Review

kurz angerissen*

„The Editor“ ist nicht - so wie etwa „Francesca“ - ein postmodernes Imitat des in Sachen Farbkontrast, Akustik und Schnitt so auffälligen Giallo, auch kein Versuch einer authentischen Reproduktion wie „Berberian Sound Studio“ - sondern eher seine bewusste Überzeichnung mit dem dicken Tuschestrich des vollmundigen Trash. Die dilettantische Synchronisation ist da nur folgerichtig, ihre Notwendigkeit wurde vollkommen richtig erkannt; schließlich untermalt sie ein tölpelhaft zwischen Krimi, Mystery und Slasher stolperndes, behelfsmäßig zusammengeflicktes Machwerk, das genau daraus seinen Meta-Kontext bezieht. Denn es geht um einen Cutter aus dem Filmgeschäft, und der Film, den wir sehen, ist zugleich der Film, der im Film vonstatten geht.

Neben einigen Close Ups aufgerissener Augen und Messern, die in den Vorderteil des Bildes gehalten werden, während sich die Kamera auf den Rücken des Opfers zu bewegt, bekommt man auch Elemente zu sehen, die karikaturistisch angehaucht sind, irritierend knautschige Splattereffekte nämlich, die mit den Erwartungen an einen geschmackvollen Thriller schon früh Pingpong spielen. Derweil praktisch alle anwesenden Männer Schnauzbärte zu tragen scheinen, sieht Paz de la Huerta aus wie eine aufgedunsene Lebend-Comicfigur und passt somit hervorragend in einen Film, den man mit einer Mischung aus Argwohn, Unwohlsein und Zufriedenheit darüber ansieht, dass man es zumindest nicht mit einem Produkt von der Stange zu tun hat.

Den Dialogen fehlt genauso wie dem Plot im Ganzen das Pointierte, so dass man eher in die Filmtechnik getrieben wird und ungewöhnliche Kamerawinkel und abrupte Szenenwiederholungen ebenso erfreut zur Kenntnis nimmt wie teilweise wirklich sonderliche Hintergrund-Gags. Aber sollte es bei einem Film diesen Namens nicht auch genau darum gehen?

*weitere Informationen: siehe Profil

Details
Ähnliche Filme