Review

BABY ist einer derjenigen Filme, die sich vor allem durch ihre anfängliche Sperrigkeit leider etwas einer großen Seherschaft entziehen. Schade, denn der Mix aus schwarzem Humor und ernsthafter deutscher Tragik-Komödie ist sehenswert. Tragisch ist auch der handlungsseitige Beginn mit dem Unfalltod von Lilli's Mutter, die dann bei ihrem Vater Frank (Filip Peeters) und seinem chaotischen Kumpel Paul (Lars Rudolph) aufwächst. Für Lilli (Alice Dwyer) ist dies keine einfache Situation, denn die beiden sind meistens als Kleinkriminelle im Milieu unterwegs…

So weit der Rahmen der Geschichte, die den Zuschauer stets auf Trapp hält, nie durchschaubar ist und einige Überraschungen, kleine und mittlere (soziale) Katastrophen und Eskalationen auf Lager hat. Dabei ist stets eine gute Portion Galgenhumor am Start sowie jede Menge Skurrilität. Meist steht Lilli am Ende in der Mitte, ohne dabei glücklicherweise als kleiner Vamp positioniert zu werden. Aber allen Kerndarstellern muss man eine gute Leistung bescheinigen. Gerade Lars Rudolf als Paul versteht es durch seine ausdrucksstarke Mimik ein hohes Maß an grotesken Szenen in BABY zu verankern. Ich habe überraschenderweise eine Weile gebraucht, um mich auf die entspannt-hektische Art von BABY einzuschwingen.

Aber je länger man dem Schicksal unserer Protagonisten beigewohnt hat, umso mehr hat man sie in sein Herz geschlossen und möchte der Geschichte unbedingt bis zu Ende folgen. BABY stellt das Langfilm Debüt von Regisseur Philip Stölzl dar, der vorher eher Musikvideos und Kurzfilme auf seinem Konto hatte. Mit NORDWAND (2008) und GOETHE! (2010) hat er sich dann vollends in das Bewusstsein des deutschen Filmfreundes katapultiert um dann einen unglaublichen Budgetsprung (ca. 12 Mio Dollar) in der Zusammenarbeit in DIE LOGAN VERSCHWÖRUNG mit Schauspieler Aaron Eckhart (u.a. Harvey Dent/Two-Face aus THE DARK KNIGHT). Wir dürfen auf weitere Werke gespannt sein.

6,5/10 Punkten

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