Review

Eine romantische Komödie über Sado-Masochismus zu machen fand ich eine interessante Idee und stellenweise ist Secretary auch wirklich sehr unterhaltsam. Doch insgesamt machte der Film auf mich einen etwas unausgegorenen Eindruck. Masochismus als Ersatz für "Ritzen" halte ich nicht nur für eher unglaubwürdig, es stellt diese Form der Sexualität dann nämlich doch wieder in einen Zusammenhang mit psychischen Störungen, was ich für Quatsch halte. Ich empfand Mr. Grey sehr schwer nachzuvollziehen, da er irgendwie alle fünf Minuten seine Einstellung zu der Beziehung mit Lee ändert. Erst will er ihr helfen, vom Ritzen loszukommen und fordert sie auf über ihre Gefühle zu reden und den Rest des Filmes ist er dann wieder distanziert. Am störendsten war dies für mich am Ende, als er sie als Test an seinen Schreibtisch setzt und ihren Freund anruft, um dann aber doch einfach zu verschwinden. Es wurde sich keine Mühe gemacht, seine Entscheidungen nachvollziehbar zu machen. Allgemein wirkte auf mich alles etwas halbherzig umgesetzt, so wurden die Nebenfiguren nach meinem Empfinden einfach nicht ernst genommen. Da ist ein alkoholkranker Vater der seine Frau schlägt, doch beide bleiben nur Karikaturen. Viele Drehbucheinfälle wirkten auf mich unüberlegt: Lee lügt Peter vor, ihn heiraten zu wollen um ihm dann eine absolut kaltherzige Abfuhr zu erteilen. Wie soll ich mich mit so einer Hauptfigur identifizieren? Neben einigen Logiklöchern (niemanden scheint aufzufallen, dass Mr. Grey die Tippfehler seiner Sekretärin einrahmt und in die Kanzlei hängt) kommt dann auch noch das erzkonservative Ende: Die beiden finden endlich zusammen und Mr. Grey arbeitet während sich Lee zu Hause um den Haushalt kümmert.
Insgesamt hat Secretary für mich zu viele Macken um gut unterhalten zu können und scheint weder seine Charaktere noch das Thema des BDSM ernst zu nehmen.

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