Verschiedene Dämonen wurden seit Regan ausgetrieben, - manchmal kamen sie wieder, andere gingen, wieder andere wechselten lediglich den Wirt. Beim Regiedebüt von Autor und Regisseur Jeff Chan spielt sich das Geschehen verdammt nah an der Titelgebenden ab, denn die Kamera nutzt nach wenigen Minuten ausschließlich die subjektive Sichtweise der Besessenen.
Grace ist noch Jungfrau und möchte endlich von ihrer fanatisch religiösen Oma loskommen. So nimmt sie sich ein Zimmer im Collage und muss nach einigen Partys schnell feststellen, dass sie dem freizügigen Leben unter Gleichaltrigen nicht gewachsen ist. Vielmehr noch bricht Grace während einer Feier zusammen, Visionen mehren sich und so holt sie ihre Großmutter nach Hause zurück, wo diese Unterstützung von zwei Geistlichen erhält. Doch der Zustand von Grace verschlimmert sich weiter...
Mal abgesehen vom uninspirierten Grundstock irgendwo zwischen "Carrie" und "Der Exorzist" ist die Idee mit der Ich-Perspektive durchaus gelungen, zumal die Kamera sehr treffende Blickwinkel liefert und gemeinsam mit der Protagonistin oftmals arg ins Wanken gerät. Grace ist indes nur in Spiegelbildern zu sehen, so dass das Geschehen ein wenig an ein Computerspiel erinnert, nur mit dem Unterschied des totalen Ausgeliefertseins.
Leider sind die Figuren derart oberflächlich und eindimensional gehalten, dass niemand auch nur ansatzweise Interesse entfachen kann und auch die Titelgebende gibt sich zu passiv ihrem Schicksal hin, als dass sie zum Mitfiebern animieren würde. Zwar würde man der Oma gerne mal die Bibel links und rechts um die Ohren klatschen und die unfähigen Geistlichen von der Kanzel stoßen, doch das Dämonische taucht demgegenüber nur selten auf und erst gegen Ende kommt mit der obligatorischen Austreibung ein wenig Spannung auf.
Ohnehin verliert das Treiben viel Drive, als Grace die Schule verlässt und fortan nur noch zwischen Haus und Kirche pendelt. Zu wenig ereignet sich, zu sehr setzt Chan auf die visuellen Raffinessen, doch Schockmomente oder aufregende Sequenzen ergeben sich nur wenige. Die Sounduntermalung spielt zwar solide mit und diverse Verfremdungen lassen das Geschehen um Grace relativ bedrückend erscheinen, doch auf Dauer generiert die Egoperspektive eine gewisse Gleichgültigkeit, welche aus der Passivität der Hauptfigur herrührt.
Ohne jene spezielle Sichtweise würde sich der Stoff in keiner Weise von ähnlich gelagerten Vertretern gängiger Besessenheitsfilme abheben, denn erzählerisch fällt Chan wahrlich nicht viel ein, selbst gegen Ende untermauert der vorhersehbare Twist das kaum durchdachte Drehbuch. Die wenigen Effekte können sich sehen lassen, darstellerisch tanzt niemand aus der Reihe, doch etwas mehr Spuk und Kreativität hätten der passablen Grundidee deutlich besser zu Gesicht gestanden.
4,5 von 10