates Leben eine Lehre.

"BoJack Horseman" ist anspruchsvoll und wird gefühlt immer besser,
verbunden werden Witze, Zoten und Absurdes mit einem aus dem Nichts kommenden Messer.

Hollywood therapiert sich hier teilweise selber,
und das mit einer Hand voll Pferden und Kälber.

Ich möchte auf dieses Glanzstück am Serienhimmel nicht mehr verzichten,
wer bin ich schon, der soll über diesen Pferdemann richten.

Geht es uns einsamen Sternen nicht allen gleich?
Sind wir nicht alles kleine Fische in einem unendlichen Teich?

Was bedeuten überhaupt unsere jämmerlichen Existenzen?
Ist es das nicht manchmal wert, auszutesten seine Grenzen?

Existenzielle Fragen, die jeden halbwegs denkenden Menschen interssieren,
dieses Pferd lässt sich nicht so einfach dressieren!

Fazit: BoJack war nie besser und lotet weiter die Grenzen aus, nicht nur im animierten Bereich. Die der Qualität, die der Reife, die des Humors, die der Absurdität und die der Depressionen. Fantastisch und nicht mehr wegzudenken aus dem erweiterten Kreis meiner Lieblingsserien! (9/10)

Details
Ähnliche Filme