Review

Der Titel mag auf einen spektakulären Thriller verweisen, doch der Genremix der kanadischen Regisseurin und Autorin Ruba Nadda erweist sich als laues Lüftchen in angedeuteten Bereichen zwischen Romanze, Drama und Krimi.

Zur Trauerbewältigung zieht es Ärztin Helen (Patricia Clarkson) in die Inselhütte ihres jüngst verstorbenen Mannes. Eines Abends wird die Einsamkeit jäh unterbrochen, als der fremde Will (Scott Speedman) mit einer Schussverletzung an der Schulter ankommt, welche Helen sogleich versorgt. Über etwaige Hintergründe schweigt der junge Mann lange Zeit, bis schließlich seine Verfolger aufkreuzen...

Was vom Grundgerüst auf Home Invasion hindeutet, entpuppt sich als leider recht zähes und über weite Teile unausgegorenes Machwerk. Bereits die erste Viertelstunde mutet ein wenig kühl und distanziert an, eine Nähe zu den Figuren wird nur sehr langsam aufgebaut und auch als der Fremde mit nebulösem Hintergrund auftaucht, will sich kaum Spannung einstellen.
Ein paar Flashbacks deuten lediglich auf eine einst glückliche Beziehung hin und wenngleich Helen über weite Teile Sympathiepunkte sammeln kann, so wirkt ihr Handeln im Verlauf nicht selten irrational.

Will, der auf die Frage nach der Verletzung stets ausweicht, versprüht zu keiner Zeit eine bedrohliche Ader, - eher bahnt sich eine Romanze zwischen den beiden an, wobei es weder zu knisternden Momenten, noch zu emotionalen Highlights kommt. Eher überzeugen Szenen persönlicher Offenbarungen, jene melancholisch geprägten Momente, die auch der zurückhaltende Score recht treffend untermauert.
Im letzten Drittel dominieren indes die Anteile eines Thrillers und besonders dort offenbaren sich eklatante Schwächen der unmotivierten Erzählung, denn das Finale präsentiert sich behäbig, austauschbar und in jeder Hinsicht unspektakulär.

Die wie immer überzeugende Clarkson rettet mit ihrem intensiven Spiel eine ganze Menge, da sie ihrer schwach gezeichneten Figur viele kleine Facetten abringen kann und auch Speedman macht sich als dubioser Fremder nicht schlecht. Ferner überzeugt Tim Roth in einer Nebenrolle und holt dabei vergleichsweise viel aus dem klischeebeladenen Charakter heraus.
Technisch ist wenig anzukreiden, die kammerspielartige Stimmung mitsamt einiger Unwetter lässt das Interesse zumindest nicht gänzlich weichen, allerdings ist "Herbststurm" unterm Strich eine merklich unausgegorene Angelegenheit.

Denn der Streifen überzeugt in keinem seiner anvisierten Bereiche, da er als Romanze zu distanziert und wortkarg ist, als Drama über weite Teile zu oberflächlich abgehandelt wird und den Bereichen des Thrillers Dramatik, Suspense und unerwartete Wendungen fehlen.
Überzeugende Mimen und ein solides Handwerk fallen einem wenig ausgereiften Drehbuch zum Opfer, welches eher für Langeweile denn ordentliche Unterhaltung sorgt.
4 von 10

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