Es gibt weitaus schlechtere Wege, einen Film zu eröffnen, als mit barbusigen Mädels, die geschmeidig durchs Wasser gleiten. Gut, Alfred Hitchcock, Stanley Kubrick oder Billy Wilder haben diesen billigen Kniff niemals angewandt, aber die haben auch nie einen trashigen Pulp-Heuler gedreht, der ohne weiteres aus der Feder des Larry Brent-Autoren Jürgen "Dan Shocker" Grasmück stammen könnte. Robert Vincent O'Neill (Autor/Regisseur der ersten beiden Angel-Filme) hingegen hat mit Wonder Women exakt das getan. Und erfreulicherweise hat er dafür ein paar Männer und Frauen vor der Kamera versammelt, die heute als Exploitationfilm-Legenden gelten. Der am 14. Juli 1939 geborene Sid Haig zum Beispiel, in dessen umfangreicher Filmographie sich Titel wie Blood Bath (1966), Spider Baby or, The Maddest Story Ever Told (1968), The Big Doll House (1971), Coffy (1973), Foxy Brown (1974), Galaxy of Terror (1981), House of 1000 Corpses (2003) und The Devil's Rejects (2005) finden. Oder Roberta Collins (1944 – 2008), unvergessen als Alcott in The Big Doll House, als Matilda the Hun in Death Race 2000 (1975) und als Clara in Tobe Hoopers Eaten Alive (1977). Oder Ross Hagen (1938 – 2011), der Filme wie The Mini-Skirt Mob (1968), Angels' Wild Women (1972), Supercock (1975), Angel (1984), Avenging Angel (1985) und Alienator (1990) mit seiner Anwesenheit bereicherte. Oder Vic Diaz (Jahrgang 1932), bekannt aus unzähligen Filipino-Krachern wie The Losers (1970), Beast of the Yellow Night (1971), The Big Bird Cage (1972), Beyond Atlantis (1973), Vampire Hookers (1978) und Equalizer 2000 (1987). Ein exquisites Line-up, das Fans das Wasser im Munde zusammenlaufen lassen sollte.
Aber auch die Geschichte, die sich Lou Whitehill und Regisseur O'Neill ausgedacht haben, ist nicht von schlechten Eltern. Dr. Tsu (Nancy Kwan, The World of Suzie Wong) ist eine brillante Chirurgin, die es mit dem Hippokratischen Eid allerdings nicht allzu genau nimmt. Und so bietet sie ihre Dienste allen an, die etwas transplantiert haben möchten. Gegen gutes Geld, selbstverständlich, wofür Ihr einziger männlicher Mitarbeiter sorgt, nämlich Gregorious (Sid Haig), der die Vertragsdetails aushandelt. Wie im Lotto ist auch bei Dr. Tsu das Motto: alles ist möglich! Egal ob Augen- oder Hirntransplantationen, für die geniale Ärztin stellt das kein Problem dar. Probleme bereiten höchstens die notwendigen Spender für die Organe bzw. Körperteile, die sich verständlicherweise nicht freiwillig zur Verfügung stellen, und da kommt Tsus kampferprobte Mädchenbrigade ins Spiel, die "Wonder Women". Diese sexy gekleideten Wunderweiber (wahlweise in kurzen Röckchen, knappen Kleidchen oder schicken Hot Pants) fackeln auch nicht lange und kidnappen einfach die gewünschten Exemplare, welche dann auf eine abgelegene, gut bewachte Privatinsel verfrachtet werden, wo Frau Doktor ungestört an ihnen herumschnippeln kann. Nach der Operation landen die unglücklichen Opfer - sofern sie noch leben - im kargen Kellerverließ, um dort für den Rest ihres Lebens ihr kümmerliches Dasein als Freaks zu fristen. Und dann ist da noch Mike Harber (Ross Hagen), ein Versicherungsdetektiv im Auftrag von Lloyd's, der den Verbleib eines der Verschwundenen aufklären soll. Wie es der Zufall (bzw. das Drehbuch) so will, kommt er der skrupellosen Ärztin bald auf die Schliche.
