Die Kreuzung zweier völlig unterschiedlicher Kulturen ist mal ein reizvolles Konzept für eine düstere Anthologie. Vier französische Regisseure präsentieren Kurzgeschichten vor japanischem Hintergrund, - das wirkt phasenweise befremdlich, teils skurril, kommt streckenweise jedoch relativ blutig daher.
Die erste Geschichte „Endless Love“ punktet direkt mit einer spannenden Prämisse, als ein Typ den 26. Tag nach dem unglücklichen Ableben seiner Freundin gleich zwölf Mal erleben muss. Damit das Murmeltier nicht mehr täglich grüßt, muss er 26 Menschen ermorden, um seine Geliebte wieder zu sehen.
Ein grimmiger Einstieg mit vielen Gewalteinlagen wie zerbeultem Gesicht und zahlreichen wuchtigen Einstichen. Ordentlich performt, sauber inszeniert und mit einem boshaften Ende versehen. Stimmungsvoll und spannend, gepaart mit einigen Actioneinlagen.
Die zweite Story will sich vor Argento verbeugen, liefert allerdings eine sehr dünne Basis: Eine junge Dame hat beinahe eine Woche nicht mehr richtig durchgeschlafen, als sie von einem Club spät heim kommt, ein Kästchen öffnet und darin einen merkwürdigen Haarstecker findet. Kurz darauf nimmt ihr Spiegelbild ein dämonisches Eigenleben auf.
Es gibt viele Nahaufnahmen, viel rot, fiebrige Einstellungen und weit aufgerissene Augen. Ansonsten herrscht hier kaum Spannung vor, die Story packt nicht und mäandert bis auf einen blutig inszenierten Mord spannungsarm vor sich hin. Der schwächste Beitrag der Sammlung.
Nummer drei steigt sehr spannend ein, als ein Spanner auf einem Baum eine Frau fotografiert und dabei in ihrem Zimmer ein Phantom in Menschengestalt mit weißem Gesicht erblickt, welches kurz darauf bei ihm erscheint. Eine geheimnisvolle Jägerin kann gerade noch einschreiten, doch diese bemerkt nicht, dass ein weiteres Phantom stets in ihrer Nähe ist.
Der Stoff schwankt zwischen Poesie und unfreiwilliger Komik, zwischen sehr atmosphärischen und emotionalen Momentaufnahmen und Kitsch in Vollendung. Der Beitrag kommt ohne Gewalteinlagen aus und bietet eher einen übersinnlichen Krimi mit Love Story denn Horror.
Dieser kommt im letzten Kapitel „Good Boy“ wieder stärker zum Tragen, als ein frustrierter Lover die Skulptur des Hundes Hatchiko beschädigen will, dabei jedoch ins Handgelenk gebissen wird und fortan zum hundeartigen Werwolf mutiert, was eine Prostituierte und ihr Team hautnah erleben müssen.
Die Geschichte bleibt leider komplett vorhersehbar, das versöhnliche Ende kaschiert indes ein wenig und auch die Verwandlung hat ihre lustigen Momente, wobei die Gewalteinlagen im Rahmen bleiben. Spannende Einlagen halten sich in Grenzen, dafür kommen ein paar melancholische Szenen zum Vorschein.
Insgesamt reißt keine der vier Geschichten vom Hocker, teils punktet die Einsamkeit und Isolation, welche in allen Erzählungen im Moloch Tokio vorherrscht. Inszeniert wurde jeweils routiniert und auch darstellerisch wurde nichts gegen die Wand gefahren. Primär die erste Geschichte punktet mit einigen knallharten Gewalteinlagen, Story zwei schwächelt extrem, während drei und vier im Durchschnitt anzusiedeln sind. Unterm Strich also nicht die erhoffte frische Mixtur, sondern eher zweitklassige Ideen in allenfalls halbwegs unterhaltsamer Umsetzung.
5 von 10