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Zwei Oscarpreisträger wie Dustin Hoffman (77) und Judi Dench (80) landen in einer britischen TV-Romanze? Manchmal bedarf es zweier Großer, um einer kleinen, aber feinen Liebesgeschichte entsprechenden Glanz zu verleihen und dieser auch gerecht zu werden.

Mr. Hoppy (Hoffman) lebt zurückgezogen in einem Mehrfamilienhaus und züchtet allerlei Blumen auf seinem Balkon. Als er der Witwe Mrs. Silver (Dench) bei ihrem Einzug im Fahrstuhl begegnet, ist es um ihn geschehen. Doch anstatt aufs Ganze zu gehen, bleibt es bei diagonal geführten Gesprächen von Balkon zu Balkon, bis sich die Dame die Schildkröte Alfie anschafft, welche einfach nicht wachsen will. Da fasst Hoppy einen ungewöhnlichen Plan, bei dem ihm nur noch der grobschlächtige Nachbar Pringle (Richard Cordery) dazwischen funken könnte...

Roald Dahl stand Pate für die goldige Geschichte der weitgehend rüstigen Senioren, die beide im Grunde recht einsam sind, es sich aber nicht eingestehen wollen. Hoppy ist eigentlich ein Sparfuchs, tappt in Sachen Liebe jedoch in die eine oder andere Stolperfalle und ist vor allem schüchtern. Mrs. Silver bringt zwar eine Menge Lebenslust mit und bestreitet unter anderem Tanzmarathons und wirkt recht aufgeschlossen, doch auch sie kümmert sich lieber um Schildkröte Alfie, um definitiven Männerbekanntschaften nachzugehen.
Hinzu kommt der fast schon charmante Kotzbrocken Pringle, der jedem seine Lebensgeschichte aufschwatzt und grundlegend den letzten Happen Essen für sich beansprucht, doch auch er schlägt nie wirklich über die Stränge, was die Komödie insgesamt ein wenig harmlos anmuten lässt.

Der Erzähler (James Corden) ist indes direkt ins Geschehen involviert und wendet sich an die Kamera, verpasst fast seinen Bus, kickt mal einen Fußball und muss Möbelschleppern ausweichen, was zuweilen ein wenig vordergründig erscheint, es bringt jedoch frischen Wind in die Erzählung, welche sich überwiegend in dem Mehrfamilienhaus abspielt, - wenn man mal von den Zoohandlungen absieht, von denen Hoppy die 99 Schildkröten bezieht, um seinen Plan durchzuführen.

Die Mischung macht’s und da sind natürlich in erster Linie die beiden Hauptdarsteller zu erwähnen, die ihre Figuren mit Bravour verkörpern. Hoffman hat als Titelgebender (Otto heißt er auch in der Synchronfassung nicht) deutlich mehr Screentime als Dench, doch beide sind mit enormer Präsenz dabei und reißen jede noch so scheinbar harmlose Szene an sich und gestalten das Geschehen um Irrungen, Missverständnisse und Enttäuschungen zum Fest. Aber auch Cordery ist eine treffende Besetzung, denn dem Pringle kann man trotz der ungehobelten Art kaum böse sein.

Fast genau so sollte ein Feel-Good-Movie aussehen: Eine ordentliche Handvoll subtiler Gags, ein paar emotionale, nie ins Kitschige abdriftende Momente, eine gesunde Portion schwarzer Humor und eine wohl dosierte Prise Charme. Brillante Mimen sind natürlich nie verkehrt und schon kann die Schildkröte als Symbol fürs Altwerden per Angelhaken ausgetauscht werden...
8 von 10

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