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Als Titelfigur „Leon“ prügelt der belgische Exportschlager seinen Kontrahenten kräftig vors Fressbrett.
Francois Gaultier (Ash Adams) wird in Los Angeles bei einem Drogendeal von seinen Geschäftspartnern bei lebendigem Leibe angezündet und kommt mit schwersten Verbrennungen ins Krankenhaus. Das schmeckt seinem Bruder Leon (Jean-Claude Van Damme), einem Fremdenlegionär, gar nicht. Da man ihm keine Genehmigung zur Abreise gibt, flieht Leon – wobei dies natürlich nicht konfliktfrei geht und man direkt den Actionappetizer vorgesetzt bekommt.
Leon kann als Schiffsheizer nach Amerika übersetzen, doch er kommt nicht nach L.A., sondern New York. Um die Reise nach L.A. bezahlen zu können, nimmt Leon an einem Straßenkampf teil, der Joshua (Harrison Page) auf ihn aufmerksam macht. Joshua arrangiert einen besonders gewinnträchtigen Kampf, der Leon genug Geld für die Reise bringt. Könnte man natürlich auch mit Arbeit verdienen, aber das wäre ja uninteressant, denn wo Van Damme draufsteht, da muss auch satt Fressegeballertes drin sein.

In L.A. angekommen muss Leon feststellen, dass sein Bruder an den Folgen seiner Verletzungen gestorben ist. Seine Schwägerin Hélène (Lisa Pelikan) will ihn nicht sehen, aber durch den Tod von Francois sind sie und ihre Tochter Nicole (Ashley Johnson) in argen finanziellen Schwierigkeiten. Deshalb beginnt Leon erneut mit den Kämpfen und lässt die Gewinne den beiden zukommen.
Nach „Leon“ drehten Regisseur Sheldon Lettich und Van Damme noch den Actionkracher „Geballte Ladung – Double Impact“, aber von dessen Qualität ist „Leon“ leider entfernt und stellt stattdessen einen der schwächsten Filme Van Dammes dar. Das fängt schon bei der Story an, die sich recht dreist an Van Dammes Durchbruch mit „Bloodsport“ anlehnt. Vor allem natürlich durch die Zweikampf-Struktur, aber auch Leons Flucht und die Tatsache, dass zwei Agenten ihn zurück zur Legion bringen sollen, ist klar aus dem großen Erfolg übernommen (übrigens gehört auch Frank Dux, der „Bloodsport“ inspirierte, zu den Kampfchoreographen von „Leon“).
Leider schleppt sich die Geschichte von Kampf zu Kampf und dazwischen ist meist Leerlauf. Leon muss die Avancen der Kampf-Veranstalterin über sich ergehen lassen und bleibt natürlich standhaft, es werden böse Komplotte geplant (die natürlich nicht aufgehen) und muss sich mit der Familie aussöhnen. Das ist ziemlich kitschig; vor allem das auf nutellasüß getrimmte Balg raubt echt Nerven. Zumal diese Soap Opera Elemente kaum glaubwürdig gestaltet sind. Wenigstens bleibt es nur bei der Versöhnung und es wird darauf verzichtet, dass Leon die Alte seines Bruders klarmacht. Lediglich Joshua als Comedic Sidekick kann das Geschehen etwas auflockern, auch wenn er stellenweise nervt.

Das wäre ja alles noch in gewissem Maße zu ertragen, wenn wenigstens die Action es herausreißen könnte. Denn wie es sich für einen Van Damme Film gehört, ist hier das probate Mittel zur Konflikt- und Problemlösung die Faust – vorzugsweise mitten in die Fresse des Gegners geschlagen. Doch Action gibt es recht wenig, vor allem die Mitte zieht sich durch den Mangel in die Länge. Die Fights sind ganz ordentlich inszeniert, denn an Lettichs Regie kann man eigentlich nie im Film etwas bemängeln. Leider sind die Kämpfe oft auch recht schnell vorbei, nur der Endkampf präsentiert uns die x-te Variante vom mehrmals zu Boden gehen und dann trotz zerdepperter Fresse den bis dato übermächtigen Gegner zu Brei schlagen.
Van Damme spielt hier mit Stoneface und zeigt, dass er damals noch in der Lernphase war („Sudden Death“ oder „Maximum Risk“ waren ja schauspielerisch deutlich besser). Paradoxerweise wirkt er in den Familienszenen noch am besten, denn die verzogenen Heulgesichter von Lisa Pelikan und Ashley Johnson kauft man noch weniger ab. Die restlichen Darsteller agieren durchschnittlich; wirklich herausragen kann hier niemand. In Minirollen ist übrigens unterbeschäftigtes Kampfsportpersonal zu sehen: Billy Blanks darf sich als Fremdenlegionär einen kurzen Schlagabtausch mit Van Damme in der Fluchtszene liefern, während Jeff Speakman kurz als Securitymann auftritt und kaum zu erkennen ist.

Sheldon Lettich erzeugt in „Leon“ durch seine Regie immerhin etwas Stimmung und die Fights sind gut gemacht, nur es mangelt ihnen an Länge und Menge. Doch die Story ist alles andere als mitreißend und die Familienszenen sind unüberzeugend kitschig. Leider ist „Leon“ bloß unterer Durchschnitt.

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