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Abgesehen von zwei Kleinauftritten in eigentlich ebensowenig beachteten Filmen, die der namentlichen Erwähnung auch nicht wert sind, ist es seit 2011 mehr als ruhig um den zuvor als großes Talent ausgerufenen Jacky Wu Jing, einen ehemaligen Schüler von Yuen Woo-ping und zuvorigen Beijing Wushu Academy Mitglied geworden. Trotz guten Aussehens, darstellerischer Solidität und physischer Referenzen blieben Angebote seit dem genrefremden Magic to Win, einer Hokuspokus-Zauber-Klamotte, die auch noch an den Kinokassen unterging, unverständlicherweise komplett aus. Als auch noch das Pech von Verletzungen hinzu kam, trat Wu das zweite Mal nach dem Regiedebüt Legendary Assassin (2008) den Gang hinter die Kameras und so die Eigeninitiative, die Inszenierung mit sich selber in der Hauptrolle statt dem weiteren Warten auf fremde Hilfe und dies angesichts der drohenden biologische Uhr – Wu ist Jahrgang '74 –  an.

Ein Schritt der Energeia, welcher sich zumindest finanziell überraschenderweise gelohnt haben dürfte, setzte sich Special Force: Wolf Warriors bei einem Budget von nur 12 Mio USD. Anfang des Jahres doch mit einem Einspiel innerlandes von fast 90 Mio. USD an der Spitze der Kinokassen und dort gut gelegen zwischen wesentlich besser gestellten Großproduktionen ab. [Ein Erfolg, den Wu im Anschluss mit Soi Cheangs SPL II: A Time of Consequences wiederholen und so festigen konnte und auch für das kommende Martial Arts Ensemblestück Deadly Reclaim, von Benny Chan, erwartbar ist.] Eine Vervielfältigung des Nutzens angesichts der Kosten, die das eigentliche Werk zwar nicht im Nachhinein noch adeln, aber wenigstens der Mühe, dem Versuch des Schaffens, der Erprobung des Ernstfalls wert sind. Der Gegenspieler zum Act of Valor; ebenfalls angetreten zur Peinlichkeit, zum Salut und zum Appell:

Bei einer Geiselnahme während der Erstürmung eines Verbrecherhauptquartiers erschießt Leng Feng [ Wu Jing ], Scharfschütze der chinesischen Volksbefreiungsarmee gegen die Befehle seines Vorgesetzten Shi Qingbong [ Shi Zhaoqi ] den gefährlichen Wu Ji [ Zhou Xiaoou ]. Noch in der Haftzeit wegen Verweigerung der Obrigkeit erhält der Militär Besuch von Long Xiaojun [ Yu Nan ], Kommandeurin der Wolf Warriors, der "Blue Force in Special Force of PLA". die den Diensteifrigen für ihre Spezialtruppe der Besten der Besten rekrutieren möchte. Währenddessen dürstet Wu Jis Bruder Min Peng [ Ni Dahong ] nach Blut und Rache, und überfällt mit seiner ausländischen Söldnertruppe, angeführt von Tomcat [ Scott Adkins ] eine als Übung gestartete Armeeaktion, die er aus dem Hinterhalt mit heimtückischen Anschlägen penetriert.

