Das Schöne am Giallo ist, dass sie nicht mehr gedreht werden, da sie ausschließlich in die Zeit der 60er und 70er passten und für zeitgenössische Sehgewohnheiten zu wenig Inhalt und zuviel optische Spielerei präsentierten. Das haben die kanadischen Regisseure Adam Brooks und Matthew Kennedy wunderbar verstanden und lassen mit ihrer Hommage die Zeit des schmuddeligen Bahnhofskinos greifbar werden.
Editor Rey (Regisseur Brooks) arbeitet seit langem als Cutter beim Film, ist jedoch nach einem Unfall gehandicapt. Während er für einen Horrorfilm Szenen schneidet, geschieht am Set ein Doppelmord, welchen Kommissar Porfiry (Regisseur Kennedy) untersucht. Doch während Rey unter Verdacht steht, ereignet sich ein weiterer Mord…
Bereits der Vorspann mit den klobigen Schriftzügen und die mit römischen Zeichen ausgestatteten Produktionsnotizen verweisen auf die Werke vergangener Dekaden und mit den ersten Szenen wird deutlich, dass sich das Geschehen in den Siebzigern abspielen soll. Und zugegeben: Hier passt einfach alles. Die Kleidung, die Frisuren einschließlich einiger Pornobalken, die Wolle zwischen den Beinen der oftmals nackt umherlaufenden Damen, die hölzern agierenden Mimen, die gewollt unheilsschwangeren Dialoge und nicht zuletzt einige Nahaufnahmen von Handschuhen, Augen und blitzenden Mordwerkzeugen.
Das Flair ist stimmig, untermalt werden die Szenerien von wunderbar eingängigen Synthiemelodien und nicht zuletzt kommt es zu einigen blutigen Mordszenen, für welche die FSK eine deutlich zu gnädige 16er Freigabe erteilte. Denn hier werden Leute angezündet, es werden Finger in Nahaufnahme abgehackt, es gibt eine Axt im Kopf, Gesichtshaut wird abgezogen, Gedärme quellen hervor, es kommt zum Kehlenschnitt und eine Kettensäge in der Schulter. Alles handgemacht versteht sich.
Inhaltlich verhält es sich leider wie mit der Mehrheit der Genrebeiträge, welche auf Style over Substance setzten. Das Ratespiel um den Killer fällt aufgrund mangelnder Motive flach, der Polizist ist in jeder Hinsicht zu dämlich, um dem Täter überhaupt nahe zu kommen, während die Morde wie von einander unabhängige Sequenzen ablaufen. Dazwischen gibt es etwas nackte Haut, ein paar frauenverachtende Szenen und ein paar leicht surreale Einschübe, etwa als abgetrennte Finger krabbeln oder Rey über einen Spiegel eine Art Zwischenreich betritt.
Passend ist auch das Ende, welches eine Menge Fragen aufwirft und einige Szenen ad absurdum führt.
Genrekenner dürften zahlreiche Anspielungen und Querverweise auf Klassiker vorfinden, die Atmosphäre ist phasenweise perfekt abgestimmt, nur lässt sich bei alledem nicht mitfiebern, während die wenigen Gags oftmals unpointiert sind und nur allzu selten ein Schmunzeln erzeugen. Zwischen Trash und optisch ansprechenden Momenten könnten Genrefans einen vorsichtigen Blick riskieren und sich an einer gewissen nostalgischen Note erfreuen, wer mit dem klassischen Giallo wenig anzufangen weiß, lässt besser die Finger davon.
5,5 von 10