Der Syrien-Konflikt als Soap-Opera. Das ist "Tyrant"!
Es startet mit opulenten Schauwerten. Der Kinderarzt Barry kommt nach über 20 Jahren anlässlich der Hochzeit seines Neffen zurück in sein Heimatland irgendwo im Nahen Osten. Einst hatte er das Land verlassen im ständigen Streit mit seinem Vater, dem Diktator und Behrrscher des Landes. Die Reise soll eigentlich nur ein Stippvisite sein, seine Familie soll ihre Verwandten kennenlernen, am nächsten Tag möchte man schon wieder abreisen. Doch am nächsten Morgen ist sein Vater plötzlich und unerwartet gestorben. Auf Drängen seines älteren Bruders und Thronfolgers bleibt er zunächst im Land und muss mitansehen, wie sein psychisch völlig labiler Bruder sein Land tyrannisiert. Bald schon erachtet er es als seine Mission, seinen Bruder positiv zu beeinflussen, um Schaden von Land und Menschen abzuwenden. Doch schon bald muss der Pazifist feststellen, dass dies alleine nicht ausreicht. Und so beginnt er, eine Untergrundorganisation zu unterstützen, die einen Machtwechsel im Land anstrebt.
In Staffel 2 wird Barry als Verräter nach misslungenem Putsch von seinem Bruder in der Wüste ausgesetzt, wo er sich einer Rebellengruppe anschliesst. Sein Bruder hat keine Skrupel und geht auch mit Giftgas gegen die Rebellen vor. Aber es gibt bald eine neue Bedrohung in Form einer religiösen Terrororganisation.
In Staffel 3 ist Barry nach erfolgreichem Putsch nun selbst Herrscher des Landes. In seinem fanatischen Bedürfnis, Gutes zu tun, entwickelt er sich bald selbst zum Tyrannen und will nicht erkennen, dass all seine Entscheidungen nicht für sein Volk sind, sondern letztlich nur seinem eigenen Machterhalt dienen.
Es wird in der Serie nie gesagt, aber wir befinden uns in Syrien, das ist ganz offensichtlich. Die Rebellen sind das syrische Volk, die böse Terrororganisation der IS. Die Konflikte und Mechanismen der Macht werden hier soap-artig fürs Fernsehpublikum aufbereitet. Das mag oft klischeehaft sein, zeigt aber auch, wie gute Menschen von der Macht korrumpiert werden. Und das zeigt ja die Geschichte auch. Die guten Putschisten von heute sind die bösen Diktatoren von morgen.
Wie das in einer Edel-Soap so ist, entwickelt sich schon bald ein Suchtpotential. Und spannend ist die Serie auch, spätestens ab Staffel 2 auch mit ordentlicher Kriegsaction. Adam Rayner spielt seine Hauptrolle überragend, wundert mich, dass man von dem nicht mehr hört oder sieht.
Nach Staffel 3 war dann Schluss, richtig abgeschlossen wurde die Serie aber nicht. Auch wenn im Prinzip alles gesagt war, hätte man sich hier doch noch einen Abschlussfilm gewünscht, der aber nie zustande kam.