Fähige Dokumentarfilmer müssen stets die Nerven behalten, dürfen niemals aktiv ins Geschehen eingreifen, benötigen Durchhaltevermögen, müssen jedoch auch ein Gespür haben, wann es Zeit ist, ein Projekt zu beenden. Da wir es im vorliegenden Fall einmal mehr mit Found Footage zu tun haben: Unsere Protagonisten erfüllen keine dieser Grundvoraussetzungen.
Eigentlich wollten Journalistin Jodie und ihr Kameramann Kevin nur ein paar Aufnahmen im Suchtzentrum machen, als sie von einem der Teilnehmer von einer autark lebenden Gemeinschaft in den australischen Wäldern hören, dessen Führer Michael Godson (.!.) offenbar Gehirnwäsche betrieb. Im Wald angekommen, werden Jodie und Kevin die Augen verbunden und von zwei Mädchen zum versteckt liegenden Wohnbereich gebracht. Sogleich fällt den beiden auf, dass der Gemeinschaft außer Michael kein mit Glied angehört...
Der alte Hut vom Reporterduo mit zwei stets eingeschalteten Kameras ist zwar dermaßen abgetragen, doch zuweilen setzt man ihn noch auf, zumal bei Profis hinter der Linse von weniger Gewackel ausgegangen werden sollte.
Allzu doll fallen die Figurenzeichnungen der Investigativen zwar nicht aus und es erschließt sich auch nicht, warum die beiden ihre Handys auf Anweisung im Auto lassen, anstatt diese mit Equipment ins Lager zu schmuggeln, aber okay. Mädchen in hellen Nachtgewändern im Wald sind immer etwas spooky, - das glaubt zumindest Autor und Regiedebütant Glenn Triggs, der neben der scheinbar harmonischen Gemeinschaft und ein paar harmlosen Interviews zunächst nicht viel präsentiert.
Sobald der halbwegs charismatische, kahlköpfige Erleuchtete von der titelgebenden Apokalypse schwafelt, weiß man zwar worauf die Chose hinausläuft, doch ab der zweiten Hälfte wird die Atmosphäre merklich dichter und es kommt Bewegung ins Spiel.
Dazu trägt die wahrlich isoliert wirkende Kulisse nicht unerheblich bei, was durch Momente mit Frühnebel, ausbleibender musikalischer Untermalung und den durchweg überzeugenden, treffend besetzten Mimen intensiviert wird.
Das Verhalten der Reporter wird indes zusehends unprofessioneller, einschließlich der Handhabung der Kameras, was gegen Ende doch einen leichten Augenkasper mit sich bringt.
Lieder geraten die finalen Minuten etwas unbefriedigend, da die Blickwinkel nicht immer optimal sind, wodurch etwaige Schicksale lediglich angedeutet werden.
Etwas mehr Mut zur narrativen Konsequenz wäre wünschenswert gewesen.
Dennoch kein gänzlich schlechter Handkamerabeitrag, da dieser optisch überwiegend störungsfrei daherkommt, mit soliden Schauspielleistungen aufwartet und den "Alltag einer Sekte" ohne moralinsauren Zeigefinger recht treffend auf den Punkt bringt.
Ausbleibende Spannungsmomente in der ersten Hälfte und ein unglücklicher Abschluss verhindern allerdings einen besseren Gesamteindruck.
5 von 10