Wieder so ein Film, wo ich mich wirklich ernsthaft frage, was in den deutschen Übersetzern gefahren ist. Dieser Film heißt im englischen Original "Lionheart". Wieso zum Teufel nennt man diesen Film in "Leon" um? Nur damit man ihn mit "Leon der Profi" verwechselt oder etwa nur, weil Van Damme in diesem Film Leon heißt? Ich weiß es nicht, jedenfalls ist "Lionheart" der deutlich passendere Titel zu diesem Werk. Wie auch immer, was kann man also über diesen Film sagen? Wie schon in "The Quest" und dem meisterlichen "Bloodsport" geht es hier in erster Linie um Kampfsport, auch wenn der Film immer wieder versucht, ein auf Charaktertiefe zu machen, was besonders außerhalb der harten, aber sehr gut inszenierten Kämpfen, zur Geltung kommt. Leon ist ein Legionär, der eines Tages flüchtet, weil sein Bruder Opfer eines brutalen Anschlags wurde. Zufällig trifft er dabei auf Joshua (Harrison Page) der Wetten für diverse Straßenkämpfe verwaltet. Als Leon heraus findet, dass seine Schwägerin (Lisa Pelikan) und deren Tochter Nicole (damals noch ein Kindchen, aber zuckersüß gespielt : Ashley Johnson) in finanzieller Not stecken, beschließt Leon mit den Straßenkämpfen weiter zu machen und liefert sich ein knallhartes Duell nach dem Anderen ab. Diesem Film wird nachgesagt, dass dies die überzeugendste Rolle sein soll, die Van Damme je gespielt hat. Natürlich wurde das spätestens mit dem überragendem "JCVD" längst widerlegt, aber auch so muss ich sagen, dass mich Van Damme (z.B. in "Bloodsport" oder "Ohne Ausweg") schon in anderen Filmen deutlich mehr überzeugt hat. Er wird nie ein begnadeter Schauspieler sein, aber er kann durchaus überzeugende und auch etwas tiefsinnige Figuren verkörpern. In der Rolle als Leon verkrampft er meiner Meinung nach zu sehr und agiert mit den völlig falschen Emotionen, an den völlig falschen Stellen. Die Story an sich ist eigentlich recht gut inszeniert und auch viel Spannung und Dramatik ist vorhanden, doch der Film versucht krampfhaft mehr zu sein, als er dann letztlich hergeben will. Das Hauptaugenmerk sollte man demnach meistens auf die wirklich extravaganten Kämpfe legen, denn da überzeugt Van Damme auf ganzer Linie. Auch die enge Bindung zwischen Joshua und Leon kam viel glaubwürdiger und intensiver rüber, als das fast schon kitschige Familiengeplänkel zwischen Leon und Helene, welche man anfangs am liebsten an die Wand klatschen möchte. Auch das Finale wurde für meinen Geschmack ein wenig zu heiter inszeniert, dadurch muss der Film dann auch noch mal ein bisschen an Glaubwürdigkeit einbüßen. Ohne das Ende großartig verraten zu wollen kann ich für mich persönlich sagen, dass ich das Ende in "Ohne Ausweg" DEUTLICH besser fand.
Keine Frage, der Film gehört sicherlich auch zu den besseren Van Damme Filmen. Allerdings wirkt Van Damme in seinen späteren Filmen ("Until Death", "Wake of Death") fast schon reifer und überzeugender, was seine Schauspieler-Qualität angeht. "Leon" steht insgesamt auf einer Stufe mit "Ohne Ausweg", kann aber nicht mit den ganz starken Filmen des Belgiers mithalten. Deswegen geht meine Empfehlung ganz klar an alle Kampfsport und Van Damme Fans!
Fazit : Als Kampfsportfilm gesehen ist "Leon" deutlich besser als "The Quest", aber nicht ansatzweise so gut wie "Bloodsport". Ein zu verkrampfter Van Damme und eine zu kitschige Herangehensweise hindern dem Film daran, zu den absoluten Top-Action Filmen der frühen 90er zu gehören.
7/10