Wonder Women ist ein Film für Fans, ein Fest für Liebhaber des Genres. Zieht man objektive Maßstäbe zur Beurteilung dieses Werks heran, wird man nicht umhin kommen, Wörter wie "grottenschlecht", "hanebüchener Quatsch" oder "völlig gaga" zu gebrauchen. Aber will man wirklich eine solche Spaßbremse sein, einen Film, der den geneigten Zuschauer schon in der ersten Szene mit Titten verwöhnt, objektiv zu bewerten? Ich denke nicht. Und wer bitteschön erwartet bei einem kostengünstig auf den Philippinen heruntergekurbelten Actionfilm allen Ernstes, daß er mit James Bond 007 konkurrieren kann? Kommissar X ist da schon eher seine Kragenweite. Oder Sumuru, die Tochter des Satans, mit dem ihm vor allem eines verbindet: Frauenpower! Die ersten sechseinhalb Minuten, in denen kein einziges Wort gesprochen wird, sind eine einzige lange, scheinbar zusammenhanglose Szenenmontage, in der man die "Wonder Women" in Aktion erlebt. Da wird gekämpft, gemordet und entführt, die Mädels schmeißen sich in elegante Posen, oder sie setzen einen bedrohlich-grimmigen Blick auf, der sofort klar macht: wir sind keine niedlichen, pflegeleichten Sexhäschen! Und untermalt wird das alles von einer sau-funky-coolen Mucke. Die stammt von Carson Whitsett und kommt gerne und oft zum Einsatz, was gut zum flotten Geschehen paßt. O'Neill verzichtet nämlich auf unnötigen Ballast wie komplexe Figurenzeichnung oder sorgfältig aufgebaute Suspense-Szenen und drückt stattdessen das Gaspedal mit Schmackes durch. Was wiederum dem Unterhaltungswert alles andere als abträglich ist.
Es gibt einiges zu bestaunen in Wonder Women, der nicht nur mit vergnüglichen Einfällen sondern auch mit viel philippinischem Lokalkolorit beeindruckt. So bekommt man z. B. einen Slow-Motion-Hahnenkampf vor den Latz geknallt, darf einigen psychedelisch gestalteten Operationen beiwohnen und kann Mike Harber bewundern, wie er aus dem Nichts eine abgesägte Schrotflinte hervorzaubert und seine Gegner damit wegpustet. Den Vogel schießt jedoch die ausgedehnte Verfolgungsjagd quer durch die Stadt ab, bei der nicht nur allerlei zu Bruch geht, sondern die auch einen waschechten WTF-Moment beinhaltet. Verantwortlich dafür ist ein zugedröhnter Stuntman, der nicht schnell genug zur Seite springt und vom recht flott fahrenden Vehikel (die Kamera filmt POV-mäßig durch die Windschutzscheibe) prompt erwischt und weggeschleudert wird. Autsch. Und zu den eher schrägeren Ideen zählt z. B. der "Brain Sex". Dieser wird bevorzugt von Dr. Tsu praktiziert (zwei Menschen werden mit einem Apparat verbunden, wodurch sie die erogenen Gehirnzonen des Partners erkunden können), was allerdings den "Wonder Women" nicht gefällt, stehen die doch auf echten, heißen, schmutzigen Sex. Aus dieser illustren Truppe sticht vor allem Maria De Aragon hervor (Star Wars-Nerds wissen natürlich, daß sie in einigen Szenen einen gewissen Greedo verkörpert hat), die nicht nur am meisten zu tun hat, sondern sich auch noch einen erbärmlich choreographierten Fight mit dem Versicherungsdetektiv liefert. Und apropos erbärmlich. Die Freaks sind ein ziemlich erbärmlicher Haufen (einem hat man gar eine Art Glühbirne ins offene Gehirn implantiert), die orientierungslos durch die Gegend torkeln und für schrilles Gelächter sorgen würden, wären sie nicht so verdammt bemitleidenswert. Wonder Women ist ein kurzweiliger Pulp-Kracher, dessen einziges Ziel es ist, den Zuschauer für etwa achtzig Minuten zu unterhalten. Und das gelingt ihm spielerisch.