Review

Staffel 4

Guten Bourbon Bojack!

Schon Staffel 4 von „Bojack Horseman“ - und der Trend zeigt weiter eindeutig nach oben. Soll das noch zur Höchstwertung führen?! Ausgeschlossen ist in dieser skurrilen multispeziesellen Gesellschaft nichts. Hätte Netflix wie einst Sega oder Nintendo ein Maskottchen - dieses nihilistische Pferd mit starkem Hang zu Hochprozentigem wäre es! In Staffel 4 macht er sich zusammen mit seiner Tochter auf die Suche nach ihrer Mutter. Außerdem kandidiert Mister Peanubutter für den Gouvernorposten, Princess Caroline versucht Mutter zu werden und Todt erlebt mal wieder die abgedrehtesten Abenteuer überhaupt...

Warum mag ich diese Staffel bisher am liebsten? Neben gewohnten Stärken wie den unfassbar guten Synchronsprechern (im Original!), dem enormen Insiderreigen, den man sich mittlerweile aufgebaut hat, oder der abwechslungsreichen Welt, liegt das vor allem an den einzelnen Handlungssträngen, der faszinierenden Charakterentwicklung und dass fast jede Folge erinnerungswürdig ist. Hänger oder Filler sucht man fast vergebens. Das Niveau ist durchgehend beeindruckend. Highlights sind aber dennoch mal wieder die vorletzte Episode, in der man mehr über Bojacks böse Mutter erfährt, oder die „unter Grund“ durch Peanutbutters unüberlegtes Fracking. 

Die Probleme, Emotionen und Überraschungen wirken real, echt, geerdet, menschlich und immer verdient. Egal wie abgedreht diese Welt in ihren Spitzen sein kann - in den wichtigen Momenten gleicht sie unserer mehr, als es 99% der Realserien tun. „Bojack Horseman“ versucht nicht sich selbst immer wieder zu toppen, es passiert ganz natürlich. Die Figuren wachsen einem minütlich mehr ans Herz, die depressiven Unter- und Zwischentöne hören nie auf zu verblüffen und der Mut scheint die Macher nie zu verlassen.

„Bojack Horseman“ ist vielleicht nicht so kultig wie die „Simpsons“, nicht so kreativ wie „Rick & Morty“, nicht so aktuell wie „South Park“ und nicht so stylisch wie „Cowboy Bebop“ - aber die Kombination und Balance macht es. Außerdem gibt es keine andere animierte Serie, vielleicht keine andere Serie überhaupt, die den aktuellen „state of mind“ unserer westlichen Gesellschaft derart schonungslos wiedergibt. „Bojack Horseman“ geht tief, bleibt dort und bei einem wie kaum eine Serie sonst. Vor allem durch eine gute Handvoll an Figuren, denen man gerne folgt. Durch Dick und Dünn, durch Lachen und Weinen, durch Alkoholsucht und Reha, durch Mord und Totschlag. Hollywoo(d)s Lieblinge?!

Fazit: Bojack in Höchstform. Die beste Staffel bisher. Abwechslungsreich, düster, witzig, kreativ. Alles was man an dieser einmaligen Serie lieb gewonnen hat in einer nahezu idealen Balance. So langsam bekommen die Nebenfiguren mehr Profil als bei den meisten anderen Serien die Hauptfiguren! (9,5/10)

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