Review

Festa, bleib bei deinem Leisten! Der italienische Videoregisseur und Musiker Al Festa preschte 1996 wider besseren Wissens darüber, dass ein solches Kunststück nur ein wahrer Genrepapst a la Argento bewerkstelligen kann, auf eine schier unmögliche Mission zu: Das tote Genre des Giallo widerzubeleben! Gelungen ist dies mit "Fatal Frames - Okkulte Morde" nur bedingt. Welcher Teufel Regisseur Festa geritten hat dürfte klar sein: Freunde Stefania Stella, ihres Zeichens Popsternchen und Angehörige einer raren silikonbasierten (und oft fälschlich für grundsätzlich attraktiv gehaltenen) Alienart, die auch schon andere B - Prominente wie Dolly Buster und Lolo Ferrari hervorgebracht hat, war an der vorliegenden Schnapsidee mitbeteiligt und stellte sich gleich als Co - Star für Hauptdarsteller Rick Gianasi zur verfügung, der zu dem Zeitpunkt als "Sgt. Kabukiman" in die Troma - An(n)alen eingegangen ist. Des weiteren gelang es dem Regisseur irgendwie, Donald Pleasance, David Warbeck und "Tallman" Angus Scrimm zu verpflichten und den Wagen, mit dem er seine Karriere vor die Wand fahren wollte zumindest mit einigen prächtigen Zugpferden zu schmücken. Dann kann die wilde Fahrt ja losgehen!

Gesehen habe ich den Film vor etwas weniger als zehn Jahren auf einer kuriosen Filmveranstaltung im Ruhrpott und begleitet von meinem fassungslosen Vater, der danach unter tagelangen Massivstkopfschmerzen litt. Ich selbst verbuchte den Film als interessante, aber doch eher öde Erfahrung. Bis mir die DVD in einer Fillialie einer Gebrauchtwarenkette für drei Euro in die Hände fiel, was ein fairer Preis für ein masochistisches Freizeitvergnügen ist. Da "Fatal Frames" sich retrospektiv auch noch gerade so als weniger schädlich als eine Anfangsdosis Crack erwies griff ich zu und stellte mich dem Trip irgendwann dann noch einmal. Und wie damals bin ich beeindruckend, denn soviel Rauch um nichts bekommen noch nicht einmal mehr die Herren Cheech und Chong hin.

Alex Ritt, seines Zeichens Regisseur und als solcher Experte für oberflächliche Popclips auf Profiniveau, verschifft sich mitsamt Klientin Stefania Stella (Jepp, Cameo) selbst nach Rom, um dort ein Video für deren anstehende Single zu drehen. Dabei bereitet ihm nicht die unmotiviert abkrächzende Populärmusikdiva mit den Plastikbrüsten die größten Probleme, sondern ein übermotivierter Amateurfilmer, der in Alex Umfeld munter seinem Zweithobby - dem Mädelmetzgern - hingibt und seine Taten akribisch filmt und der Polizei zuschickt.

Alex selbst gerät als Regisseur sofort in Verdacht und versucht nun seinerseits, das Geheimnis um den Videokiller zu lüften, zumal der seine Schlinge schon nach Alex selbst auswirft und unser Regiebubi an einem langen und gesunden Weiterleben durchaus interessiert ist.

Kurz und schmerzlos, das Drehbuch, und durchaus für einen Giallo ausreichend: das Genre war noch nie auf lange und komplexe Skripte geschweige denn tiefgehende Ermittlungsarbeiten angewiesen, Hauptsache, die Küchenpsychologie im Hintergrund stimmt. Nun, der Hausmannsfreudismus kommt hier leider selbst am Genremaßstab gemessen viel zu kurz und die Füllmasse zwischen diesen Drehbuchlücken besteht im Wesentlichen aus Brust - und Lippenimplantaten unserer unausstehlichen Stefania. Passend zum stella'schem Körperkunststoff hat die Handlung des Filmes eine Länge und Zähigkeit einer mit altem Kaugummi verstärkten Lederschuhsohle und leider auch deren faden Beigeschmack. Schade, denn optisch ist Festas Film (von den Effekten abgesehen) durchaus ansprechend und mit David Warbeck und Donald Pleasance durchaus mit großer Schauspielkunst geadelt.

"Fatal Frames" ist einer dieser Zelluloid - Zungunfälle, die ich verzweifelt zu verdrängen versuchte. Wie es im Leben so ist reichte eine einzige Erinnerung (hier durchaus Warme an das Filmschaffen David Warbecks) aus, um einen folgenschweren Flashback auszulösen. Für den schmalen Taler kann man sich diesen vorsätzlichen Horrortrip mal gönnen wie abgelaufenes LSD zum Sonderstraßenpreis für Spartrip - Psychedeliker. Diverse angekündigte Prachtausgaben für diesen Film finde ich angesichts dessen, was man hier bekommt, aber eher größenwahnsinnig bis unverschämt.

Abschließend noch ein gut gemeinter Rat für Stefanie Stella, sollte diese noch unter uns weilen und schauspielern: Stefania, bleib an Festas Leiste!







Details
Ähnliche Filme