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Zum ersten Mal seit „Bloodsport“ taten sich Sheldon Lettich („The Order“, „The Hard Corps“) und Jean-Claude Van Damme („Universal Soldier“, „Maximum Risk“) wieder zusammen und wollten mit ihrem gemeinsam verfassten Drehbuch die Muscles from Brussels als schauspielernden Actionstar etablieren. Der Schuss ging nach hinten los, denn mehr als ein Konglomerat aus ausgelutschten B-Movie-Motiven, Kitsch und Pathos brütete das Duo leider nicht aus.

Dabei erweist sich der Einstieg noch als recht vielversprechender Auftakt in der Wüste von Nordafrika, wo Van Damme als Fremdenlegionär Lyon Gaultier aus einem Brief erfährt, dass sein Bruder in Los Angeles bei einem Drogendeal schwer verletzt wurde. Um schnellstmöglich dorthin zu reisen, bittet er seinen Vorgesetzten (Voyo Goric, der fiese Russe aus „Rambo: First Blood Part II“) um Erlaubnis, erntet aber nur Unverständnis und flüchtet als Deserteur schließlich auf ein Frachtschiff, das ihn als Kohlenschaufler am Kessel mit nach Amerika mitnimmt. In New York mittellos und illegal angekommen, beginnen für ihn erst die Schwierigkeiten, weil er kein Geld hat und zwei finstere Typen im Dienste seines Vorgesetzten schon auf ihn warten...

Was weiter geschieht, folgt eigentlich den typischen Spuren eines einfallslosen Genrefilms. Um nach Los Angeles zu gelangen, entscheidet Lyon kurz und schmerzlos einen illegalen Undergroundkampf (für sich). Der humpelnde, geschwätzige Joshua (Harrison Page, „Vixen!“) erkennt sofort das Potential und führt ihn nach einem überzeugenden Straßenfight in die Szene ein. Seine Promoterin Cynthia (Deborah Rennard, „Land of Doom) zeigt sich gleich so begeistert von ihm, dass sie ihn für weitere Kämpfe buchen will, doch Lyon lehnt bestimmt ab, reist von New York nach L.A. und sieht sich dort erst mit den wirklichen Problemen konfrontiert...

Highlights des Films sind erwartungsgemäß die damals jahrelang das Genre beherrschenden Undergroundkämpfe, die deswegen gerade rückblickend jeder Faszination entbehren. Kloppereien in Tiefgaragen oder Lagerhallen zu denen die High Society ihr Geldbündel verwettet und sich kreischend an den prügelnden Typen aufgeilt, sind einfach viel zu genretypisch, als dass man sich dafür großartig begeistern könnte. Zwar sind die Kämpfe blutig und hart, aber Van Damme hat vorher und nachher in besser choreographierten Fights attraktivere Aktionen zeigen dürfen.
Der leere Swimmingpool als ungewöhnlicher Austragungsort bietet zwar dezent Abwechslung, doch das war es dann schon mit der Vielfalt und auch die Gegner überzeugen nicht gerade mit exotischen oder einfallsreichen Kampftechniken. Unverständlich, warum Michel Qissi („Kickboxer“, „Terminator Woman“) oder Billy Blanks („Back in Action“, „Tough and Deadly“) sich dann auch noch mit kaum erwähnenswerten Minirollen zufrieden geben müssen. Zumindest Michels Bruder Abdel, der dessen Qualitäten aber nicht besitzt, darf als Endgegner herhalten.

Das eigentlich Drama, das „Lionheart“ so runterzieht, ist aber die sogenannte Handlung zwischen den Kämpfen. Denn Lyon kommt zu spät in L.A. an und erhält nur noch die Nachricht, dass sein Bruder bereits verstorben sei. Dessen Frau steckt nun bis zum Hals im Schuldenberg, weil sie ohne Versicherungsschutz die Krankenhauskosten nicht abbezahlen kann und überhäuft den armen Lyon mit Schuldzuweisungen, obwohl er in der Vergangenheit nur das Beste für seinen Bruder wollte. Sein erkämpftes Geld will sie auch nicht, also zieht er wie ein begossener Pudel, versunken in Selbstmitleid von dannen, um einen tollen Plan zu schmieden. Joshua soll ihr Geld überbringen und es so aussehen lassen, als wäre es eine Lebensversicherung, während er weiter Kämpfe für Cynthia bestreitet, die ihm schon hinterher gereist ist. Ins Bett bekommt sie ihn zwar nicht, dafür aber in den Ring bis die Wetten hoch genug sind und sie ihn abservieren kann.

Seine Flucht vor den beiden Hünen, die ihn in Frankreich vors Kriegsgericht schleppen wollen und die Dialoge mit Brian Thompson, auf den er Jahre später wieder in „The Order“ treffen sollte, werden überschattet von superkitschigen Momenten, in denen Van Damme unter anderem auf ein obdachloses, schmutziges Kind nebst Mutter trifft.

Überhaupt meint das Drehbuch es sehr gut mit Van Damme. Es will ihn menscheln und Gefühle zeigen lassen, aber da Van Damme nun einmal so ein Sparmime ist und sich demzufolge in heldenhaften Rollen emotionslos viel besser macht, wirkt das mehr als einmal nur peinlich. Mit zunehmender Laufzeit wird das auch immer schlimmer und spätestens die letzten Minuten des Films sind vor lauter Happy End – Ambitionen kaum noch auszuhalten, so zuckersüß wird da überzogen.

Der Rest vom Schützenfest setzt sich aus Einfallslosigkeit zusammen. Vamp Cynthia, die ihm das Blaue vom Himmel vorlügt, will natürlich nicht nur mit ihm vögeln und mit ihm Geld schachern, sondern ihn auch fallen lassen und dafür hält sie ihm sogar die beiden Kleiderschränke vom Hals. Und dass Lyon sich mit der Witwe seines Bruders aussöhnt, ist ja auch glasklar.
Übrig bleibt also nur ein schick in Nordafrika beginnender B-Klopper, der es damals trotzdem ins Kino schaffte uns ganz moderat lief, so dass für Van Damme die Karriere weiter bergauf gehen sollte.


Fazit:
Äußerst durchschnittliches Van Damme – Vehikel, das den Belgier auch schauspielerischen Raum gewähren möchte, was bekanntlich keine sonderlich gute Idee ist. Der Einstieg in Nordafrika bei der Fremdenlegion gelingt besser als der Rest des Films, der inhaltlich nicht mehr als diverse B-Actioner zu bieten hat und weder besser aussieht, noch besser gespielt wird. Einzig und allein ein paar harte Fights im Underground tragen den Film noch ins Mittelmaß. Leider sehr eintönig und uninspiriert geschrieben wie umgesetzt.

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