Anders als noch im Debüt, welches visuell besser aussah, sich um eine (holprige) Dramaturgie kümmerte und die Anstrengung auf eine richtige Geschichte mit mehrerlei Faktoren und Personen samt ihren Einflüssen legte, wird im vorliegenden Fall eher der ganz grobe Weg gegangen; abgesehen von einem flotten und gleichzeitig brutalen Doppelauftakt in Form zweier nassforscher Massaker (mit u.a. Raketenwerfer & Maschinenkanone) aber auch recht ungelenk bis ärgerlich und fremdschämend und so mit wenig Geschick. Das Projekt ist im Grunde aus der Zeit gefallen und gleichzeitig schon wieder seltsam aktuell, wird doch gerade das Erstarken der Volksrepublik China in den letzten Jahren, sowohl wirtschaftlich als auch finanziell, politisch und medial, der gesamte Ruck nach vorn in die Bedeutung hier eingefangen. Der Ton ist direkte Propaganda, unverblümt und mit Holzhammer und Haudrauf, in großen farbigen Lettern und den simpelsten Sprüchen und Gesten ausgedrückt. Dergleichen an Militärepen und Rekrutierungsvideos gab es schon vermehrt, wurde von der People's Liberation Army mit dem August First Film Studio gar ein ausführendes Organ für diese Form der Information, Motivation und Agitation abgestellt, sind diese Arbeiten wie Night Attack (2007), Sky Fighters (2011) oder Target Locked (2013) allerdings großteils auch auf das Landesinnere und so die eingeschränkte Verbreitung ohne Bewusstsein auf und für äußere, sprich westliche Einflüsse reduziert. Der Fall liegt hier anders, wenn auch nur im Detail.

So wird Wus Szenario, welches in der Prämisse de facto aus den vor allem in den Achtziger Jahren beliebten Paintball-gone-wrong wie Born Killer (1990), Power Games (1989), Masterblaster (1987), The Zero Boys (1986) entspricht, auch mit diversen "I fight for China" Zitaten und Aufklebern und anderen Hinweisschildern der aufklärerischen bzw. aufwieglerischen Botschaft garniert. Bewegt sich neben seiner Gefallsüchtigkeit und Ehrpusseligkeit aber wie seine amerikanischen Vorbilder direkt im niederen und preisgünstigen und auch so aussehenden direct to video Sumpf und ist auch tatsächlich so, gerade auch durch den Zusatz von Scott Adkins und der gesamten Handhabe als schnörkelloser Kleinkriegsfilm für die einfachen Gemüter spekuliert.

Die Handlung ist banal und ebenso umgesetzt, das Training vor dem Ernstfall, die Bewerbung vor der Bewährung, dann Gut gegen Böse, also China gegen die Invasoren, die vor Hinterhalten nicht zurückschrecken und sich ganz allgemein auch wie die Elefanten im Porzellanladen, also grobschlächtig und ohne Moral und Anstand am verhalten sind. Auf der anderen Seite die Rotarmisten, die eigentlich noch große Kinder sind, sich anfangs auch wie bei einem Ausflug auf den Abenteuerspielplatz tummeln, aber bei Gefahr und Grenzverteidigung die Fahne der Ehre und des Landesstolzes ganz weit oben halten und diese weithin sichtbar am Schwenken sind. So richtig bös und ernst nehmen kann man diese Mobilmachung in seiner Überdeutlichkeit ohne jede Raffinesse, Markanz oder Anspruch einer Empathie nicht, dazu ist das Interesse an den Figuren schon viel zu gering, von einer Glaubwürdigkeit der Situation ganz zu schweigen, die sowieso ihre liebe Not hat, so ab der Hälfte der Laufzeit noch tatsächlich seine Zuschauer anzusprechen.

Zwar wird sich viel bewegt, allerlei militärischer Popanz in Form von Panzern, Hubschraubern, Drohnen, Massenaufmärschen von Artillerie und Infanterie geboten und präsent in das Bild gerückt, und weist die spätere Konfrontation zwischen den beiden unterschiedlichen Parteien im wäldlichen Dauerfeuer hier und da durchaus ihre kleineren Höhepunkte auf. Im Vergleich zum brachialen Beginn, der Erstürmung eines Fabrikgeländes seitens der Polizei und der darauffolgenden Vergeltungsaktion der Gangster, sind die noch kommenden Scharmützel allerdings recht blutleer und irgendwie wie im Nebenher eingewoben und so alles andere als demonstriert. Außerdem sorgt eine überaus zur Fremdscham einladende 'Online' - Romanze zwischen dem heroischen Kämpen auf dem Schlachtfeld und seiner Kommandeurin im Basislager für viel Leidwesen, das im Gegensatz zu dem agitatorischen Gehabe auch tatsächlich wie körperlichh wehtut.

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