Review

Fernab vom Mainstream und verbreiteten Zutaten zeitgenössischer Horrorfilme bringt das Regieduo Justin Benson und Aaron Moorhead eine simple Ausgangsposition überwiegend stimmungsvoll auf den Punkt: Liebe hat viele Gesichter und manchmal täuschen wir uns mit dem, was wir im Partner zu sehen glauben.

Evan (Lou Taylor Pucci) leidet unter dem Tod seiner Mutter, verliert kurz darauf seinen Job und nimmt kurzerhand eine spontane Auszeit, welche ihn in ein ländliches Gebiet nach Italien verschlägt. Hier verguckt er sich rasch in die geheimnisvolle Louise (Nadia Hilker), welche ein düsteres Geheimnis birgt. Doch Evan hält an seiner jungen Liebe fest und ist bereit, einen hohen Preis für seine Gefühle zu zahlen...

Einen reinen Monsterfilm sollten Genrefreunde definitiv nicht erwarten, denn vielmehr handelt es sich um eine ungewöhnliche Romanze mit leichten Horroranleihen, welche augenscheinlich von Lovecraft inspiriert wurden.
Die Erzählung lässt sich viel Zeit mit der Etablierung seiner Protagonisten, welche primär im Zusammenspiel eine tolle Chemie entwickeln. Evan lässt sich nach einigen Schicksalsschlägen treiben, jedoch ohne jemals die Bodenhaftung zu verlieren, während Louise wie eine femme fatale daherkommt, gelegentlich mit ihren Reizen spielt und gleichzeitig eine sehr verletzliche Seite zu verstecken scheint.

Also eigentlich eine austauschbare Liebesgeschichte, doch die oftmals gewitzten Dialoge mit authentischer Note, die malerischen Landschaften und der wunderbar zurückhaltende Score vermitteln dem Ganzen etwas angenehm Unbeschwertes in einer Mischung aus Melancholie und Hoffnung, Unbekümmertheit und tiefen Gefühlen, wobei nur selten die Grenze zum Kitsch überschritten wird. Zudem performen Pucci und die Münchnerin Hilker grandios, was die Geschichte obgleich ausbleibender Action und Blutvergießen überwiegend kurzweilig gestaltet.

Im letzten Drittel kippt die Stimmung allerdings, da das Geheimnis um Louise bis ins letzte Detail gelüftet wird und die mysteriöse Komponente, die bis dato aufgebaute Magie rasch zunichte gemacht wird. Der Ausgang versöhnt zwar ein wenig, doch die wenigen Effekte kommen teilweise zu billig daher, während etwaige Erklärungen mit zu kalkulierten Aufheiterungen einhergehen. Das Unerforschte hätte besser unerforscht bleiben sollen.

Nichtsdestotrotz ist "Spring" ein ansprechender Streifen geworden, der optisch schon aufgrund seiner ungewöhnlichen Kamerafahrten mithilfe von Drohnen zu überzeugen weiß.
Starke Darsteller, ein stimmungsvolles Ambiente, zahlreiche effektiv eingebundene Symbole und Metaphern und ein sympathisches Zusammenspiel der Hauptfiguren tragen ebenfalls zum Unterhaltungswert bei. Leider wird gegen Ende zuviel preis gegeben, wodurch das Unbekümmerte ein wenig zu forciert daherkommt und die Natürlichkeit des Ganzen Einbußen erfährt.
Kein Streifen für Monsterfans, doch wer sich auf eine eher ungewöhnliche Love Story einlässt, wird über weite Teile solide unterhalten.
6,5 von 10

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