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Nachdem ihre Mutter bei der Geburt verstorben ist, wächst Grace (Alexia Fast), die auch ihren Vater nie kennenlernen durfte, bei ihrer Großmutter Helen (Lin Shaye) auf. Die gestrenge alte Dame gibt sich sehr fromm und untersagt dem Teenager all die Dinge, die Jugendlichen in diesem Alter Spaß machen.
Als die 18-Jährige dann schließlich aufs College geht, ist die größte Sorge der Großmutter, daß sie auch ihre Bibel eingepackt hat. Die Welt der anderen Jungstudenten auf dem Campus mit Feiern, Alkohol trinken und Sex bedeutet für Grace jedoch eine ständige Konfrontation mit jenen Verhaltensweisen, vor denen sie immer gewarnt und die ihr zeitlebens verboten wurden. Dementsprechend wird sie schnell als Sonderling betrachtet und behandelt, obwohl ihre Zimmernachbarin und besonders ein Student aus einer ihrer Vorlesungen sie relativ rücksichtsvoll behandeln.
Als Grace es einmal doch wagt, einen Drink einzunehmen, treten bei ihr merkwürdige Halluzinationen auf und sie fällt schließlich in Ohnmacht. Als sie im Krankenhaus wieder aufwacht, holt sie ihre Großmutter ab und verkündet ihr, daß sie sie vom College abgemeldet hat. Wieder in den langweiligen Alltag aus Bibelkreis und Einsamkeit zurückversetzt, versucht Grace, Antworten darauf zu finden, was mit ihrer Mutter geschehen ist. Dabei häufen sich die teuflischen Visionen - ist sie am Ende selbst schon vom Teufel besessen, wie ihre Großmutter glaubt?

Zwei eher mittelmäßige SciFi-Produktionen (Code 8 Teil 1 und Teil 2) stehen neben anderen Werken auf der Schaffensliste von Regisseur Jeff Chan, hier nun versucht er sich am Thema Exorzismus - und verhebt sich dabei gründlichst. Nicht nur, daß die Maßstäbe setzenden Klassiker aus den 1970er Jahren (Der Exorzist von Friedkin 1973 und Brian De Palmas 1976er Carrie) schlichtweg nicht zu toppen sind, leidet sein 2014er Grace: Besessen auch an einem grundsätzlichen, vom Regisseur irrtümlicherweise als hip angesehenen, tatsächlich jedoch banalem technischen Fehler, denn die hier verwendete Kameraperspektive, die von Anfang bis Ende wortwörtlich alles aus dem Blickwinkel von Grace zeigt und wie eine Bodycam funktioniert, geht dem Zuschauer schnell auf die Nerven. Dazu kommt ein unausgegoren-langweiliger Plot, den man schon mehrfach gesehen hat und der dem Genre nicht eine einzige neue Idee hinzufügt.

Grace bemüht sich, sich am Campus einzufügen und sucht auch Kontakt zu ihren Mitkommilitonen, gleichzeitig weist sie Einladungen zum Trinken von Alkohol stets zurück. Immerhin leiht sie sich einmal ein Kleid ihrer Kollegin und benutzt auch Lippenstift, doch die Visionen und Fratzen, die sie danach in ihrem Spiegelbild sieht (die einzigen Momente, wo man die Hauptdarstellerin überhaupt einmal zu Gesicht bekommt), lassen sie schnell wieder davon Abstand nehmen.
Dabei verhält sich der Teenager den ganzen Film über altersentsprechend wie jemand, der auf der Suche ist - auf der Suche nach sich selbst. Die ganze Frömmigkeit von der Großmutter scheint an ihr jedoch spurlos vorübergegangen zu sein, da sie angesichts der Halluzinationen nicht in Gebete ausbricht, sondern - wie ein ganz normaler Teenager - nur erschrickt und schreiend davonläuft. Dieser Logikfehler fällt dann schon kaum mehr auf - eher fragt man sich, was Grace´ ständiges nervöses Herumziehen am Saum ihrer Kleider bedeuten soll.

Grace: Besessen verzichtet weitestgehendst auf blutige Szenen (auf explizite Momente sowieso) und vermag mit seinen wenigen Jump Scares auch keinerlei Gruselatmosphäre zu kreieren - selbst im bemüht dramatischen Finale, in dem dann doch noch der Teufel in das Mädchen fährt und aus ihr spricht (was übrigens eher für Heiterkeitsausbrüche sorgt) hält die Regie an ihrer Bodycam-Perspektive fest. Die hierbei gezeigten Computerspielereien von feurigen Augen, Krallenfingern etc. weisen den Film zwar als dem CGI-Zeitalter zugehörig aus, vermögen jedoch auch zu diesem späten Zeitpunkt keinerlei Spannung mehr zu erzeugen. Der  angedeutete Subplot um einen sündig gewordenen Priester wirkt dann nur noch peinlich.

Fazit: ein hingeschludertes, nur aus Oberflächlichkeiten bestehendes, spannungsfreies Drehbuch und eine auf Dauer Augenkrebs verursachende Kameraperspektive - Grace: Besessen ist nahe am Prädikat  Zeitverschwendung: 2 Punkte.

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