"Secretary" ist ein weit besserer Film als ich je gedacht hätte. Um "Secretary" habe ich jahrelang einen weiten Bogen gemacht: obwohl ich seine Stars eigentlich schon immer mochte, dachte ich mir doch, dass das auch wieder nur so ein Hollywood-Schmus um "Würde" und "Demut" sein wird, der auf das Thema Paraphilie mit der Rehabilitation zu einem bürgerlich-"normalen" Leben reagiert. Doch wie auch schon Maggie Gyllenhaal in einem auf der BD enthaltenen Interview anmerkt, verwendet der psychiatriekritische Film die Paraphilie eher im Gegenteil als Heilungsoption vom Unglück. Ihr Charakter beginnt schließlich total fertig, bevor sie in ihrem Chef einen Gleichgesinnten entdeckt: gleichgesinnt nicht dahingehend, dass das ein stereotyper BDSM- oder gar ein Male-Domination-Film wie die "Geschichte der O" wäre, sondern wo das Büro praktisch selbst zur gegenständlichen Paraphilie von Machtspielen über die Gesellschaft welche diese beiden Menschen umgibt (ver)führt. Zwänge eigens aufgestellte Regeln einzuhalten spielen dann auch die Hauptrolle im Film, das heißt nicht irgendwelche sexuellen Handlungen, Schmerzen, die Lust an einer Erniedrigung usw. Nein.
Es ist auch keine nervig-hektische, typisch amerikanische Komödie, sondern ästhetisch näher an "Being John Malkovich" oder vielleicht noch das wesentlich mainstreamigere "Stranger Than Fiction"