Walter Winchell, der Erste der Klatschkolumnisten, zerrt in der Presse und im Radio die Privatsphäre der Prominenten rücksichtslos in die Öffentlichkeit. Kein Geheimnis, keine Perversion bleibt ihm verborgen. Die Lügen und Skandale - er macht sie alle publik, egal ob darin Präsidenten oder Filmstars verwickelt sind. Winchells beispiellose Einmischung in das Leben anderer, die Einseitigkeit und Willkür seines Boulevardjournalismus werden von seinen Gegnern immer wieder kritisiert. Viele versuchen ihn zum Schweigen zu bringen oder zumindest zu bestechen - bis der Tag anbricht, an dem er selbst bloßgestellt wird.
Prinzipiell hat eine Biographie schon mal ein Grundproblem wenn die vorgestellte Person außerhalb der USA keine Sau kennt und selbst innerhalb auch nur die wenigsten. Hier handelt es sich um den berüchtigten Klatschreporter Walter Winchell der von den 30ern bis in die 50er rein der wohl von der Prominenz gefürchtetste Enthüllungsjournalist war und so etwas wie das Äquivalent des ersten Bild-Reporters darstellt.
Daraus ergibt sich allerdings schon das nächste Problem. Diese Figur wird von Stanley Tucci zwar sehr gut portraitiert, kann aber aufgrund seiner Art und Methoden beim Zuschauer absolut null Sympathiepunkte verbuchen. Für eine Story, ja selbst nur für ein Gerücht geht er über Leichen. Der Typ manipuliert, besticht, nutzt aus und nimmt jede Chance wahr für eine kleine Reißer Story Leben oder Karrieren zu zerstören. Diesen Menschen möchte man als Zuschauer sicher nicht in seinem Freundes- oder Kollegenkreis haben. Da freut sich der Sozialvoyeur zwar, wenn er zum Ende seine eigene Schlammschlacht selbst zu schmecken bekommt, aber eine Bindung kommt sonst kaum zustande.
Handwerklich kann man der Fernsehproduktion sicher nichts vorwerfen. Der HBO Sender sorgte für vorzeigbares Zeitkolorit, was sicher nicht einfach war, denn wir steigen ein in der Kindheit 1902, einem Auftritt 1917 und dann eben die aktive Zeit ab den 30er Jahren. Darstellerisch und handwerklich ist auch alles grundsolide, nur ist die Laufzeit mit über 100 Minuten etwas zu lang ausgefallen. An mir lief das Biopic ein wenig vorbei, das die Geschichte zwar interessant aufarbeitet, nur leider vergaß man den Zuschauer emotionell mitzunehmen.
5/10