Review

Lee Holloway (Maggie Gyllenhaal) ist ob ihrer Familie ein kleines bisschen gestört und findet Befriedigung in Schmerzen. Sie bewirbt sich bei dem Anwalt E. Edward Grey (James Spader), woraus eine mehr als interessante Beziehung resultiert.

Der Film lebt natürlich voll und ganz von seinen beiden Hauptcharakteren. Lees Neigung, Frust mit Schmerzen zu kompensieren, fällt ihrem Vorgesetztem schnell auf. Er selbst kommt aber auch nicht ganz klar mit der Welt. Sein Verhalten ist stark von ausgefallenen Wünschen getrieben, deren Erfüllung in ihm eine gewisse Scham hervorruft. Lees Zuneigung gewinnt er schnell, da er auf eine sehr kleinkarierte Weise vieles an ihr kritisiert. Lee ist darüber nicht verärgert, viel eher lässt das an ihr geäußerte Interesse neuen Lebensmut entfachen. Die beiden kommen sich also unkonventionell näher und geraten in abstruse Situationen.

Wenn man behauptet, der Film beschreibe eine höchst ungewühnliche Romanze, hat man durchaus Recht. Nur der Komödienaspekt, der von vielen angepriesen wird, rückt stellenweise deutlich in den Hintergrund. Es gibt durchaus Phasen, in denen der Film diesem Genre zuzuordnen ist, häufig gibt es aber auch melancholische, depressive oder einfach nur abstruse Szenen. Die Entwicklung, die Lee durchmacht, ist zu jeder Zeit tragendes Element.

Die Frage, wer denn von James Spader und Maggie Gyllenhaal hier die bessere Leistung abliefert, ist gar nicht so leicht zu beantworten. Beide spielen zumindest wirklich toll; Maggie hat aber viel mehr Szenen, in denen sie den Charakter tiefsinnig darstellen kann. James hingegen hat den dominanten Part der Beziehung inne, wodurch viele Szenen alleine von seinem Verhalten leben. Schon sein ewiges hinter den Ecken Hervorlugen fand ich sehr amüsant.

Darüber hinaus wird die neckische Atmosphäre von einem unauffälligen Score getragen, der nur selten auffällt. Keine wirkliche Meisterleistung, aber solide zum Thema passend. Auch in visueller Hinsicht sollte man keine Höhenflüge erwarten; Regisseur Steven Shainberg waren die Figuren seines Films anscheinend wichtiger. Die zahlreichen Szenen im Büro sind manchmal aber auch etwas arm an Abwechslung, wodurch es zu Längen kommt. Die Geschichte kommt auch ohne Höhepunkte aus, die Spannungskurve entfaltet sich zäh. Erst am Ende wird es wieder richtig interessant und der Schluss ist als Konsequenz aus dem Vorrausgegangenen sehr harmonisch und ein wahres Happy End.

"Secretary" ist eine sehenswerte Charakterstudie mit aberwitzigen, prickelnden Situation; eher interessant als spannend entzieht sich der Film den Genrekonventionen einer Lovestory und schneided zahlreiche, andersartige Gefühle an.

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