Review

Zelten mit Heinz Erhardt und Harald Juhnke

Heinz Erhardt, Trude Herr, Harald Juhnke und Karin Dor in einer sonnigen Urlaubskomödie vor „italienischer“ Kulisse. Dazu diverse Schlager, von denen zumindest zwei auch Jahrzehnte später nicht vergessen sind. Kann da noch etwas schiefgehen? Leider ja. Aber ganz ohne Charme ist der Film nicht.

Vorweg: Franz Antels Komödie ist eine Neuverfilmung von "Die Leute mit dem Sonnenstich" aus dem Jahr 1936, nach dem gleichnamigen Roman von Horst Biernath. Schauplatz des ersten Filmes war noch eine Donauinsel, die Drehbuchautoren des Remakes von 1962 verlegten die Handlung nach Italien, in den 50ern und 60ern - ach was, schon spätestens seit Goethe und Tischbein - das Land deutscher Sehnsüchte. Doch: Es wurde gemogelt, denn gedreht wurde an der jugoslawischen Adriaküste.
 
Im jugoslawischen Italien also, im Urlaub und oft im Streit bzw. Geschlechterkampf auf der Insel „Isola Piccola“: Heinz Erhardt (den es 1970 mit dem schön überdrehten "Das kann doch unsren Willi nicht erschüttern" wieder in einen turbulenten Italienurlaub trieb) spielt den immer hungrigen Nudelfabrikanten Keyser und bringt sich mit seinem gewohnten Wortwitz ein - er hat hier aber nur die dritt- bis viertgrößte Rolle. Seine drall-blonde Tochter Marion - Ann Smyrner, die in diesen Jahren ein Sexbomben-Image innehatte - zieht im Bikini ständig den Bauch ein und als gar nicht so dumme Sexbombe einige Register. Der wenig durchsetzungsfähige Justiziar Dr. Thomas Steffen (Harald Juhnke) bemüht sich redlich, von der sehr selbstbewussten Bikini-Marion nicht übersehen zu werden. Ebenso Urlauber: der pathologisch aufs Angeln versessene Ingenieur Michael Lutz (Peter Vogel) und seine, ganz auf einen Heiratsantrag versessene, Verlobte Barbara (Karin Dor). - Völlig verschieden geartete Sehnsüchte, der Streit ist also vorprogrammiert. 

Auf dem Festland: Trude Herr - die temperamentvolle kleine Dicke spielt hier die temperamentvolle, kleine, dicke, italienische und vor allem resolute Frau des versoffenen Polizeichefs (Raoul Retzer). Gus Backus haben sie auch noch in die Handlung hineingeschrieben, damit er zwei seiner aktuellen Titel (mit dem damals beliebtem amerikanischen Akzent) zum Besten geben kann - der „Geisterstundentango“ war zumindest seinerzeit populär.                            
"Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett“ heißt dann ein anderer, wohl noch etwas erfolgreicherer, Schlager, vorgetragen (mit amerikanischem Akzent) von Bill Ramsey, der in einer winzigen Rahmenhandlung und in einem stilisierten Schlafzimmer auch mitspielt. Seine krimisüchtige Frau Mimi, Edith Hancke, liest neben ihm im Bett die Spielfilmhandlung, den "Krimi" (aus dem Off erklingt ab und an dann weihevoll ihre Stimme), Ramsey besäuft sich vor Kummer mit Rum, weil Mimi nicht von ihren Krimis lässt…

Klingt alles prima für jene, die nicht den Trailer zum vierten Sequel der achten Generation von Spiderman-Verfilmungen als ihr Höchstes betrachten. Aber, wie schon geschrieben: Der Film bleibt unter seinen Möglichkeiten (und Nostalgie ist eben nicht alles).     
                       
Irgendwie haben es Drehbuch und Regie nämlich nicht überzeugend eingefädelt, die ziemlich zentrale Figur Lutz – den angelsüchtigen Ingenieur -  trotz seiner arroganten Ego-Touren sympathisch erscheinen zu lassen. Dementsprechend ist man irritiert bis genervt, dass seine sensible Verlobte (Dor) ihn unbedingt heiraten will, statt ihn einfach die scharfkantigen Felsen hinab ins Meer zu kicken (ein Angelunfall). Sie könnte schließlich jeden haben, sie ist Karin Dor. - Diese Quasi-Liebesgeschichte, die aus dem Beinahe-Ensemblefilm noch am Deutlichsten herausragt, funktioniert also lange Zeit nicht so recht. Zum Schluss kriegt Lutz zwar noch die Kurve, aber - geschenkt. Die zweite Liebesgeschichte zwischen Bikini-Marion und Juhnke-Steffen, die lange Zeit keine ist, ist anfangs auch etwas sperrig, wird dann aber, nach einigen verbalen Scharmützeln, recht zufriedenstellend (und ganz wie erwartet) fortgeführt. 

Überhaupt geht es in diesem Film vornehmlich um das Kräftemessen zwischen den Geschlechtern, die mehr oder minder selbstbewussten Weiber treiben den zu charaktervollen bzw. zu charakterschwachen Kerlen mit allen Mitteln ihre Allüren aus. Es sind die Sechziger und die Frauen schwimmen sich allmählich frei.

Das Springen zwischen den Handlungssträngen (es kommt noch ein fingierter Raubüberfall hinzu - übrigens das Einzige im Film, was "Krimi" ist) wirkt etwas wirr, es ist ein ziemliches Hin- und Her, auch zwischen Insel und Festland, manchmal plappern damit einhergehend alle wild durcheinander und das Ganze droht in eine gebremste Screwball Comedy abzugleiten, ein Untergenre, welches mir nicht sehr liegt.     
          
Das geht vielleicht noch als „turbulent“ durch, aber wirklich amüsant wird es weniger und vornehmlich nur dann, wenn Trude Herr oder Heinz Erhardt sich zu Wort melden („Bei mir kann von Figur keine Rede sein!“). - Das wäre dann der Wortwitz. In Sachen Situationskomik bleibt man unter den Möglichkeiten, einige Angelegenheiten auf der Polizeiwache sind aber ganz nett (die wieder mal überstrapazierten Italiener-Klischees stören mich persönlich nicht).

Zuviel Gemecker? Die ersten fünfzehn Minuten sind prima, dann wird es immerhin nicht langweilig, einige Erhardt-Sprüche sind witzig, Trude Herr geht wie so oft in die Vollen. Und gegen Erhardt, Herr, Juhnke und Dor ist ja ohnehin schwer etwas einzuwenden. 


Zum Schluss schlägt Mimi das Buch zu und stellt fest: Oh, das war ja gar kein Krimi! - Recht hat sie. 


An der jugoslawischen Natur kann man sich übrigens nicht so recht erfreuen, da das Bild der DVD von MCP schmutzig ist;  eine Alternative zu dieser DVD gibt es bislang nicht.

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