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Andalusien im September 1980: Zwei Polizisten aus Sevilla werden abkommandiert in die Provinz, um ein verschwundenes Mädchen zu finden. Schon bald merken sie, dass sie auf der Fährte eines Serienkillers sind. In der ländlichen Umgebung allerdings können sie keinen Schritt machen ohne dass sie nicht irgendwo auffallen. Und die Mauer des Schweigens auf die sie stoßen ist auch nicht wirklich hilfreich. Aber die Zeit drängt, denn auf die beiden werden Anschläge verübt, und bald ist wieder ein junges Mädchen verschwunden …

Klingt jetzt wie die Inhaltsangabe eines US-amerikanischen Fernsehfilms. Sowas wie DENN ZUM KÜSSEN SIND SIE DA als massentaugliche Feierabendunterhaltung. Mitnichten! MÖRDERLAND ist ein dunkler, langsamer und alles verschlingender Mahlstrom, der aus Misstrauen und Gewalt besteht und den Bildschirm und Landstrich fest im Griff hat. Und den Zuschauer gleich mit, denn diesen überwältigend-tristen Bildern und der wie ein Räderwerk unerbittlich fortschreitenden Geschichte kann man sich nicht entziehen. Die Sonne brennt vom Himmel, alles und jeder scheint Dreck am Stecken zu haben (was in einer traditionell sehr armen Gegend nicht ungewöhnlich ist), und die beiden Ermittler haben dann zusätzlich auch noch ihre persönlichen Dämonen gegen die sie ankämpfen müssen. Immerhin befinden wir uns im Jahre 5 nach einer jahrzehntelangen Gewaltherrschaft, da hängt man auch in seiner Arbeit als Polizist durchaus der einen oder anderen Angewohnheit von früher nach …
Was hier am meisten beeindruckt ist die wortkarge Langsamkeit, mit der Regisseur Rodríguez seine Story entwickelt. Anstatt auf Action und klamaukreiche Buddy-Coolness setzt er auf die, ich nenne sie jetzt mal so, Jim Jarmusch-Schiene: Die Detektive sitzen im Auto und rauchen. Sie laufen durch das Marschland. Sie schauen. Sie fragen, sie verhören, und sie schlagen auch mal zu. Aber alles in einem Tempo, welches der sie umgebenden Landschaft angemessen ist. Diese unglaubliche Weite und Einsamkeit, die jedem Western gut zu Gesicht stehen würde, die erschafft solche Menschen wie man sie hier sieht. Lakonisch, schweigsam, pragmatisch. Und so ganz nebenbei rollt die stellenweise recht unangenehme Geschichte über Zuschauer und Ermittler hinweg wie eine Dampfwalze (guter Vergleich, bezüglich Wucht und Tempo) und steuert auf ein Showdown zu das sich, im wahrsten Sinne des Wortes, mehr als gewaschen hat.

Die spanische Filmlandschaft ist seit etwa 20 Jahren mit das kreativste und abwechslungsreichste Kino Europas. Filme wie dieser untermauern diesen Anspruch und machen gewaltig Freude auf die nächsten 20 Jahre spanischen Films. Und den Vergleich mit der ersten Staffel TRUE DETECTIVE, der sich aufgrund des Sujets und der Umgebung geradezu anbietet, diesen Vergleich muss MÖRDERLAND in keiner Sekunde scheuen.

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