Am Ende von „The Scorpion King 3“ hatte sich bereits Stoff für eine Fortsetzung abgezeichnet, als König Horus sich nicht ganz sicher war, ob er Mathayus Aufstieg zum Beschützer eines anderen Königreichs dulden konnte. Doch mit Kontinuität hat es die Reihe (zumindest im Direct-to-video-Sequel-Stadium) nicht mehr so genau, deshalb ließ man den Ansatz fallen.
Mathayus (Victor Webster) ist also wieder als Glücksritter unterwegs und stiehlt in einer „Indiana Jones“-artigen Sequenz mit seinem Buddy Drazen (Will Kemp) ein wertvolles Artefakt aus einem Tempel. Dummerweise entpuppt sich Drazen als hinterhältiger Sack, der Mathayus hängen lässt, sich mit dem Artefakt davonmacht und es zu seinem Vater König Yannick (Michael Biehn) bringt – der vermeintliche Abenteurer ist nämlich eigentlich ein Kronprinz. In diesem kleinen Actionauftakt gibt es gleich noch die ersten Cameos des Films, denn unter den Palastwachen, mit denen sich Mathayus und Drazen herumschlagen müssen, befinden sich Kickbox-Meister und B-Actionstar Don 'The Dragon' Wilson sowie Cannon-Herkules und TV-Hulk Lou Ferrigno.
Mathyus‘ aktueller Auftraggeber, König Zakkour (Rutger Hauer), schickt den Arkadier für diplomatische Gespräche zum Hofe Yannicks, da das gestohlene Artefakt den Weg zu einer magischen Krone weist, die unendliche Macht verleiht, und mit dessen Träger will sich Zakkour nicht anlegen. Yannick erweist sich überraschenderweise als umgänglicher Typ, doch die Freude ist nur von kurzer Dauer: Drazen vergiftet den eigenen Vater und schiebt das Ganze Mathayus in die Schuhe, der mit knapper Not entkommt und dabei Drazens Ex-Verlobte Valina (Ellen Hollman) aus dem Knast befreit. So ist Michael Biehns Gastauftritt schnell beendet, aber Rutger Hauers Rolle ist kaum größer – viel zu tun haben die bekannten Gaststars in diesem Film nicht.
Valina und Mathayus fliehen zu Valinas Vater, dem Erfinder Sorrell (Barry Bostwick). Der rationale Denker hält die Krone zwar für ein Ammenmärchen, hilft aber beim Entschlüsseln der Hinweise auf deren Fundort. Das ungleiche Trio macht sich auf Schatzsuche, ebenso wie Drazen und seine Leute…
Als bisher einziger Mathayus-Darsteller darf Victor Webster zum zweiten Mal ran und macht seine Sache sogar etwas besser als im Vorgänger. Barry Bostwick wirkt als verpeilter Erfinder wie eine Variante seiner Verpeilter-Bürgermeister-Figur aus „Chaos City“ und Ellen Hollman als schlagkräftige Frau an Mathayus' Seite macht sich richtig gut. Will Kemp spielt den arroganten Lackaffen herrlich hassenswert aber leider kaum furchteinflößend, während Michael Biehn und Rutger Hauer als Könige etwas verschenkt sind. Dafür sitzen die erwähnten Cameos von Don Wilson und Lou Ferrigno besser, außerdem mischt M. Emmet Walsh als Schaukampfveranstalter mit, während „Game of Thrones“-Ros als Hohepriesterin vorbeischaut und Eve Torres als obligatorische Wrestlerin im Cast mitmischt, hier für einen Cagefight gegen Valina. Diese Gastrollen sind allesamt launig gespielt, der Rest der Besetzung dagegen herzlich egal.
Für den vierten Teil der Reihe stibitzt man sich die Motive und Locations aus dem europäischen Mittelalter – unter anderem deshalb, weil es zum Dreh in den Ostblock geht. Lustigerweise ist der ja im B-Film an sich durchgenudelt und ruft beim geneigten Fan Stöhnen hervor, hier ist er nach dem Wüstensand und dem thailändischen Dschungel tatsächlich mal eine Abwechslung. Stilistisch schlägt der Zeiger nun in Richtung Slapstick und Comedy aus, was dem Film ein eigenes Profil gibt und stellenweise funktioniert (z.B. wenn Mathayus Geweihe als Waffen zweckentfremdet), an vielen Stellen aber kindisch und doof ist, etwa wenn man mit dem Pygmäenstamm ein Rülps-Ritual zelebriert wird. Immerhin hilft dieser verstärkte Comedy-Faktor in jenen Momenten, in denen man den Film eh nicht so recht ernst nehmen mag (z.B. bei den relativ mauen CGI-Effekten), aber es lässt das Ganze auch harmloser und egaler wirken. Nicht, dass man ernste Zweifel an Mathayus‘ Sieg hätte, aber etwas ernster und daher bedrohlicher könnte manche Gefahr schon wirken.
Schatzsuche und Fantasy-Quest bilden den Grundstein für die übliche Jagd nach dem Artefakt, das einem Schurkenkönig zu unendlicher Macht verhelfen soll – dummerweise ist das Backpfeifengesicht bei allem Hasspotential eine ziemliche Luftpumpe und nur begrenzt bedrohlich. Auch die Story ist eine Aneinanderreihung mehr oder weniger gelungener Einzelepisoden – zu den gelungeneren zählt der Damen-Fight-Club, zu den schlechteren eine Verkleidungsnummer im Damentempel, bei dem man sich allen Ernstes den Decknamen „Feminina“ gibt. Nicht nur in der Anfangssequenz, auch im weiteren Verlauf steht der gute alte Indy Jones mal Pate (eine fallengespickte Passage könnte auch aus „Indiana Jones und der letzte Kreuzzug“ sein), wobei „The Scorpion King 4“ immerhin den Gute-Laune-Faktor derartiger Abenteuerfilme behalten kann, wenn auch auf etwas grobschlächtigere Weise.
Die Action ist bei alledem meist brauchbar, hat aber weniger Punch als jene aus Reinés direktem Vorgänger und ist auch sehr jugendfreundlich – beim finalen Bankett sitzen auch besiegte, nicht getötete Gegner mit an der Tafel. Es gibt die üblichen Raufereien und Fights, in denen Mathayus ebenso wenig auf gelegentliche Wrestling Moves verzichten muss wie auch die Damen beim Cage-Fight, in dem zusätzlich noch Grappling-Techniken zum Einsatz kommen, die manchmal an Filme wie die „Undisputed“-Sequels erinnern. Nicht alles ist gelungen, eine Fliegereinlage mit magnetisch aufgeladen Westen sieht eher albern aus, auch die finale Lumpenbeseitigung ist doch eher antiklimaktisch, aber trotzdem gibt es immer wieder gelungen auf die Glocke, ohne dass „The Scorpion King 4“ zur Speerspitze des B-Action-Fantasy-Gassenhauers zählen würde.
Insofern ist das Sequel schwächer als seine drei Vorgänger, bietet aber durchaus brauchbares B-Gekloppe, das mit seinen Mittelalter-Bezügen und seiner mehr auf Slapstick und Comedy ausgelegten Marschrichtung Alleinstellungsmerkmale in der eh sehr heterogenen „Scorpion King“-Reihe sammelt. Das hilft dann über eine episodenhafte, schwache Story, manchen missratenen Gag und schwache CGIs teilweise hinweg.