Review

The Next Step

Ein französischer Fremdenlegionär flüchtet aus seiner in Afrika stationierten Einheit und nimmt an gefährlichen Straßenkämpfen in Los Angeles teil, um der Familie seines von Gangstern verbrannten (!) Bruders zu helfen und ihn zu rächen...

Ein echtes Löwenherz

"Lionheart" aka "Leon" aka "A.W.O.L." hat nicht nur viele Filmtitel und Schnittfassungen rund um den Globus (welcher Van Damme hat das eigentlich nicht?!), sondern stand namentlich hierzulande sicher auch immer etwas im mächtigen Schatten von Luc Bessons "The Professional". Geschweige denn von größeren Van Damme-Titeln a la "Bloodsport" und "Kickboxer". Und vom Rechtechaos oder der unterirdischen Bildquali früherer DVD-Veröffentlichungen will ich da noch gar nicht anfangen. Und trotz all diesen Wiederständen hat sich "Lionheart" passenderweise durchgekämpft zu einem meiner liebsten "JCVDs" - und das will wirklich etwas heißen! Er hat sich für mich einfach zu so etwas wie einem Wohlfühlfilm entwickelt, der immer geht. Egal wie komisch das erscheint. Der dramatische Anteil wurde erhöht, der cheesy Anteil runtergeschraubt, besonders im Vergleich zu den Cannon-Zeiten zuvor. Van Damme trägt das erstaunlich gut. Die Fights sind wortwörtlich street und nicht zimperlich, gut choreografiert, abwechslungsreich, die "Poolszene" sticht für mich seit jeher heraus. Und es war schon immer die wesentlich bessere Version von späteren Abwandlungen dieser JCVD-Formel a la "Der Legionär" oder "The Quest". Alles hat hier noch eine sehr harte, raue und oft genug schlicht menschenverachtende Aura. Und ich mag das. Es scheint keine Regeln, kein Ehrgefühl, keine Tabus zu geben in diesem Kosmos. Von Tritten in die Eier über Kratzen und Beißen bis zum flat out Mord mit bloßen Händen. Es hat noch genug 80er-Slickness, heuert aber auch schon bei der kommenden, billigeren Videotheken-B-Ära der 90er an. Die Nebenfiguren bleiben hängen. Die Saxophonklänge geben Gravitas. Es scheint eine komplette Parallelgesellschaft der Straßenkämpfe zu geben, was ebenfalls einige Konzepte späterer wesentlich größerer Filme vorwegnimmt ("Fight Club", "John Wick", "Undisputed"). Vielleicht übertreibt es die Laufzeit ein Stückchen. Manche Szenenübergänge, Schnitte und Handlungssprünge wirken holprig. Und manch ein Kampfsportfan hätte die Gewichtung zwischen Fights und Drama sicher etwas verändert. Für mich passt das aber auffällig gut und war der logische nächste Schritt für die muscles from brussels. Und genug auf die Backen gibt's auch hier noch!

Schellen auf Straßenwellen

Fazit: so ein heißes und cooles Actiondrama... "Lionheart" ist und bleibt absolut einer meiner Van Damme-Favoriten! Bodenständige Bomben. Ein idealer Übergang der 80er zu den 90ern! Stark!

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